• Die Ausgrabungen Ferento bei Viterbo

    Während sich im Kolosseum in Rom tausende Besucher gegenseitig auf die Füße treten, findet man 90 km nördlich in einer anderen Ausgrabungsstätte nur Stille. Eine der eindrucksvollsten Ruinen stellt das Theater von Ferentium dar, bei dem die Kombination von Architektur, Geschichte und Landschaft besonders stark zum Ausdruck kommt.

    Doch die Stille liegt nicht nur daran, dass, völlig zu Unrecht, nur wenige Touristen den Weg ins nördliche Latium finden. Leider sind die Ruinen von Ferentium (italienisch Ferento) bis auf weiteres geschlossen, wie ein vergilbtes Schild am Maschendrahtzaun verrät. Erst diesen Mai gab der Bürgermeister von Viterbo, auf dessen Gemarkung Ferento liegt, bekannt, dass nach jahrelanger Vorlaufzeit, ein runder Tisch für die Restrukturierung der Ausgrabungsstätte gebildet wurde. Nun soll ein Plan erstellt werden, was zu tun ist und dann will man die Finanzierung angehen. Leider fiel dem Vertreter des Kulturministeriums dazu nur eine Idee ein. Man könne ja EU-Fördermittel anzapfen. Und das wird der Haken an der Sache sein. Der italienische Staat gibt leider nur noch ca. 5 % dessen für die Unterhaltung von Altertümern aus, was die Bundesrepublik Deutschland investiert. Und das bei einer ungleich größeren Menge Kulturgüter. Doch wenn man nicht mal Stätten wie Pompeji genügend unterhalten kann, wie die Hauseinstürze letzten Jahres zeigten, wie will man dann Mittel für diesen unbekannten Ort in der Provinz auftreiben?

    Deshalb ein bisschen Werbung für Ferentium. Wenn jemand sponsoren will, vermittele ich gerne die Adressen.

    Diese Hügellandschaft wurde vor mindestens 3000 Jahren besiedelt. Im 8. Jahrhundert v.Chr. entstand auf einem Hügel wenige Kilometer südlich von Ferento eine etruskische Stadt, deren ursprünglichen Namen wir nicht kennen und die heute als Acquarossa bekannt ist. In den 1960er Jahren wurden hier Ausgrabungen vom Schwedischen Institut für klassische Studien gemacht, an denen sich übrigens König Gustav VI. Adolf aktiv beteiligte, der ein Faible für Archäologie hatte. Warum die Siedlung um 500 v.Chr. zerstört wurde wissen wir nicht. Die Einwohner siedelten sich nun auf dem Hügel von Ferento an.

    Der Name Ferentium leitet sich möglicherweise vom latenischen „ferrum“ für Eisen ab. Denn die Eisenvorkommen der Gegend begründeten den Reichtum der Stadt. In römischen Dokumenten begegnet uns Ferentium allerdings erst 123 v.Chr. Ein halbes Jahrhundert später wurde der Ort Municipium und damit begann der urbane Ausbau. Die Stadt hatte alle typischen Einrichtungen einer antiken Stadt, auch wenn noch nicht alles, wie das Forum und das Augusteum das mit 60 Statuen geschmückt gewesen sein soll, gefunden wurde. Ausgegrabe wurden aber die Thermen, die heute mit einem, sagen wir diskussionswürdigem, Dach geschützt werden. Schön kann man dort die Reste der Hypokaustenheizungen sehen. Der antiken Fußbodenheizung, bei der heiße Luft zwischen einen doppelten Boden geleitet wurde.

    Das Wahrzeichen ist aber das Theater. Im Mittelalter wurde es in die Befestigung der Stadt einbezogen und hat so den Lauf der Zeiten am Besten überstanden. Es stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. und noch heute kann man von den Sitzreihen über das Bühnenhaus hinweg zu den Monti Cimini schauen und sich vorstellen wie einst römische Schauspieler das Volk mit Tragödien und Komödien unterhielten. 1901 fand der Archäologe Rossi Danielli, der als Wiederentdecker der Stadt gilt, im Bühnengraben die Statuen der neun Musen, die einst die Bühnenfassade schmückten. Sie kann man heute im Museum der Rocca Albinoz in Viterbo bewundern. Am charakteristischsten sind aber die umlaufenden Arkaden aus Peperinotuff, die einst das obere Stockwerk trugen.

    Im Mittelalter begann der Abstieg der Stadt. Sie litt sehr unter den Kämpfen mit den Ostgoten und den Langobarden. Papst Gregor I. erwähnte Ferentium als Beispiel für den Hunger den die Bevölkerung litt. Als die Stadt sich langsam erholte und versuchte sich von den Grafen von Bisenzio zu emanzipieren um eine Freie Komune zu gründen, begann der Konflikt mit dem nahen Viterbo. Unter dem Vorwand, die Ferentiner seien Ketzer, da sie Christus am Kreuz mit geschlossenen Augen darstellten, überfielen die Viterbesi 1172 die Stadt und machten sie dem Erdboden gleich. Die überlebenden Bewohner wurden in alle Winde zerstreut. Viterbo übernahm die Palme von Ferento in sein Stadtwappen, als Zeichen, dass sie nun alleinige Metropole im nördlichen Latium sei.

    Seit Sommer 2011 gibt es wieder Theateraufführungen in Ferento. Nur dann, oder zu anderen besonderen Gelegenheiten, ist auch eine Besichtigung möglich. Sonst gilt, wer abenteuerlustig ist, findet das Loch im Zaun. Ferento liegt an der Straße von Viterbo nach Bagnoregio. Man muss auf die Abzweigung rechts achten.

    Theater von Ferentium
    Theater von Ferentium
    Thermen in Ferentium
    Thermen in Ferentium, Hypokaustenheizung
    Theater von Ferentium
    Theater von Ferentium
    Landschaft bei Ferento
    Landschaft bei Ferento

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    Lage von Ferento:

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  • 50 km nordwestlich von Rom liegt der kleine Ort Caprarola an einem Abhang der Monti Cimini. Überragt wird er von der Villa Farnese, eine der erstaunlichsten Adelsvillen Italiens mit weiter Sicht über das Tibertal bis zum Apennin. Im Palast findet man keinen Quadratzentimeter Wandfläche, der nicht mit Fresken ausgemalt ist, die die Taten der Papstfamilie Farnese feiern. Doch auch den Park sollte man nicht verpassen.

  • Sutri_007 

    Quasi Sutrium ire

    In Sutri, 50 km nördlich von Rom erlebt man 3000 Jahre Geschichte. Hier lebten die Etrusker und Römer, wurden die geheimnisvollen Riten des Mithras und der Tempelritter zelebriert und hier trafen Kaiser auf Päpste. Der kleine Ort an der Via Cassia ist auch heute noch ein Höhepunkt auf dem Weg nach Rom.

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    „Quasi Sutrium ire“ sagten die antiken Römer wenn jemand etwas schnell und gründlich erledigte, „Wie nach Sutri zu gehen“. Diese Redewendung erinnerte an die Einnahme der Stadt Sutri durch den römischen Feldherren Marcus Furius Camillus im Jahr 386 v. Chr. Die etruskische Stadt war zehn Jahre zuvor nach dem Fall von Veji unter römische Kontrolle gekommen. Als die Gallier Rom plünderten nahmen die Etrusker aus der reichen Stadt Tarquinia die Gelegenheit war um die strategisch wichtige Stadt zurückzuerobern. Doch Marcus Furius Camillus trieb sofort seine Legionäre in einem Gewaltmarsch nach Norden. Noch in derselben Nacht hatte er Sutri wieder zurückerobert. „Quasi Sutrium ire“. Das Tor, durch das die Römer eindrangen trägt bis heute den Namen Porta Furia nach dem Eroberer.

    Wer heute nach Sutri geht sollte sich jedoch Zeit lassen, denn in dem kleinen Ort gibt es viel aus fast 3000 Jahren Geschichte zu entdecken. Hier durchbricht die Via Cassia steile Tuffhügel, Reste von Lavaströmen des Vulkans, der heute die Monti Cimini bildet mit dem Kratersee Lago di Vico. Fast alle die von und nach Rom wollten mussten hier durch. Und viele der illustren Reisenden hinterließen ihre Spuren.

    An die Etrusker erinnern die zahlreichen Felsengräber, die in einen Tuffhügel gegenüber der Stadt gehauen wurden. Die Gräber sind wie Totenhäuser gestaltet und in Sichtweite der auf der gegenüberliegenden Erhebung angelegten Stadt. Sie weißen teilweise noch Verzierungen an den Fassaden auf. Man kann den Hügel auf einem etwa 1 km langen Spaziergang umlaufen. Drei der Felsengräber wurden im 2. Jhd. n.Chr. zu einer Kultstätte für den aus Persien stammenden Gott Mithras zusammengefügt. Dort kamen die Anhänger dieses rätselhaften Kultes zusammen um ein dem christlichen ähnliches Abendmahl zu zelebrieren. Dabei wurden auch Tieropfer gebracht. Eine noch heute im Boden sichtbare Rinne diente zum Auffangen des Blutes. Nachdem sich das Christentum als Staatsreligion durchgesetzt hat, wurde aus der Kultstätte die Kirche Madonna del Parto. Die Grotte im Schoß der Erde wurde der „Madonna der Glücklichen Geburt“ geweiht und mit einem Reigen von Fresken ausgestattet. Drei Kulturen haben so einen der eindrucksvollsten religiösen Räume der Region gestaltet.

    Sutri_009Unweit dieser mystischen Kirche hatte der Orden der Tempelritter eine kleine Kirche, Santa Maria del Tempio, errichtet. Das Gotteshaus, das seit langem entweiht ist, beherbergt heute die Verwaltung des archäologischen Parks. Das Wappen am Eingang erinnert daran, dass der Malteserorden nach dem Sturz der Templer das Gebäude übernahm. Aus deren Zeit stammen auch die Reste eines Altars. Über die Anwesenheit der Templer in Sutri wissen wir kaum etwas. Beim Prozess gegen sie 1309, nahm jedoch auch der Bischof von Sutri Pietro Tabaldo teil.

    Der monumentalste Bau ist jedoch das Amphitheater, das komplett aus dem Tuffhügel gehauen wurde und von außen kaum sichtbar ist. Lediglich das triumphbogenartige Portal ist von der Straße sichtbar. Wenn man dort hindurch schreitet, steht man die weite Arena und die verwitterten Zuschauerstufen. Unter diesen wurden Gänge als Zugang zu den Rängen in den Tuff gehauen. Das Theater mit seiner ungewöhnlichen „Negativform“ scheint heute wie ein Teil der Landschaft. Auch wenn es ganz in der Tradition der Etrusker errichtet wurde, wird es heute mehrheitlich in die Zeit von Augustus datiert und dokumentiert so das Fortbestehen der etruskischen Kultur bis ins 1. Jhd. n.Chr. In römischer Zeit war Sutri ein Landstädtchen. Erst in der Völkerwanderungszeit wurde seine Lage an der Engstelle der Via Cassia wieder strategisch wichtig.
     
    Alle Bausparkassen im Vergleich


    „Quasi Sutrium ire“ war das Motto vieler prominenter Besucher der Stadt, den die meisten Rombesucher aus dem Norden passierten Sutri auf der Reise nach Rom. Auf dem Tuffhügel oberhalb des Amphitheaters sieht man die Reste einer Burg in der Karl der Große übernachtet haben soll, als er auf dem Weg zu seiner Kaiserkrönung in Rom war. Auch wenn die Mauern von Bauhistorikern heute in eine spätere Zeit datiert werden, ist fast sicher, dass Karl durch Sutri kam. Einer Legende nach soll der Franke an Gicht gelitten haben und sei durch den Genuss der besonderen Bohnen genesen. Noch heute werden die Bohnen aus Sutri im September gefeiert. Ein Rezept habe ich hier eingestellt.

    Sutri_004Wesentlich besser ist der Besuch von Heinrich III. dokumentiert. Auch sein Ziel war es sich vom Papst in Rom die Kaiserkrone aufsetzen zu lassen. Doch von welchem? In Rom stritten sich zu dieser Zeit drei Päpste darum, wer der rechtmäßige sei. Heinrich rief die Kardinäle am 24. Dezember 1046 in Sutri zusammen und setzte alle drei Päpste ab um seinen Vertrauten Suidger von Bamberg zum Papst Clemens II. bestimmen zu lassen. Dieser krönte Heinrich dann wunschgemäß zu Weihnachten in Rom zum Kaiser. Am 8. Juni 1155 traf Friedrich Barbarossa in Sutri auf Papst Hadrian IV. Dabei kam es zum Eklat, da der Staufer dem Papst nicht die nötige Ehrerbietung entgegenbrachte. Die Lösung war pragmatisch, man spulte den Film zurück. Am nächsten Tag wurde das "erste" Zusammentreffe zur Zufriedenheit des Papstes wiederholt, der dann auch Barbarossa die Kaiserkrone aufsetzte.

    Der hübsche Ortskern von Sutri bewahrt noch viele Spuren des Mittelalters. Herausragend ist hier der Dom Santa Maria Assunta, die Bischofskirche von Sutri bis das Bistum 1986 im Bistum Civita Castellana aufging. Im 16. Jahrhundert wurde Bischof Antonio Ghislieri aus Sutri zum Papst Pius V. gewählt. Er gilt als einer der unerbittlichsten Verfolger von Ketzerei und Gotteslästerung. Trotzdem war er der vorletzte Papst der heiliggesprochen wurde. Im Dom in Sutri befinden sich Reliquien von ihm. Wenn man in die romanische Krypta, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, hinabsteigt befindet man sich wieder im geheimnisvollen Mittelalter.

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  • Morgen findet in der schönen mittelalterlichen Stadt Viterbo wieder das eindrucksvolle jährliche Schauspiel der Macchina di Santa Rosa statt. Wer in der Gegend ist sollte sich das nicht entgehen lassen. Bei einer Prozession wir im Laufschritt eine 30 Meter hohe beleuchtete Skulptur, die Macchina, durch die Altstadt getragen.

  • In Calcata, Provinz Viterbo
    Ein malerisches Dorf mit einer erstaunlichen Geschichte. Befand sich hier ein delikater Teil von Jesus?

  • Kaiser Otto III. starb hier vor 1008 Jahren

    Vor genau 1008 Jahren beendete wenige Kilometer von meinem Wohnort ein junger Mann sein Leben, der vielleicht die Weltgeschichte verändert hätte, wenn er denn älter geworden wäre.

  • Der Geist der Donna Olimpia

    Nördlich von Rom liegt der Vico-See, einer der vielen Vulkanseen in Latium. Der Kraterrand des erloschenen Vulkans bildet heute die Monti Cimini, die zum See steil abfallen, aber zur Provinzhauptstadt Viterboals sanfte, bewaldete Hügel auslaufen. Hier liegt der kleine Ort San Martino al Cimino.

  • Ich habe den heutigen Nachmittag in Viterbo verbracht. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz nördlich von Rom hat eine große, gut erhaltene mittelalterliche Altstadt. An einem sonnigen Novembertag macht es Spaß sich durch die Gassen treiben zu lassen. Man findet zahlreiche interessante Fotomotive. Im Caffè Schenardi, einem der schönsten Cafés weit und breit habe ich mich ganz unitalienisch mit Kaffee und Kuchen gestärkt.

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