Tempel der Vesta vom Hotel Sibille aus gesehen

Die Tempel von Tivoli

Noch vor 150 Jahren waren sie das Sehnsuchtsziel Nummer Eins der romantischen Maler. Die Tempel in Tivoli, die sich in besonders malerischer Lage über dem tief eingeschnittenen Tal des Aniene mit seinen zahlreichen Wasserfällen befinden. Heute sind sie ein bisschen in Vergessenheit gefallen, was auch daran liegen mag, dass die Aussichtspunkte, von denen man sie gut sehen kann, an verkehrsreichen Straßen befinden. Es sind die Ausblicke, die sich in unzähligen Varianten gemalt und gezeichnet in fast allen Kunstmuseen im deutschen Sprachraum befinden.

sogenannter Tempel der Vesta, Detail
sogenannter Tempel der Vesta, Detail

Tivoli

Die meisten Touristen, die Tivoli als Tagesausflug besuchen steuern die Villa d'Este, UNESCO-Weltkulturerbe genauso wie die Villa Adriana im Tal, an. Trotzdem lohnt in Tivoli nicht nur ein Besuch der berühmten Villa d’Este mit ihren Wasserspielen. Schlendern Sie auch durch die Altstadt deren Höhepunkt der Tempelbezirk ist.

Hier am Rande des Tals hat sich einmal die Akropolis, der Burgberg des antiken Tibur befunden. Nicht der höchste Punkt der Stadt, ist dieser über dem tiefen Tal vorgeschobene Fels doch der am besten zu verteidigen. Er ist von der Stadt aus nur über eine Brücke, den Ponte di San Marino, zu erreichen. Noch heute wird der kleine Stadtteil Castello oder Castelvecchio, also Alte Burg, genannt. Tibur, heute Tivoli, soll bereits 1215 v.Chr. gegründet worden sein und wäre damit fast 500 Jahre älter als Rom.

Tempel der Sibylle

Die Tempel sind im Vergleich damit eher jung. Der sogenannte Tempel der Sibylle wurde im 2. Jahrhundert v.Chr. gebaut. Sogenannt, da man tatsächlich nicht weiß, welcher Gott hier verehrt wurde.

Rekonstruktionsversuch der Tempel durch Giovanni Battista Piranesi, ca. 1780
Rekonstruktionsversuch der Tempel durch
Giovanni Battista Piranesi, ca. 1780

Wahrscheinlicher wäre Tiburnus, der legendäre Namensgeber von Tibur und Sohn des Stadtgründers Catillus, der wie so viele Helden der Sagen Latiums ein Abkömmling Trojas sein soll.

Als Tempel der Sibylle wurde er wohl auch deshalb bezeichnet, da die Tiburtinische Sibylle (siehe Santa Maria in Aracoeli) eine wichtige Rolle für das christliche Rom spielte. Sibyllen waren die antiken Wahrsagerinnen, darunter war die Sibylle Albunea in Tivoli eine der bekanntesten.

Sie soll Kaiser Augustus die Geburt Christi vorhergesagt haben. Tatsächlich wissen wir nicht genau wo sich der Tempel der Sibylle Albunea befand. Ihre Figur ging wohl aus einer alten Wassernymphe hervor, deren Statue nebst einem Buch mit den Weissagungen, auf wunderbare Weise aus den Fluten des Aniene erschienen sein soll, wie Horaz berichtete.

Der rechteckige Tempel muss einmal dem Tempel des Portunus in Rom geähnelt haben. Ein Pseudoperipteros mit vier Säulen an der Frontseite und Halbsäulen an den Seitenwänden.

Er wurde im Mittelalter in die Kirche San Giorgio umgewandelt. Die 978 erstmals erwähnt wurde, aber in der Neuzeit wieder unterging. Noch im letzten Jahrhundert konnte man Reste der christlichen Fresken sehen.

Rekonstruktionsversuch der Tempel durch Giovanni Battista Piranesi, ca. 1780
Rekonstruktionsversuch deS Tempels der 
Sibylle durch Giovanni Battista Piranesi, 1780

Tempel der Vesta

Auffälliger ist der zweite Tempel, der sogenannte Vestatempel, der einige Jahrzehnte jünger ist. Ein Rundtempel von dem noch 10 der ursprünglich 18 korinthischen Säulen aufrecht auf dem übermannsgroßen Podium aus römischem Beton stehen. Trotz Verwitterung erkennt man noch wie sorgfältig und elegant sie aus dem Travertin gemeißelt wurden. Auch der schöne Fries mit Rinderköpfen und Festons ist noch gut erhalten.

Auch hier wissen wir nicht welcher Gott in ihm tatsächlich wohnte. Da man nach der Entdeckung des Vestatempels auf dem Forum Romanum ursprünglich alle antiken Rundtempel für Kultstätten der Vesta, Göttin des Herdfeuers, hielt, bekam auch dieser seinen heutigen Namen. Aber auch Herkules, Schutzgott von Tivoli, wurde oft in Rundtempeln verehrt.

Den Baumeister, bzw. den Beamten, der für den Bau verantwortlich war, kennen wir jedoch dank einer Inschrift im Podium, Lucius Gellius. Möglicherweise handelt es sich bei ihm um Lucius Gellius Poplicola, der im Jahr 72 v.Chr. Konsul in Rom war, oder um dessen Vater.

Auch dieser Tempel war als Santa Maria Rotondo jahrhundertelang eine Kirche bevor er seine mittelalterliche Umgestaltung wieder abschüttelte und wieder zum Wahrzeichen
von Tivoli wurde.

Die Tempel sieht man am besten vom Ponte Gregoriano aus. Neben den Tempeln befindet sich der Eingang in die Villa Gregoriana, ein schöner Landschaftspark in dem man zu den berühmten Wasserfällen wandern kann. Die Tempel sind von der Via della Sibilla frei zugänglich. Hinweisschilder zur Villa Gregoriana folgen. Plan ganz unten.

Quellen: Richard Delbrueck: Hellenistische Bauten in Latium, Antonio Venditti, Il tempio rotondo amato dagli artisti

 

 

 

 

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Tempel der Sibylle
Tempel der Sibylle

Die Tempel von Tivoli, Stich von Giovanni Battista Piranesi, ca. 1750
Die Tempel von Tivoli, Stich von Giovanni Battista Piranesi, ca. 1750

Tempel der Vesta, Adam Elsheimer, ca. 1600, Nationalgalerie Prag
Tempel der Vesta, Adam Elsheimer, ca. 1600, Nationalgalerie Prag

Der große Wasserfall von Tivoli
Der große Wasserfall von Tivoli

 

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