Der Senatorenpalast auf dem Kapitol

Der Kapitolshügel, der kleinsten der sieben Hügel, war von Anbeginn Roms erst religiöses, dann politisches Zentrum der Stadt. Hier steht der altehrwürdige Senatorenpalast an Michelangelos Kapitolsplatz. Er ist das Rathaus Roms. Wie kaum ein anderes Gebäude birgt er über 2000 Jahre Baugeschichte, die sich bei ein bisschen Aufmerksamkeit, wie ein Geschichtsbuch vor den eigenen Augen öffnen.

Der Kapitolshügel hat zwei Gipfel. Der höhere nördliche, einst mit der Arx, der Burg, bekrönt, trägt heute die Basilika Santa Maria in Aracoeli. Auf dem südlichen stand einst der große Jupitertempel, heute die Villa Caffarelli. Dazwischen liegt eine Senke, das Asylum, das in etwa dem heutigen Kapitolsplatz entspricht. Bereits ab dem 4. Jahrhundert wandelte sich der Kapitolshügel von einem Wohnort zu einem sakralen Bereich.

Podium des Tempels des Veiovis
Podium des Tempels des Veiovis

Tempel des Veiovis

Neben den großen Tempeln für Jupiter und Juno wurden unzählige kleiner gebaut, die fast alle heute spurlos verschwunden sind. Lediglich vom Tempel des Veiovis wurden 1939 bedeutende Reste unter dem Senatorenpalast ausgegraben.

Über den unterirdischen Gang, der Konservatorenpalast und Palazzo Nuovo verbindet, können wir ihn heute besuchen. Wir sehen das Podium, dass mit im hellenistischen Stil gestalteten Travertinplatten verkleidet ist. Der Marmoraltar ist noch erhalten, ebenso wie Reste der ionischen Säulen.

Der Tempel wurde vom Konsul Lucius Furius Purpureo nach seinem Sieg über die Kelten in der Poebene 196 v.Chr. gelobt und in Auftrag gegeben und vier Jahre später eingeweiht. Der Tempel wurde mehrere Male erneuert und unter Domitian 80 n.Chr. schließlich mit verschiedenfarbigem Marmor verkleidet. Er hatte einen ungewöhnlichen längs gelagerten Grundriss mit einer kleinen Vorhalle mit vier Säulen.

Marmorstatue des Gottes Veiovis, Kapitolinische Museen, 1. Jhd. n. Chr.
Marmorstatue des Gottes Veiovis

Auch die überlebensgroße Marmorstatue des Gottes, wenn auch ohne Kopf und Hände, ist hier unten zu finden. Wir sehen einen jungen Mann, nackt bis auf einen Mantel, den er leger über eine Schulter gelegt hat. Die langen, lockigen Haare fallen ihm auf die Schultern. Man kann annehmen, dass er ein Bündel Pfeile oder Blitze in der Hand trug. Veiovis war so etwas wie der Gegen-Jupiter. Ein Gott der Unterwelt, der mit seinen Pfeilen den sanften, schmerzfreien Tod brachte. Aber er war auch ein Gott der Heilung und er gehörte zu den Schutzgöttern Julius Cäsars. Ein zweiter Tempel für ihn stand neben dem Äskulaptempel auf der Tiberinsel. Er stammte wohl aus dem etruskischen Kulturkreis. Außerhalb von Rom gibt es allerdings keine Hinweise auf ihn.

Tabularium

Nach dem Bürgerkrieg des ersten vorchristlichen Jahrhunderts war es die Aufgabe von Quintus Lutatius Catulus, Konsul des Jahres 78 v. Chr. und Gefolgsmann von Sulla, das zerstörte Kapitol wiederaufzubauen. Wie aus einer Inschrift auf einem Steinblock an der Nordfassade des Senatorenpalasts hervorgeht, gab er den Bau des Tabulariums in Auftrag. Eine weitere Inschrift, die sich heute auf der Tiberinsel befindet, nennt sogar den Architekten Lucius Cornelius.

Tabularium und Senatorenpalast vom Forum Romanum gesehen
Tabularium und Senatorenpalast vom Forum Romanum gesehen

Südeingang des Tabulariums, Via del Campidoglio
Südeingang des Tabulariums

Der Name Tabularium leitet sich von den Tabulae her, Bronzetafeln in die wichtige Gesetze und Verträge eingraviert waren und die man hier wohl aufbewahrte. Der Bau sollte wohl auch die Wiederherstellung der Macht des Senats illustrieren, der hier Hausherr war. Sicher war es mehr als nur ein Staatsarchiv, auch wenn leider nicht überliefert ist, welche Aktivitäten hier sonst stattfanden.

Am besten sieht man das Tabularium vom Forum Romanum, dem es einen monumentalen Abschluss gab. Auch wenn es heute zum Unterbau des Senatorenpalastes degradiert ist, ist es das am besten erhaltene Gebäude des republikanischen Roms.

Reste der Nordmauer des Tabulariums
Reste der Nordmauer des Tabulariums, in der
Mitte der Steinblock mit der
Gründungsinschrift

Eine mächtige Mauer deckt den Felsen des Kapitolshügels ab, hinter der lediglich eine Treppe zur ersten Galerie mit kleinen rechteckigen Fenstern hinaufführt. Darüber befindet sich der noch gut erhaltene, breite, überwölbte Gang, der die zwei Gipfel des Kapitols miteinander verbindet. Das Motiv der Arkaden mit vorgestellten Halbsäulen, die ein Gebälk tragen kommt hier erstmals vor und findet sich auch am 150 Jahre später erbauten Kolosseum.

Die darüber liegenden Stockwerke, die das eigentliche Tabularium beherbergten, sind nicht erhalten. Mit diesem Bau entwickelte sich eine eigenständige, von der etruskischen und griechischen Architektur unabhängige, römische Baukunst. Über das Kapitolinische Museum kann man auch die Gewölbe des Tabulariums erreichen und den Blick über das Forum Romanum genießen.

Torre di Bonifacio IX an der Südseite des Senatorenpalastes
Torre di Bonifacio IX an der Südseite

Der mittelalterliche Senatorenpalast

Im 11. Jahrhundert, nach langer Zeit in der das Tabularium verfiel, bemächtigte sich die römische Familie Corsi, des immer noch imposanten Gebäudes und baute in die Ruinen der oberen Stockwerke ein befestigtes Haus.

Als sich 1143 das Bürgertum emanzipierte und wieder einen Senat errichtete, wurde dieser Palazzo Corsi zum Sitz eines Bürgerparlaments erkoren. Man hielt das Tabularium für den Tagungsort des antiken Senats und daher lag die Nutzung für den neuen Senat nahe. Die eigentliche Kurie am Forum war längst in eine Kirche umgewandelt und wurde kaum noch als antikes Gebäude wahrgenommen.

Der mittelalterliche Senat umfasste ursprünglich 30 Mitglieder, die aus den Reihen der adligen Familien gewählt wurden. Später gab es nur einen Senator, der vom Papst als Bürgermeister eingesetzt wurde und zusammen mit den Konservatoren die Stadt verwaltete. Der letzte war Francesco Cavalletti Rondinini, 1865 – 1870.

Nordseite des Senatorenpalastes mit Torre Martino V rechts und dem Torre Niccolò V. ganz links
Nordseite mit Torre Martino V rechts
und Torre Niccolò V. ganz links

Auch wenn die Römer es nie schafften eine dauerhafte unabhängige Stadtrepublik zu bilden, so bauten sie den Sitz des Senats doch immer weiter aus und orientierten sich dabei an den Kommunalpalästen der oberitalienischen Städte. Um 1300 hatte der Palast offene Loggien und war über eine große Rampe erreichbar, auf der auch die Hinrichtungen nach dem Richtspruch des Senators stattfanden.

Am Ende des 14. Jahrhunderts ließ der Papst Bonifatius IX. den Palast befestigen. Auf der Südseite ist der Torre di Bonifacio gut erhalten. Unter dem Zinnenkranz sieht man noch das Wappen des Papstes. An der Nordwestecke steht der ziemlich gestutzte Turm, den Martin V. 1427 anfügte und neben dem heute der Zugang zum Rathaus liegt. Schließlich baute Nikolaus V. 1451 noch einen Turm an der Nordostecke, der auch noch bis zum Zinnenkranz erhalten ist.

Der Stich von Étienne Dupérac, 1568, gibt Michelangelos Entwurf für den Senatorenpalast gut wieder
Michelangelos Entwurf für den Senatorenpalast,
Étienne Dupérac, 1568

Michelangelos Bau

1537 bekam Michelangelo Buonarotti den Auftrag den Kapitolsplatz mit allen angrenzenden Gebäuden komplett neuzugestalten. Im Wesentlichen entstammt der perspektivisch angelegte Platz, sowie wir ihn heute sehen seinem Plan. Doch zu seinen Lebenszeiten kam der Bau nur sehr schleppend voran.

Als erstes stellte der Meister die Reiterstatue des Mark Aurel auf. Er entwarf auch die neue Fassade des Senatorenpalasts die vor das mittelalterliche Sammelsurium gesetzt wurde und dem Palast eine Symmetrie und Ordnung gab. Michelangelo setzte den Bau optisch auf einen mächtigen Sockel und fasste die oberen zwei Stockwerke mit korinthischen Pilastern zusammen.

Stich von Hieronymus Cock, 1562, Senatorenpalast
Stich von Hieronymus Cock, 1562, Senatorenpalast

Auf dem Gebälk, dass sich auf den seitlichen Gebäuden fortsetzt, sah er die Aufstellung von antiken Statuen vor.

Bis zu seinem Tod wurde tatsächlich nur die monumentale Treppenanlage fertiggestellt, die Michelangelo ursprünglich mit einer Loggia krönen wollte. Damit sollte die Zentralachse betont werden, die sich vor dem Betrachter entwickelt, der den Kapitolshügel über die Cordonata erklimmt.

Auf dem Stich von Hieronymus Cock sieht man den Baufortschritt zwei Jahre vor Michelangelos Tod.

Campanile des Senatorenpalast
Campanile des Senatorenpalast

Ebenfalls in der Zentralachse steht der Rathausturm, der bis 1582 von Martino Longhi gebaut wurde. Er setzte auf die Spitze eine Statue der römischen Schutzgöttin Minerva. 1806 wurde die große Uhr von der Fassade von S. Maria in Aracoeli auf den Rathausturm versetzt.

Das Rathaus selbst wurde bis 1598 von Giacomo della Porta und Girolamo Rainaldi fertiggestellt, die sich an die Pläne von Michelangelo hielten, aber eigene Details einbrachten.
In Inneren befinden sich einige Säle, von denen die Aula Giulio Cesare die größte ist. Der Saal, der heute für die Sitzungen des Gemeinderats genutzt wird, verdankt seinen Namen einer antiken Statue Julius Cäsars aus dem 2. Jhd. n.Chr. Den Fußboden schmückt ein etwa gleichaltes Mosaik, das aus einer Villa am Stadtrand Roms stammt. Die Innenräume des Senatorenpalasts sind leider nicht zu besichtigen.

Brunnen der Dea Roma

Bereits Michelangelo ließ die zwei Statuen der Flussgötter aus den Ruinen der Konstantinsthermen vor seiner Treppe aufstellen. Den linken Fluss kann man leicht identifizieren, da sich der Gott auf eine Sphinx stützt und daher den Nil darstellt. Dem rechten wurde die römische Wölfin samt Romulus und Remus beigegeben, daher handelt es sich wohl um den Tiber.

Dea Roma, Brunnen vor dem Senatorenpalast
Dea Roma, Brunnen vor dem Senatorenpalast

Wenn wir genauer hinsehen, merken wir aber, dass die Zwillinge eine spätere Zugabe sind und die Wölfin ein eigenartig rundes Gesicht hat. Tatsächlich ist sie ein umgemodelter Tiger und gemeint war ursprünglich der Fluss Tigris in Mesopotamien.

Einen Brunnen hat Michelangelo nicht vorgesehen, schlicht weil das Kapitol seiner Zeit unter Wassermangel litt. Erst als Papst Sixtus V. einen antiken Aquädukt als Acqua Felice reaktivieren ließ, waren auch auf dem Hügel wieder Wasserspiele möglich. 1588 bekam Matteo Bartolani di Castello, der schon am Aquädukt mitgearbeitet hatte, den Auftrag für einen Brunnen mit zwei übereinanderliegenden Marmorbecken. Er setzte auch die Minervastatue aus weißem Marmor und rotem Porphyr, die aus der Zeit von Kaiser Domitian stammt, in die zentrale Nische. Die Statue wurde in Cori, einer Kleinstadt südlich von Rom ausgegraben. Mit Lanze und Weltkugel in den Händen wurde sie zur Dea Roma, der Stadtgöttin Roms.

Machen Sie doch einen virtuellen Spaziergang mit uns über den Kapitolshügel.

Diesen finden Sie hier.

Cäsarstatue in der Aula Giulio Cesare
Cäsarstatue in der Aula Giulio Cesare

So genau wie möglich soll dieser Rundgang sein. Sie dürfen ihn gerne Ausdrucken und auch vor Ort benutzen, wenn Sie wieder nach Rom reisen dürfen. Und wir bleiben in Übung beim Erzählen über Kunst, Geschichte und Menschen aus drei Jahrtausenden.

Dies ist ein Work in Progress Projekt. Dass heißt, der Rundgang wird nach und nach fertiggestellt. Schauen Sie immer mal wieder herein.

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Brunnen der Dea Roma vor dem Senatorenpalast
Brunnen der Dea Roma vor dem Senatorenpalast

Brunnen der Dea Roma, Flußgott Tiber (Tigris)
Brunnen der Dea Roma, Flußgott Tiber (Tigris)

Brunnen der Dea Roma, Flußgott Nil
Brunnen der Dea Roma, Flußgott Nil

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