Vicovaro - Kapelle San Giacomo Maggiore

46 km nordöstlich von Rom liegt der hübsche kleine Ort Vicivaro im Tal des Aniene, des größten Nebenflusses des Tibers. Der Ort hat eine Geschichte die bis in vorrömische Zeit zurückreicht. Ein kleines Juwel findet man an der zentralen Piazza San Pietro. Eine Kapelle, die den Übergang von der Gotik zur Renaissance darstellt.

Geschichte Vicovaros

Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail
Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail

In der Antike war Vicovaro war vom Volk der Aequer besiedelt, wurde aber wohl schon im 5. Jahrhundert v. Chr. von den Römern erobert. In dieser Zeit wurde der Ort Varia oder Vicus Varus genannt, wovon sich der moderne Name Vicovaro ableitet. Die Bezeichnung "Vicus" ist ein Hinweis darauf, dass es sich immer nur um ein Dorf, nie eine richtige Stadt handelte, umso bemerkenswerter die Kontinuität. Von 1191 bis 1672 gehörte es der Adelsfamilie Orsini, die den Ort zu einer Festung ausbauten. Am langgestreckten Hauptplatz, der Piazza San Pietro, stehen sich heute die zwei wichtigsten kirchlichen Bauten gegenüber. An der oberen Seite die große zweitürmige Pfarrkirche San Pietro, die in ihrer aktuellen, barocken Form 1755 eingeweiht wurde.

Eine chaotische Papstwahl

An der unteren Seite der kleinere aber viel interessantere Bau, die Kapelle San Giacomo Maggiore. Ein Gebäude, das aus dem Rahmen fällt. Allein wegen der achteckigen Form, die ihre Vorbilder in Baptisterien hat. Doch eine Taufkapelle war San Giacomo nie.

Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail
Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail

Der Bau wurde schon 1379 von den Gebrüdern Giovanni und Rinaldo Orsini in Auftrag gegeben um als Grabkapelle für ihren Bruder Kardinal Giacomo Orsini zu dienen. Eine tragische Gestalt, die am kurzen aber tumultartigen Konklave 1378 teilnahm bei dem Papst Urban VI. gewählt wurde. Eine sehr umstrittene Wahl eines umstrittenen Kandidaten. Fünf Kardinäle, die gegen ihn gestimmt hatten, lies dieser grausam foltern und dann erwürgen. Dem Henker soll er befohlen haben: "Martere so, dass ich Geschrei höre." Kardinal Orsini, der sich eigentlich selbst Hoffnung auf die Wahl zum Papst gemacht hatte, gelang die Flucht. Doch in Vicovaro war er nicht sicher. Er verkroch sich in der Burg Capistrello, wo er kurz darauf starb.

Die Kapelle sollte sein Mausoleum werden, doch der Bau gedieh wohl nicht weit und wurde erst hundert Jahre später, wiederum von einem Giacomo Orsini, dem Großneffen des Kardinals, fertiggestellt und wie nicht anders zu erwarten dem Apostel Giacomo Maggiore (Jakobus dem Älteren) geweiht.

Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail
Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail

Die Künstler

Wahrscheinlich kamen die Baumeister und Künstler von der anderen Seite der Adria, aus Kroatien. Domenico da Capodistria (aus Istrien) war seit 1454 in Vicovaro tätig. Nach dessen Tod übernahm Giovanni da Traù, genannt nach seiner Herkunft "Il Dalmata" aus dem heute kroatischen Trogir die Bauleitung und stellte die Kapelle 1465 fertig. Ganz im Sinn der Renaissance als achteckiger Zentralbau, aber noch mit gotischen Maßwerksfenstern. Jede Ecke wird mit einem Pilaster betont, der eine Heiligenfigur trägt. Vor allem das Portal ist ein Meisterstück, das den Übergang von der Gotik zur Renaissance eindrucksvoll dokumentiert. Es wird von stark vorspringenden, mit Figuren reich geschmückten Pilastern betont. In drei Reihen mit Nischen stehen zwanzig Figuren, die teilweise noch die S-Form der Körperhaltung, den gotischen Schwung zeigen, teilweise sich schon ganz im Sinn der Renaissance an antiken Skulpturen orientieren. Sie stellen sowohl Heilige, als auch Mitglieder der Familie Orsini dar. Darüber im Tympanon eine Madonna flankiert von Petrus und Jakobus die ihr je einen Orsini vorstellen.

Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Tympanon
Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Tympanon

Darüber wiederum fliegt der Heilige Geist in Form einer Taube, flankiert von vier Engeln. In zwei Medaillons wird die Verkündigung dargestellt. Im Giebel halten weitere Engel das Wappen der Orsini mit der Rose. Darüber thront schließlich der Heilige Jakobus, San Giacomo, der als einziger den klassischen mit Eierstab verzierten Architrav durchbrechen darf.

Im schlichten Inneren kann man ein wundertätiges Madonnenbild bewundern, das Heerscharen von Pilgern anzog, da es seit 1796 mehrmals in seiner Geschichte, zuletzt 1954, die Augen bewegt haben soll. Ein Phänomen, welches es auch in Rom geben soll.

Quellen: tibursuperbum.it, vicovaroturismo.it

 

 

 

 

Buchung und Auskunft unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
oder Telefon: +39 - 346 - 8533377

Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Portal
Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Portal

Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail
Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail

Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail
Vicovaro, San Giacomo Maggiore, Detail

Vicovaro, San Giacomo Maggiore
Vicovaro, San Giacomo Maggiore

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen.