Noch vor 150 Jahren waren sie das Sehnsuchtsziel Nummer Eins der romantischen Maler. Die Tempel in Tivoli, die sich in besonders malerischer Lage über dem tief eingeschnittenen Tal des Aniene mit seinen zahlreichen Wasserfällen befinden. Heute sind sie ein bisschen in Vergessenheit gefallen, was auch daran liegen mag, dass die Aussichtspunkte, von denen man sie gut sehen kann, an verkehrsreichen Straßen befinden. Es sind die Ausblicke, die sich in unzähligen Varianten gemalt und gezeichnet in fast allen Kunstmuseen im deutschen Sprachraum befinden.


Burg am Strand

Wenn nun die Frühlingssonne langsam intensiver scheint, macht es wieder Spaß ans Meer zu fahren. Zum Baden ist es natürlich noch zu kalt. Aber für einen Spaziergang entlang den Wellen und eine halbe Stunde im Liegestuhl reicht die Wärme schon. Zu den schönsten Küstenorten im nördlichen Latium zählt sicher Santa Severa mit seiner mittelalterlichen Burg die direkt am Wasser steht.


Fotografiert im Vorbeifahren.

Wenn man in der Umgebung Roms unterwegs ist, trifft man überall auf Reste aus der Antike. So sieht man auch immer wieder römisches Straßenpflaster und stellt dabei fest: Nicht alle Straßen führten nach Rom. Die Via Antiatina verband mindestens seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. die uralte Stadt Lanuvium in den Albaner Bergen mit der Hafenstadt Antium, dem heutigen Anzio.


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Quasi Sutrium ire

In Sutri, 50 km nördlich von Rom erlebt man 3000 Jahre Geschichte. Hier lebten die Etrusker und Römer, wurden die geheimnisvollen Riten des Mithras und der Tempelritter zelebriert und hier trafen Kaiser auf Päpste. Der kleine Ort an der Via Cassia ist auch heute noch ein Höhepunkt auf dem Weg nach Rom.

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„Quasi Sutrium ire“ sagten die antiken Römer wenn jemand etwas schnell und gründlich erledigte, „Wie nach Sutri zu gehen“. Diese Redewendung erinnerte an die Einnahme der Stadt Sutri durch den römischen Feldherren Marcus Furius Camillus im Jahr 386 v. Chr. Die etruskische Stadt war zehn Jahre zuvor nach dem Fall von Veji unter römische Kontrolle gekommen. Als die Gallier Rom plünderten nahmen die Etrusker aus der reichen Stadt Tarquinia die Gelegenheit war um die strategisch wichtige Stadt zurückzuerobern. Doch Marcus Furius Camillus trieb sofort seine Legionäre in einem Gewaltmarsch nach Norden. Noch in derselben Nacht hatte er Sutri wieder zurückerobert. „Quasi Sutrium ire“. Das Tor, durch das die Römer eindrangen trägt bis heute den Namen Porta Furia nach dem Eroberer.

Wer heute nach Sutri geht sollte sich jedoch Zeit lassen, denn in dem kleinen Ort gibt es viel aus fast 3000 Jahren Geschichte zu entdecken. Hier durchbricht die Via Cassia steile Tuffhügel, Reste von Lavaströmen des Vulkans, der heute die Monti Cimini bildet mit dem Kratersee Lago di Vico. Fast alle die von und nach Rom wollten mussten hier durch. Und viele der illustren Reisenden hinterließen ihre Spuren.

An die Etrusker erinnern die zahlreichen Felsengräber, die in einen Tuffhügel gegenüber der Stadt gehauen wurden. Die Gräber sind wie Totenhäuser gestaltet und in Sichtweite der auf der gegenüberliegenden Erhebung angelegten Stadt. Sie weißen teilweise noch Verzierungen an den Fassaden auf. Man kann den Hügel auf einem etwa 1 km langen Spaziergang umlaufen. Drei der Felsengräber wurden im 2. Jhd. n.Chr. zu einer Kultstätte für den aus Persien stammenden Gott Mithras zusammengefügt. Dort kamen die Anhänger dieses rätselhaften Kultes zusammen um ein dem christlichen ähnliches Abendmahl zu zelebrieren. Dabei wurden auch Tieropfer gebracht. Eine noch heute im Boden sichtbare Rinne diente zum Auffangen des Blutes. Nachdem sich das Christentum als Staatsreligion durchgesetzt hat, wurde aus der Kultstätte die Kirche Madonna del Parto. Die Grotte im Schoß der Erde wurde der „Madonna der Glücklichen Geburt“ geweiht und mit einem Reigen von Fresken ausgestattet. Drei Kulturen haben so einen der eindrucksvollsten religiösen Räume der Region gestaltet.

Sutri_009Unweit dieser mystischen Kirche hatte der Orden der Tempelritter eine kleine Kirche, Santa Maria del Tempio, errichtet. Das Gotteshaus, das seit langem entweiht ist, beherbergt heute die Verwaltung des archäologischen Parks. Das Wappen am Eingang erinnert daran, dass der Malteserorden nach dem Sturz der Templer das Gebäude übernahm. Aus deren Zeit stammen auch die Reste eines Altars. Über die Anwesenheit der Templer in Sutri wissen wir kaum etwas. Beim Prozess gegen sie 1309, nahm jedoch auch der Bischof von Sutri Pietro Tabaldo teil.

Der monumentalste Bau ist jedoch das Amphitheater, das komplett aus dem Tuffhügel gehauen wurde und von außen kaum sichtbar ist. Lediglich das triumphbogenartige Portal ist von der Straße sichtbar. Wenn man dort hindurch schreitet, steht man die weite Arena und die verwitterten Zuschauerstufen. Unter diesen wurden Gänge als Zugang zu den Rängen in den Tuff gehauen. Das Theater mit seiner ungewöhnlichen „Negativform“ scheint heute wie ein Teil der Landschaft. Auch wenn es ganz in der Tradition der Etrusker errichtet wurde, wird es heute mehrheitlich in die Zeit von Augustus datiert und dokumentiert so das Fortbestehen der etruskischen Kultur bis ins 1. Jhd. n.Chr. In römischer Zeit war Sutri ein Landstädtchen. Erst in der Völkerwanderungszeit wurde seine Lage an der Engstelle der Via Cassia wieder strategisch wichtig.
 
Alle Bausparkassen im Vergleich


„Quasi Sutrium ire“ war das Motto vieler prominenter Besucher der Stadt, den die meisten Rombesucher aus dem Norden passierten Sutri auf der Reise nach Rom. Auf dem Tuffhügel oberhalb des Amphitheaters sieht man die Reste einer Burg in der Karl der Große übernachtet haben soll, als er auf dem Weg zu seiner Kaiserkrönung in Rom war. Auch wenn die Mauern von Bauhistorikern heute in eine spätere Zeit datiert werden, ist fast sicher, dass Karl durch Sutri kam. Einer Legende nach soll der Franke an Gicht gelitten haben und sei durch den Genuss der besonderen Bohnen genesen. Noch heute werden die Bohnen aus Sutri im September gefeiert. Ein Rezept habe ich hier eingestellt.

Sutri_004Wesentlich besser ist der Besuch von Heinrich III. dokumentiert. Auch sein Ziel war es sich vom Papst in Rom die Kaiserkrone aufsetzen zu lassen. Doch von welchem? In Rom stritten sich zu dieser Zeit drei Päpste darum, wer der rechtmäßige sei. Heinrich rief die Kardinäle am 24. Dezember 1046 in Sutri zusammen und setzte alle drei Päpste ab um seinen Vertrauten Suidger von Bamberg zum Papst Clemens II. bestimmen zu lassen. Dieser krönte Heinrich dann wunschgemäß zu Weihnachten in Rom zum Kaiser. Am 8. Juni 1155 traf Friedrich Barbarossa in Sutri auf Papst Hadrian IV. Dabei kam es zum Eklat, da der Staufer dem Papst nicht die nötige Ehrerbietung entgegenbrachte. Die Lösung war pragmatisch, man spulte den Film zurück. Am nächsten Tag wurde das "erste" Zusammentreffe zur Zufriedenheit des Papstes wiederholt, der dann auch Barbarossa die Kaiserkrone aufsetzte.

Der hübsche Ortskern von Sutri bewahrt noch viele Spuren des Mittelalters. Herausragend ist hier der Dom Santa Maria Assunta, die Bischofskirche von Sutri bis das Bistum 1986 im Bistum Civita Castellana aufging. Im 16. Jahrhundert wurde Bischof Antonio Ghislieri aus Sutri zum Papst Pius V. gewählt. Er gilt als einer der unerbittlichsten Verfolger von Ketzerei und Gotteslästerung. Trotzdem war er der vorletzte Papst der heiliggesprochen wurde. Im Dom in Sutri befinden sich Reliquien von ihm. Wenn man in die romanische Krypta, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, hinabsteigt befindet man sich wieder im geheimnisvollen Mittelalter.

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Wenn man von der Autobahn Rom – L’Aquila an der Ausfahrt Vicovaro abfährt erreicht man nach 25 km in schöner Lage zwischen den Monti Simbruini das Landstädtchen Subiaco.

Ein Ort mit einer zweitausendjährigen Vergangenheit voll Geschichte und Geschichten.

Begonnen hat alles mit Kaiser Claudius, der über den Aquädukt Anio Novus aus dem Tal frisches Trinkwasser nach Rom bringen ließ.  Den Fluss Aniene lies er zu drei Seen aufstauen lies, damit sich darin Sand und Erde absetzen konnten und das Wasser so klarer wurde. Sein Adoptivsohn Nero erkannte den touristischen Wert der Seen und errichtete hier seine Sommerfrische mit dem passenden Namen „Sublaqueum“, unter den Seen. Gleich wenn man den Ort nach Osten verläßt, trifft man auf die Reste seiner Villa. Vielmehr war es ein Landschaftspark in dem verschiedene Pavillons standen.

Natürlich zog die High-Society Roms sofort nach und es entstand so etwas wie das St. Moritz der Antike, das gut ein halbes Jahrtausend in Mode blieb und auch von nachfolgenden Kaisern besucht wurde.

Eine ganz andere Geschichte begann als um das Jahr 500 der junge Benedikt von Nursia, dem gottlosen Treiben der Metropole Rom überdrüssig, sich eine Einsiedelei, fernab jeder Zivilisation suchte. Hier wird die Situation paradox, denn die Villen an den Seen waren zu dieser Zeit durchaus noch in Benutzung. Die Nero-Villa noch intakt. Doch keine 100 Meter von dieser Villa fand Benedikt eine Grotte in der er drei Jahre lebte, von einem anderen Mönch namens Romanus über einen Flaschenzug versorgt. Vor der Höhle wuchs ein Dornengebüsch, in das sich Benedikt nackt warf, wenn ihn die Versuchung überkam. Franz von Assisi pfropfte bei einem Besuch Rosen darauf.

Benedikts Schwester Scholastika überredete ihn schließlich seine Höhle zu verlassen. Man brauchte ihn um eine Gemeinschaft von Einsiedlern im Tal bei Vicovaro auf Vordermann zu bringen. Doch diese Landkommune war wohl wenig begeistert von ihrem neuen Abt, der ihnen Zucht und Ordnung beibringen sollte. Sie versuchten ihn mit einem vergifteten Brot zu beseitigen. Doch ein Rabe trug das Gebäck rechtzeitig davon. Benedikt kehrte jedoch nach Subiaco zurück und gründete in einem Nebengebäude der Nerovilla sein erstes Kloster, San Clemente. 12 weitere sollen gefolgt sein. Doch nur das seiner Schwester geweihte Santa Scolastica ist heute erhalten. Von den anderen wurden bisher keine Spuren gefunden. Santa Scolastica ist heute das Mutterkloster der Benediktiner im Tal. Zwar wurde das Kloster im Zweiten Weltkrieg beschädigt, aber der zweite Kreuzgang (15. Jhd.) und vor allem der schöne dritte Kreuzgang (13. Jhd.) mit Kosmatenverzierungen und Fresken aus dem 14. Jhd. blieben erhalten. Genauso der romanische Campanile, der laut einer Inschrift 1052 – 53 erbaut wurde und so einer der ältesten Italiens ist. Die barocke Klosterkirche stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Der eifrige Klostergründer Benedikt muss dem Bischof von Tivoli ein Dorn im Auge gewesen sein, der seinen Einfluss im Anienetal, Teil seiner Diözese, schwinden sah. Er schickte einen Priester namens Fiorenzo vor, der den Heiligen mobbte. So lies er 13 nackte Jungfrauen vor den Mönchen tanzen. Gegen diese Show half auch kein Dornbusch mehr. Benedikt zog von dannen und gründete auf dem Montecassino, das heutige Mutterkloster der Benediktiner. Doch die Klöster von Subiaco blieben bestehen und wurden schließlich zu einem autonomen Territorium, das direkt dem Papst unterstellt war.

  

Dort wo Benedikt in seiner Grotte saß wurde im 13. Jahrhundert das Kloster San Benedetto errichtet. Vielmehr es hängt, wie ein Schwalbennest, an einer steilen Felswand. Die kleine Eingangspforte lässt nicht erahnen welch ein Labyrinth an übereinander gestapelten Kirchen und Kapellen den Besucher erwarten. Alles über und über mit leuchtenden Fresken (8. bis 17. Jhd.) bemalt. Kein Quadratzentimeter blieb frei. Ein Bilderbuch das man tagelang ansehen könnte. Da sieht man den Einzug Jesu in Jerusalem. Er reitet auf einem Esel, der an einem Palmzweig knabbert. Im Hintergrund klettern Kinder auf Palmen um Nachschub zu holen. Ein kleiner, dicker Junge sitzt dabei und spielt gedankenversunken auf einer Flöte. Gegenüber verrät Judas Jesus mit einem Kuss. Die Jünger fliehen, einer verliert dabei sein Gewand. Interessant, dass bei der Kreuzigung (14. Jhd, sienesiche Schule) die römischen Soldaten als Türken dargestellt sind. Wenn man von der Oberkirche hinunter steigt sieht man immer wieder Szenen des Lebens des heiligen Benedikt. Seine Wunder, wie er z.B. einem gotischen Bauern die Sichel aus dem See rettet oder wie er seinen Schüler Maurus dazu bringt übers Wasser zu laufen um einen Mitbruder vor dem Ertrinken zu retten. Aber man sieht auch seine drakonischen Strafen, wenn ein Mönch sich von einem Teufelchen zur Versuchung verleiten lies.

Neben der Unterkirche die Felsspalte in der Benedikt gesessen haben soll und in der heute eine Statue des Berninischülers Antonio Raggi den Heiligen samt Korb darstellt. Über eine Treppe erreicht man die Kapelle des Heiligen Gregors, mit einem Fresko des Franz von Assisi, das zu dessen Lebzeiten entstanden sein soll. Indizien dafür sind der fehlende Heiligenschein und die fehlenden Wundmale.

Die Heilige Stiege die weiter hinunter führt, behandelt das Thema des Todes. Man sieht den Tod persönlich auf seinem Pferd, der weder jung noch alt, noch arm oder reich verschont. Gleich daneben Dramatik. Der Kindermord in Bethlehem. Grimmige Soldaten erstechen die Säuglinge in den Armen ihrer um Gnade flehenden Mütter. Unten angekommen erreicht man die Grotte der Hirten, in der Benedikt zum Landvolk gepredigt haben soll. Darin die Reste der ältesten Fresken (8. Jhd.) mit einer Madonna. Von hier tritt man ins Freie in den kleinen Rosengarten des Franziskus, von dem man einen schönen Blick ins steile, bewaldete Tal des Aniene hat.

Die Stauseen verschwanden im Mittelalter. Im 14. Jahrhundert war nun noch von einem See die Rede, als zwei Mönche auf eine intelligente Idee kamen. Um Wasser abzulassen und so leichter die Fische zu fangen, lösten sie Steine aus der antiken Staumauer, die prompt ihrer Statik beraubt zusammenfiel. Die Flutwelle hat wohl das erste Kloster von Benedikt und die Nerovilla zerstört und sicher auch sonst noch viel Schaden angerichtet über den sich die Chronisten allerdings ausschweigen.

Doch die Klöster in Subiaco bestanden fort und dehnten ihre Macht immer weiter aus. Die Äbte waren auch nicht mehr so erfolgreich in der Abwehr der Versuchung. Statt sich in einen Dornenbusch zu werfen, zogen sie in die Burg oberhalb von Subiaco. Es gibt Berichte, dass sich mancher Abt einen ganzen Harem von „Jungfrauen“ dort hielt. Dabei wurden die Bauern ausgepresst wie in keiner anderen Herrschaft in Italien. So kam es schließlich 1454 zu einem Volksaufstand. Darauf beschnitt der Papst die Privilegien des Klosters und verfügte, dass die Leitung künftig vom Vatikan direkt eingesetzt werde. Der erste Kommendatarabt war ausgerechnet Rodrigo Borgia, womit man wohl den Bock zum Gärtner gemacht hat. Seine Tochter Lukrezia wurde wahrscheinlich auf der Burg geboren.

Heute merkt man kaum etwas von der bewegten Geschichte in diesem stillen Tal. Aber ein Ausflug lohnt sich ganz bestimmt. Schon allein die Pracht der Fresken von San Benedetto sucht seinesgleichen. Wer sich danach mit guter Hausmannskost stärken möchte sollte auf der anderen Talseite Richtung Affile hinauffahren und die Abzweigung zum Agriturismo Colle Tocci nicht verpassen. Auf der Terrasse, mit Blick auf Subiaco, kann man die Spezialitäten der Region genießen.

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Elvis und die großen Schiffe - Die Schiffe aus dem Nemisee
NemiNemi

Elvis lebt! Das wissen alle seine Fans. Doch wahrscheinlich wissen die wenigsten, dass er in Nemi lebt. In diesem kleinen Dorf, das an der Innenseite eines erloschenen Vulkankraters, 30 km südöstlich von Rom, klebt. Überragt vom mächtigen Turm einer Burg, als deren Besitzer sich in den letzten 1000 Jahren fast alle noblen römischen Familien abgelöst haben. Nach den Grafen von Tusculum schauten nacheinander die Colonna, Annibaldi, Cesarini, Piccolomini, Cenci, Frangipane, Braschi, Rospigliosi, Orsini und schließlich die Ruspoli von hier hinunter auf den Kratersee. Doch wenn man sich an der Burg vorbei durch enge Gassen drückt, erreicht man die Trattoria „Sirena del Lago“ und tritt durch die Tür und befindet sich in Memphis, Tennesee. Sofern man nicht über die Harley fällt, die hinter der Tür im Gastraum steht. Von den Elvispostern bis zur Haartolle des Wirts passt alles zusammen. Aber zum Glück haben auch die „Bucatini alla Matriciana“ Rock'n Roll. Die Speisekarte hat nichts mit den Südstaaten zu tun sondern ist ganz römisch.
Sirena del LagoSirena del Lago - Blick auf den See
Das erfahren auch zwei Engländer, die den Kopf zur Tür herein stecken und fragen, ob es Pizza gibt. „Nein Pizza gibt's in Neapel“ kommt die kurze Antwort vom King. Die Briten trollen sich und verpassen so ein hervorragendes Menü. Als zweiten Gang gibt es natürlich gegrillten Fisch aus dem See und zum Nachtisch Walderdbeeren. Das muss sein in Nemi, schließlich ist es das „Paese delle Fragole“, das Dorf der Erdbeeren. Aber wo findet man im November Walderdbeeren? Ein Blick aus dem Panoramafenster (die Aussicht ist übrigens gigantisch!) verrät die Lösung. Längst wird das Wappenobst von Nemi nicht mehr im Wald gesucht, sondern das ganze Jahr über in Gewächshäusern am Seeufer gezogen.
Walderdbeeren aus Nemi
Dabei war Nemi immer ein Ort des Waldes, der hier, wo die Regenwolken vom Meer angezapft werden, besonders üppig wuchert. Im Wald des Vulkankraters haben schon seit der Bronzezeit die Latiner eine Göttin der Erde verehrt und als die Römer Nemi ihrem noch kleinen Reich zuschlugen, wurde daraus ein monumentales Heiligtum für Diana, der Göttin des Mondes und der Fruchtbarkeit. Im Zentrum des Heiligtums stand eine heilige Eiche, die vom „Rex Nemorensis“, dem König von Nemi, Tag und Nacht bewacht wurde. Dieser Priesterkönig war ein entlaufener Sklave, der das Amt erlangte, indem er seinen Vorgänger tötete und einen Mistelzweig aus der Eiche brach. Er konnte nun in Ruhe und Sicherheit seinen Aufgaben als Wächter des Baums nachgehen. Seine einzige Befürchtung war, dass er von einem anderen Sklaven, der womöglich stärker war, zum Duell gefordert würde.

Zu einer Zeit, als die Amtsübergabe nur noch symbolisch und nicht mehr blutig verlief, konnte der exzentrische Kaiser Caligula nur mit Mühe davon abgehalten werden, das Amt selbst und eigenhändig wieder gemäß dem archaischen Brauch zu übernehmen. So brachte der Kaiser seine Verehrung für Diana, die er mit seiner Schwester, mit der er mit mehr als normaler Geschwisterliebe verbunden gewesen sein soll, gleichsetzte, anders zu Ausdruck. Auf jeden Fall kostspieliger. Denn er ließ zwei gigantische prunkvolle Schiffe bauen, von denen eines einen Marmortempel für Diana trug und das zweite einen prächtigen Palast, in dem selbst Thermen nicht fehlten. Die mehr als siebzig Meter langen Barken waren für den kleinen See total überproportioniert und so konstruiert, dass Bug und Heck identisch waren, so dass man ohne zu wenden wieder zurückfahren konnte. Wir wissen nicht ob und wann Caligula Ausfahrten mit seinen Schiffen unternahm und ob er dort auch seine berüchtigten Orgien veranstaltete. Doch als er, gerade 29 Jahre alt, vom Senat ermordet wurde, war auch das Schicksal der Schiffe besiegelt. Sein Nachfolger Claudius setzte sich bewußt vom extravaganten Herrschaftsstil seines Neffen ab. Die riesigen Partyschiffe passten dazu nicht. Wahrscheinlich wurden sie kurzer Hand im See versenkt.

Schnell gerieten die Schiffe in Vergessenheit, nur die Fischer vom Nemisee wunderten sich, dass sie hin und wieder ein Bronzestück statt eines dicken Fisches im Netz hatten. Erst 1446 versuchte der Architekt Leon Battista Alberti der Legende vom Schatz im See auf die Spur zu kommen. Von einem Floß aus hakelte er nach den Schiffen, konnte aber nur Teile einer Marmorstatue zu Tage führen. Doch auch alle folgenden Versuche, sei es von Booten aus oder mit einer der ersten Taucherglocken der Geschichte, scheiterten, Doch immerhin wusste man nun Bescheid, dass im Schlamm auf dem Seegrund zwei große Schiffswracks schlummerten.
Bergung eines der Nemi-Schiffe 1930
Erst in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam die Sache auf den richtigen Weg. Mussolini wollte an die glorreiche Zeit der römischen Kaiser anschließen und die Schiffe waren als hölzerne Zeugen der Größe Roms gerade richtig. Zur Chefsache erhoben, standen den Archäologen nun alle Mittel zur Verfügung und man beschloß einfach den See abzulassen. Und auch hier hatten die Altvorderen Vorarbeit geleistet. Als Rom noch eine Ansammlung von Hirtendörfern war, hatten die Bewohner des benachbarten Ariccia einen Tunnel durch den Rand des Nemikraters gegraben. Ein frühes technisches Meisterwerk von 1,6 km Länge. Gegraben hat man gleichzeitig von beiden Seiten. Man sieht das heute noch an einem Versprung, da man nicht exakt aufeinander traf. Dabei hält sich die Ungenauigkeit in einem Rahmen, mit dem Tunnelbauer auch in den Zeiten von GPS leben müssen. Der Zweck des Tunnels war jedoch ganz prosaisch die Gewinnung von Ackerbau. Die Aricciaroli konnten ihr eigenes Tal, ebenfalls ein ehemaliger Vulkankrater, bewässern und gewannen durch die Absenkung des Nemissees zusätzliche Anbauflächen. Mussolinis Archäologen legten also zuerst einmal den antiken Tunnel frei und pumpten durch ihn soviel Wasser aus dem See Richtung Meer, bis das erste Schiff an die Luft kam. Es übertraf alle Erwartungen. Nach einer heftigen Diskussion, ob man sich nicht zuerst mal mit diesem Fund zufrieden geben solle, setzten sich die Enthusiasten durch und man legte auch das 10 m tiefer gelegene zweite Schiff bis zum Frühjahr 1930 frei. So brachte man die riesigen Barken in ein eigens gebautes Museum am Seeufer.

Hätten sich doch die Skeptiker mehr Gehör verschafft, mag man heute sagen. Denn wenn die Schiffe nach ihrer Erbauung kaum vier Jahre über den See fuhren, so dauerte ihr zweites Leben zwei Jahrtausende später wenig länger. Was in dieser letzten Mainacht 1944 am Nemisee geschah, lässt sich kaum rekonstruieren. Die amerikanische Armee war auf dem Vormarsch Richtung Rom und trieb eine große Zahl Flüchtlinge aus den umkämpften Städten Latiums und geschlagene deutsche Soldaten vor sich her. Hatte nun einer der Flüchtlinge, die im Museum untergekrochen waren, ein Feuer gemacht, um sich einen Kaffee zu kochen? Oder war es der Vandalismus von Wehrmachtsangehörigen, die ihrem Frust freien Lauf ließen? Oder haben GIs, ein Widerstandsnest vermutend, das Museum beschossen? Wen man verdächtigt, hängt mehr mit der aktuellen politischen Meinung, weniger mit historischen Tatsachen zusammen. Zur Zeit steht auf der Homepage der Gemeinde Nemi, das Museum sei nach amerikanischem Beschuß auf mysteriöse Weise in Brand geraten. Das wäre dann wohl wenig mysteriös. Aber die Spekulation ist müßig. Das Museum brannte komplett aus. Der Verlust nach dem Brand des Museums ist mehr als schmerzhaft. Von den Schiffen blieben nur die wenigen Teile, die ins Museo di Roma ausgelagert waren.
Museo delle NaviMuseo delle Navi
Und doch ist auch heute ein Besuch des Museums beeindruckend. Auch wenn in den großen Hallen die Schiffsmodelle im Maßstab 1 : 5 etwas verloren wirken. Die vielen Einzelteile, wie ein Anker mit beweglichen Armen, zeigen den hohen Stand der antiken Technik. Wasserhähne, Blechziegel, Kugellager könnten auch aus einem modernen Baumarkt stammen. Vieles was auf den Schiffen zum Einsatz kam geriet mit dem Fall des Römischen Reichs wieder in Vergessenheit und wurde erst ab dem 19. Jahrhundert zum zweiten Mal erfunden. Dazu gehörte auch ein raffinierter Korrosionsschutz. Die Schiffsrümpfe hatten einen Anstrich aus Eisenmennige, auf dem eine dünne Schicht mit in Harz, Pech und Bitumen getränkter Wolle lag. Diese war mit millimeterdünnen Bleiplatten abgedeckt und schützte so die Holzplanken vor aggressiven Organismen und Muschelbefall. Der Haken an der Geschichte ist nur: Das ist ein Problem im Salzwasser, mit dem die internationale Schifffahrt bis ins 19. Jahrhundert zu kämpfen hatte. Auf dem kleinen Süßwassersee war das nicht zu erwarten. Das legt die Vermutung nahe, dass die Schiffe auch Prototypen waren, um neue Techniken zu erproben. Caligula hat sich wahrscheinlich kaum für Ankertypen und hartnäckige Muscheln interessiert. Aber die Schiffbauingenieure nahmen die Gelegenheit beim Schopf, dass hier zwei Boote gebaut werden sollten, bei denen finanzielle Grenzen keine Rolle spielten, und statteten sie mit der modernsten Technik aus. Man beginnt im Museo delle Navi nachzudenken, wo wir heute stehen könnten, hätten nicht Barbaren und Christen die Wissenschaft am Ende des Römischen Reichs für über ein Jahrtausend ins Mittelalter gestoßen.

Wir laufen noch hinüber zum Heiligtum der Diana, das durch Gestrüpp und hohes Gras nur schwer zu erreichen ist. Leider ist außer einer Reihe gemauerter Nischen nur wenig zu sehen. Aber vielleicht hat man es hier richtig gemacht und die Mosaikböden in der sicheren Erde gelassen. Denn Ausgraben bedeutet auch immer Zerstören, wie wir eindrucksvoll gelernt haben.
Heiligtum der Diana

Lage des Museums

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Ruinenstadt im Grünen

Der Löwe von MonteranoWenige Kilometer nördlich von Rom, hinter dem Braccianosee, beginnt ein sehr dünn besiedeltes Gebiet, dass sich als Wanderziel für Naturliebhaber anbietet. Doch nicht nur Naturliebhaber kommen auf ihre Kosten, man trifft auch auf zahlreiche geschichtliche Zeugnisse. Vor allem die Tolfaberge waren in der Antike und im Mittelalter, Dank des reichen Vorkommens von Mineralien wie Eisen und Alaun, viel mehr bevölkert wie heute.So trifft man etwas westlich des Ortes Canale Monterano auf die eindrucksvolle Ruinenstadt Monterano. Man folge zu Fuß, oder mit dem Auto bis zu einem kleinen Parkplatz, links an der Kirche von Canale der Via Monterano und dann nach rechts der Via Palombara.

MonteranoWie viele Orte im Latium hat Canale Monterano eine Geschichte die sich über drei Jahrtausende bis in die Bronzezeit zurückverfolgen läßt und genau wie andere Orte wechselte die Stadt alle paar Jahrhunderte ihren Standort. Dort wo sich heute die Ruinen von Monterano aus dem üppigen Grün erheben erstreckte sich spätestens im 8. Jahrhundert v. Chr. eine Etruskerstadt, deren Name nicht überliefert ist. Doch vermutet man, dass die etruskische Göttin des Totenreichs Manturna im Namen Monterano nachklingt. Die Stadt gehörte zum mächtigen Caere, dem heutigen Cerveteri, das den Seehandel bis Sizilien beherrschte. Monterano versorgte es mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Holz und Eisen und genoss Wohlstand, wie die reich ausgestatteten Gräber in den nahen Tälern beweisen. Das änderte sich als Caere 353 v. Chr. von den Römern unterworfen wurde. Monterano geriet ins Abseits. Die Römer brauchten die Produkte der Stadt nicht mehr und Monterano entvölkerte sich. Dafür erlebten andere Orte einen Aufschwung. Das nahe Stigliano wurde, dank seiner Schwefelquellen, unter dem Namen Aquae Apollinares zum beliebten Kurort der Römer. An der Via Clodia, die entlang des Braccianosees nach Norden in die Toskana führte entstand Forum Clodii, das zu einer Handelsstadt und ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. zum Bischofsitz wurde. Fast acht Jahrhunderte war die Lage an der Fernverkehrsstraße der Standortvorteil der Stadt, dann wurde sie plötzlich zu ihrem Verhängnis. Denn nach dem Ende des Römischen Reichs drängten über diese Straße drängten immer neue Barbarenvölker Richtung Rom und fielen über das wehrlose Forum Clodii her. So verschanzten sich dessen Bewohner wieder im alten Etruskerort Monterano. Der Bischof zog um das Jahr 1000 von Monterano nach Sutri. Doch wird bis heute der symbolische Titel des Titularbischofs Foroclodiensis vom Papst verliehen. Zur Zeit schmückt sich Angel Gelmi Bertocchi aus Bolivien mit dem Titel. Ob er jemals in Monterano war?

MonteranoMonterano war ein Landstädtchen, das nacheinander unter die Herrschaft verschiedener Adelsfamilien geriet. Zuletzt waren es 1671 die Altieri die es erwarben und barock ausbauen ließen. Westlich von Monterano siedelten sie Bauern aus der Toskana an, deren Dorf lange von den Monteranesi verächtlich „Die Hütten“ genannt wurde. Doch schließlich setzte sich der Name „Canale“ durch, da die Häuser an der Straße wie an einem Kanal aufgereiht waren. Doch gleichzeitig breitete sich im Tal des Mignone die Malaria aus, die das Leben in Monterano immer mehr beeinträchtigte. Viele Bürger zogen in das eben noch geschmähte, aber gesündere Canale um. Doch der letzte Schlag erreichte die Stadt 1799. Im Jahr zuvor hatten die Franzosen den Kirchenstaat eingenommen und die Römische Republik installiert. In Tolfa, einem Nachbarort von Monterano, war die Mühle zerstört. So wanden sich die Bauern von Tolfa mit ihrem Korn nach Monterano und seiner intakten Mühle. Die französische Besatzung von Tolfa witterte jedoch Aufruhr und schickte den Bauern Soldaten hinterher, die in einer Machtdemonstration Monterano plünderten und anzündeten. Die Bewohner flohen in die umliegenden Dörfer und, da sie keine Mittel für einen Wiederaufbau hatten, richteten sie sich dort auf Dauer ein. Nur zwei Mönche hielten noch für ein paar Monate in ihrer Klosterruine die Stellung, bis sie auch von ihrem Orden abgezogen wurde. Canale trat das Erbe seiner Mutterstadt unter dem Namen Canale Monterano an.

Monterano, Palazzo AltieriUnd so findet man auf dem Hügel von Monterano, mitten im Grün nur noch Ruinen. Der mächtige Palast der Altieri wurde über ein Aquädukt mit Wasser versorgt. Damit wurde auch der Löwenbrunnen betrieben, den Gian Lorenzo Bernini schuf. Der originale, etwas ramponierte Löwe steht heute im Rathaus von Canale. Vor einigen Jahren hat man eine Kopie an der ursprünglichen Stelle aufgestellt. Die Kaskaden die unter dem Tier rauschten muß man sich allerdings dazu vorstellen. Das gleiche Spiel geschah mit Berninis Oktogonbrunnen. Nach der Aufgabe von Monterano versetzte man ihn auf den Marktplatz von Canale. Nun steht in Monterano eine Kopie.

Bernini war von den Altieri beauftragt worden den Ort barock umzugestalten. Sein Hauptwerk ist sicher das Kloster San Bonaventura, das 1677 bis 1679 gegenüber dem westlichen Stadttor errichtet wurde. Die Glockentürmchen sind eingestürzt, die wertvollen Baumaterialien herausgebrochen. Doch vielleicht ist es jetzt, nach dem es Teil der Landschaft geworden ist schöner wie zuvor.

Monterano, San Bonaventura


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Michelangelos verstossener Christus

Michelangelos Christus in Bassano RomanoSeine Haltung ist lässig, er hält sich mit einem Arm an einem Pfosten. Er schaut etwas zur Seite, aber nicht aus Scham, denn er ist sich seiner Schönheit bewußt. Ein Mann Mitte 30 mit Bart und gewellten langen Haaren. Ganz selbstverständlich und lasziv steht er nackt da und hält ein Tuch nur locker in der Hand. Nein ich beschreibe keine Szene an einem Strand sondern eine 495 Jahre alte Skulptur, die ich heute in der Kirche San Vincenzo in Bassano Romano gesehen habe.

Die Frauen, die die Kirche für eine bevorstehende Trauung schmücken, zucken die Schultern, als ich nach dem Michelangelo frage, der hier stehen soll. Doch der alte Mönch, der den ausgerollten Teppich nach Stolperfallen absucht, weiß Bescheid. Er führt mich in eine Seitenkapelle und schaltet das Licht an. Und da steht er, der auferstandene Christus mit dem Kreuz. Doch er hat so gar nichts mit den anderen Darstellungen des gleichen Themas gemein. Er ist nicht erhaben oder göttlich, eher gelassen und entspannt. Eben doch der Mann am Strand, der sich seiner Schönheit bewußt ist und die Blicke genießt, ohne sie merkbar wahrzunehmen. Also der Typ Mann, der Michelangelo interessiert hat, nicht ein vom Tode auferstandener. Er ist klassisch komponiert. Standbein und Spielbein, leichter Hüftschwung und Drehung im Körper. Er erinnert an den berühmten David in Florenz, auch wenn er nicht dessen Kraft ausstrahlt sondern eben Entspanntheit.

 

San Vincenzo in Bassano Romano

 

Alles andere als entspannt muß jedoch Michelangelo gewesen sein, als er am Gesicht des Christus arbeitete. Denn plötzlich traf er auf der linken Wange auf eine schwarze Ader im ansonsten makellosen weißen Marmor. Man kann sich den Tobsuchtsanfall des perfektionistischen Meisters vorstellen, als er den Makel erkannte. Er ließ sofort Hammer und Meißel fallen und weigerte sich, an dem Werk weiter zu arbeiten. Sein Auftraggeber, der römische Patrizier Metello Vari war weniger rigoros und bat Michelangelo, ihm die Statue zu überlassen. Der hatte kein Interesse mehr daran und schenkte sie Vari. 1520 konnte Michelangelo eine zweite, ungetrübte Version des auferstandenen Christus für Vari fertigstellen. Diese Statue umfaßt viel energischer das Kreuz. Sie wurde in der römischen Kirche Santa Maria sopra Minerva aufgestellt und von einem späteren, prüderen Bildhauer mittels vorgehängtem Bronzetüchlein jugendfrei geschaltet.Den ersten Christus verhökerte Vari darauf auf dem Kunstmarkt und sie gelangte so über Umwege in den Besitz der Adelsfamilie Giustiniani, die damals über Bassano Romano herrschte und sie dort in der Kirche San Vincenzo aufstellte. Noch vor 70 Jahren war die Kirche allerdings heruntergekommen und verlassen. 1941 schenkte sie der Fürst Innocenzo Odescalchi, nun Herr über Bassano, dem Orden der Silvestrinianer. Da Bassano 1944 vorübergehend Quartier des deutschen Generals Kesselring war, wurde es jedoch von den Alliierten stark zerstört. So konnten die Mönche erst in den fünfziger Jahren das Kloster und eine angeschlossene Schule aufbauen. Auch die Sanierung der Kirche zog sich hin. Erst im Jahr 2000, anläßlich einer Ausstellung über die Kunstwerke der Giustiniani, betrachtete man den Christus in San Vincenzo näher und konnte sein Geheimnis lüften. Die Kunsthistorikerinnen Silvia Danesi und Irene Baldriga konnten ihn Michelangelo zuordnen, wenn auch das Gesicht der Statue von einem unbekannten Künstler im 17. Jahrhundert vollendet wurde.

Und so hat Bassano Romano etwas, was alle Kunstmuseen gerne hätten. Einen echten Michelangelo. Der Christus schaut auch deshalb zur Seite, damit man seinen Makel, die schwarze Ader im Gesicht, nicht sieht. Auch wenn ihn deshalb Michelangelo verstieß, ich mag ihn. Die entspannteste Figur, die Michelangelo schuf.

Michelangelos Christus in Bassano Romano Michelangelos Christus in Bassano Romano

San Vincenzo in Bassano Romano

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Grottaferrata 02

Nicht nur die Katakombe am zehnten Meilenstein ist in Grottaferrata eine Besichtigung wert. Vor allem ist dies die Abtei um die sich der heutige Ort entwickelt hat. Gegründet wurde das Kloster 1004 vom Heiligen Nilus der aus dem damals noch griechisch geprägten Kalabrien in die Gegend von Rom kam. Der da schon über 90jährige bekam von den Grafen von Tusculum die Ruine einer antiken römischen Villa geschenkt. In einem Raum mit vergitterten Fenstern dieser Villa müssen schon früh Christen eine Kapelle eingerichtet haben. Daher auch der Name Grottaferrata, was vergitterte Grotte bedeutet. Der eigentliche Gründer war jedoch Bartholomäus, ein jüngerer Gefährte des Nilus, der wie er aus dem kalabrischen Rossano stammte. Er erbaute die Kirche, die wir im wesentlich so heute noch besichtigen können auch wenn die Vorhalle im 19. Jahrhundert in die ursprüngliche Form zurückrestauriert wurde. Original ist die wunderschöne Tür durch die man ins Kircheninnere tritt. Ranken sind von Menschen Vögeln und anderem Getier bevölkert. Auch die Holztür stammt noch aus der Erbauungszeit. Ebenso der ungewöhnliche Taufstein auf dem das Thema des Menschenfischers eigentümlich interpretiert wird. Ein Mann springt mit einem Köpfer ins Meer. Die Menschen verwandeln sich in Fische, Symbole der christlichen Seelen, und werden von zwei Anglern wieder eingefangen.

Grottaferrata 09

Das Innere wurde barockisiert, aber am Triumphbogen hat sich ein Mosaik erhalten, dass das Pfingstwunder ebenfalls eigenwillig darstellt. Die Apostel haben sich um den leeren Thron Christus versammelt, der mit dem Lamm Gottes gekennzeichnet ist. Als erste sitzen die Brüder Petrus und Andreas, Gründer der West- und der Ostkirche. So warten Sie, dass der Heilige Geist über sie kommt. Die von Kardinal Alessandro Farnese erbaute Seitenkapelle ist mit bedeutenden Fresken von Domenichino ausgestattet worden. Sie zeigen die Gründung und Erbauung des Klosters durch Nilus und Bartholomäus und den Besuch von Kaiser Otto III. beim Heiligen Nilus.

Auch die Abtei ist sehenswert, wenn auch nur einige Teile bei einer Führung zugänglich sind. So der Kryptoportikus, ein Unterbau, der von der römischen Villa noch erhalten ist. Von hier sieht man auch mächtigen die Befestigungsanlagen, die von Giuliano della Rovere erbaut wurden, der in Grottaferrata Abt war. Er hat auch den Abtpalast neben der Kirche erbauen lassen, der jedoch unvollendet ist, da della Rovere zwischenzeitlich zum Papst Julius II. gewählt wurde. Nun suchte er sich wichtigere Bauaufgaben in Rom, wie den Petersdom.

Das Klosterleben wird noch heute vom byzantinischen Ritus bestimmt und die Sprache mit der die Mönche kommunizieren ist Griechisch. Allerdings untersteht das Kloster direkt dem Papst.

Führung nach Grottaferrata und in die Albaner Berge

 

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Die Katakombe am zehnten Meilenstein

Der lateinische Ortsname „Ad Decimum“ bedeutet einfach am 10. Meilenstein. In diesem Fall ist die Entfernungsangabe auf der Via Latina gemeint, zehn römische Meilen also fast 15 km vom Zentrum Roms entfernt. Die Via Latina, eine der ältesten Römerstraßen, führte in das Gebiet der Latiner in den Albaner Bergen östlich von Rom. Heute wird ihr Verlauf von der Via Anagnina nachgebildet. Ad Decimum findet sich hinter dem Autobahnring, am Beginn des Gemeindegebiets von Grottaferrata.

Im Gebiet am Fuß der Albaner Berge gab es in der Antike keine Stadt aber viele Villen und Landgüter. Vermutlich Bedienstete der Villen lebten in einem kleinen Dorf, eben am zehnten Meilenstein. Die Bewohner dieser Ansiedlung waren wohl schon im 3. Jahrhundert zum großen Teil Christen und bestatteten Ihre Toten wie ihre Glaubensgenossen in Rom in einer Katakombe. Die Katakomben dienten nicht als Versteck, sie waren einfach ein billiger und platzsparender Friedhof. Man schätzt dass am zehnten Meilenstein, Ad Decimum, durchschnittlich fünf Christen pro Jahr beigesetzt wurden. Man musste also etwa 10 Meter pro Jahr die Katakombe weiter in den Tuff graben, bis am Ende des 5. Jahrhunderts ein kleines Labyrinth mit etwa 1000 Gräbern entstanden war.

Diese Katakombe ist verglichen mit den großen Katakomben in Rom, die Calixtus-Katakombe hat 20 km Gänge, klein, aber keineswegs uninteressant. Abgesehen davon, dass man in der Calixtus Katakombe auch nicht mehr besichtigen kann als in Ad Decimum. Das besondere an dieser Katakombe ist, dass die meisten Gräber noch verschlossen sind. Da man im Mittelalter die Knochen aus den Katakomben als Reliquien verkauft hat, findet man in den römischen Katakomben nur leere Gräber. Nur die Katakombe Ad Decimum vermittelt noch den Eindruck einer intakten Katakombe.

Nur an wenigen Gräbern sind die Inschriften erhalten, teilweise in Griechisch, die ursprüngliche Sprache der Christen, teils lateinisch. Keine Inschrift gibt den Geburtstag an, dafür das genaue Alter in Jahren, Monaten und Tagen. Teilweise sind die Gräber mit christlichen Symbolen, wie dem Guten Hirten verziert. Das Kreuz findet man nicht, das wurde erst später üblich. Rätselhafterweise ist auf einer Grabplatte eine Maus mit einem Stück Käse abgebildet. Eines der letzten Gräber, unter einem in den Tuff gegrabenen Bogen ist mit schönen Fresken geschmückt. Man sieht Jesus zwischen Petrus und Paulus, darunter eine Reihe von 12 Schafen, die für die Apostel stehen. Auf der Seite taucht das Gesicht des Lazarus wie aus dem Nebel der Geschichte auf.

Um das Jahr 500 endete die Nutzung der Katakombe. In der Völkerwanderungszeit wurden die Villen und Dörfer im Umland von Rom verwüstet. Da in Ad Decimum keine bekannten Märtyrer begraben waren, wurde sie schnell vergessen und nicht geplündert. Erst ab 1915 wurde sie wieder ausgegraben. Ein Ausflug zu dieser besonderen Katakombe lohnt sich auf jeden Fall.

Gerne organisieren wir eine Besichtigung dieser Katakombe, z.B. im Rahmen einer Rundfahrt in die Albaner Berge. Lassen Sie sich ein Angebot erstellen.

Buchung und Auskunft unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

oder Telefon: +39 - 346 - 853337

weitere Stadtführungen in Rom

Gruppo Archeologico Latino – Colli Albani “Bruno Martellotta”

siehe auch: Kloster des Hl. Nilus in Grottaferrata

 

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