• Das Grab blieb leer - San Carlo alle Quattro Fontane

    Ich sitze nun schon eine Weile in einer Nische und lasse den Raum auf mich wirken. Ein eigenartiger Raum. Ruhig und doch etwas befremdlich.

  • Die Basilika San Lorenzo in Lucina liegt am gleichnamigen Platz gegenüber dem Palazzo Ruspoli, der bekannt für seine Kunstausstellungen ist. Die auf den ersten Blick schlichte Kirche ist eine wahre Zeitmaschine, die uns durch 2000 Jahre römische Geschichte führt. Als erstes fällt die schöne, schlichte Vorhalle mit ihren sechs antiken Säulen auf, die zwischen barocke Paläste eingeklemmt ist. Dahinter erhebt sich der romanische Campanile. Wir betreten die Kirche durch das alte Portal, das von zwei Löwen flankiert wird. Diese haben jeweils einen Menschen in ihren Fängen und sollen, als eher heidnisches Symbol, das Böse abhalten.

  • 1733 passierte das Unglück in der Kirche San Lorenzo in Lucina in der nördlichen Altstadt Roms. Eine junge Kuh hatte keine Lust auf ihren letzten Weg zum Metzger, riss sich los und stürmte mitten in die Messe, die gerade in der Kirche abgehalten wurde. Die Gläubigen stoben auseinander und der Pfarrer verschanzte sich in der Sakristei. Die Kuh wurde schließlich in der Fonseca-Kapelle überwältigt, einem berühmten Spätwerk des noch berühmteren Gianlorenzo Bernini.

  • Stadtführung durch die Römischen Altstadt

    Ein unbekanntes Kloster in Rom

    San Lucia in Selci 1748
    Es gibt Kirchen in Rom, vor denen täglich tausende Touristen Schlange stehen. Andere werden von den Besuchern wahrscheinlich nicht mal als Gotteshaus wahrgenommen wenn sie sich vor deren Fassade in einer abgelegenen Gasse wie der Via in Selci verirren. Santa Lucia in Selci bewahrt bis heute seine frühmittelalterliche Fassade, die kaum auf einen Kirchenbau hinweist.

    Im Mittelalter hatte die Via Labicana als eine der letzten Straßen aus der römischen Antike noch ihr Pflaster bewahrt. Das war so erwähnenswert, dass das von Papst Symmachus (498 bis 514) in der Nähe gegründete Kloster Santa Lucia den Beinamen „in Selci“, am Pflaster, bekam.
    Santa Lucia in Selc, FassadeSanta Lucia in Selc, Fassade
    Ich habe Glück. Vor dem Eingang des Klosters Santa Lucia in Selci wartet ein junger Mann von der ENEL, der italienischen Elektrizitätsversorgung auf Einlaß. Nach kurzer Unterhaltung erklärt er sich bereit, mich in das ansonsten für die Öffentlichkeit geschlossene Kloster mit „einzuschleusen“. Als endlich nach langem Warten eine Nonne die Pforte öffnet, wimmelt sie überraschenderweise den Stromableser zügig wieder ab und zeigt wesentlich mehr Verständnis für meinen Wunsch die Kirche zu fotografieren. Nicht ganz zu Unrecht gelten kirchliche Einrichtungen in Rom als äußerst schlechte Zahler von Strom- und Wasserrechnungen. Der ehemalige Bürgermeister Rutelli hatte schwere Verstimmungen mit dem Vatikan riskiert, als er die Bezahlung von seit den 50er Jahren offenen Abwasserrechnungen verlangte. Der beleidigte Papst Johannes Paul II sagte daraufhin ein Dutzend Gottesdienste in Rom ab, ignorierte aber weiterhin die Mahnbescheide.

    Also mein Glück, dass ich im Vergleich der angenehmere Besucher war. Doch zu einem Gespräch ist die Schwester nicht aufgelegt. Fragen nach dem Architekten Francesco Borromini kontert sie mit einem kurzen Fingerzeig auf die von ihm geschaffene Cappella Landi. Dann steckt sie ihre Nase in ihr Gebetbuch als unmißverständliches Zeichen, dass die Unterhaltung beendet ist. Schon gar nicht möchte sie über den Reliquienhandel sprechen. Das Kloster gilt als letzte Umsatzstelle der katholischen Kirche für die Überreste ihrer Märtyrer. Wer z.B. den Schienbeinknochen eines Heiligen erwerben möchte muss sich an dieser Anlaufstelle einfinden. Nun gut, vielleicht kann ich ein anderes Mal mehr zu diesem interessanten Thema recherchieren.

    Die barocke Umgestaltung der Kirche ist dafür offensichtlicher. Im 16. Jahrhundert übernahmen die Schwestern des Augustinerordens das uralte Gebäude. 1596 beauftragten sie den vom Luganer See stammenden Architekten Carlo Maderno mit der Neugestaltung ihrer Kirche und des Klosters. Maderno gehörte zu einer ganzen Architektendynastie, die aus dem heutigen Tessin nach Rom kam, um der Ewigen Stadt ihren Stempel aufzudrücken. Er arbeitete zuerst in der Werkstatt seines Onkels Domenico Fontana. Als dieser wegen Unterschlagungen Rom verlassen musste, übernahm er dessen Geschäfte. Ein Auftakt zu einer steilen Karriere, die Maderno 1603 bis zum Baumeister des Petersdom führte. Die Baustelle in der Via in Selci lief spätestens dann wohl nur noch nebenher und kam sehr schleppend voran. 1637 „erbte“ Francesco Borromini den unvollendeten Bau von seinem zwischenzeitlich verstorbenen Onkel Carlo Maderno. Für ihn hatte Santa Lucia in Selci sicher weit größere Bedeutung. Er hatte gerade im Streit seinen Chef Gian Lorenzo Bernini verlassen. Einen Streit, den beide mit viel Herzblut bis zu ihrem Tod weiterführten. Borromini war dringend auf Aufträge angewiesen.
    Santa Lucia in Selci, Cappella LandiSanta Lucia in Selci
    Borromini gestaltete den Innenraum der Kirche. Doch wer hier die geschwungenen, verdrehten und verschränkten Formen erwartet, für die der kreativste Architekt Roms bekannt wurde, wird enttäuscht sein. Die Formgebung ist noch ganz dem strengen Barock seiner lombardischen Heimat (zu dem damals noch das Tessin gehörte) verhaftet. Die mit Bildmedaillons belegten Pfeiler der Cappella Landi, sein Hauptwerk in der Kirche, erinnern noch an die Renaissance. Doch die ganz unborromineske Ausstattung hat eine angenehme elegante Ausstrahlung.

    An der Außenfassade kam die Barockisierung nur in einem relativ bescheidenen Portal zum Ausdruck. Ansonsten zeigt sie sich noch so, wie sie im 6. und 7. Jahrhundert geschaffen wurde, als mehr auf Wehrhaftigkeit, denn auf Schmuck Wert gelegt wurde. Doch wer genau hinsieht, entdeckt noch ältere Spuren. Im östlichen Drittel der Fassade zeichnen sich deutlich zugemauerte Arkaden ab. Die Reste eines antiken Gebäudes.

    Auf die Spur dieses Baues kommen wir, wenn wir uns die Forma Urbis Romae anschauen. Diese war ein riesiger und ausgesprochen genauer Stadtplan Roms, der unter Kaiser Septimus Severus Anfang des 3. Jahrhunderts in Marmorplatten geritzt wurde. 1.186 Scherben wurden bisher gefunden und in jahrelanger noch nicht abgeschlossener Arbeit lokalisiert und identifiziert. Doch wir haben Glück. Der Standort unseres Klosters findet sich auf einem Fragment wieder. Die Via in Selci war damals der Clivus Suburanus. Das Gebäude, das an ihn angrenzt, ist sogar deutlich lesbar beschriftet. Es ist die Porticus Liviae, über deren Entstehung wir recht gut Bescheid wissen.

    Publius Vedius Pollio kam aus einer Familie freigelassener Sklaven und erwarb im ersten Jahrhundert vor Christus unermeßlichen Reichtum. Er war für seine ausschweifenden Feste bekannt. Da er sich Kaiser Augustus, der ihn förderte, verpflichtet fühlte, vererbte er ihm sein Anwesen am Esquilin in Rom. Augustus errichtete darauf zu Ehren seiner Frau Livia einen öffentlichen Garten mit einem ihn umgebenden Säulengang ein. Eben die Porticus Liviae. Die Anlage von der Größe eines Fußballfeldes war mit Bäumen bepflanzt. Zwischen Blumenbeeten standen Statuen und in der Mitte war ein großer Brunnen. Ein beliebter Erholungspark im damals schon lauten und chaotischen Rom, der von dessen Bürgern bis zum Ende des Römischen Reichs gerne genutzt wurde. In der Völkerwanderungszeit wurde das grüne Kleinod zerstört. Erst Anfang des 6. Jahrhunderts wurde in einem Winkel des Säulengangs das bescheidene Kloster eingerichtet. Ich habe einmal versucht, das Stück der Forma Urbis über den heutigen Stadtplan zu legen. Die Porticus ist heute noch gut in der Form der Gebäude ablesbar und zeigt die Kontinuität der Stadt über mehr als 2000 Jahre.

    Stadtführung durch die Römischen Altstadt

    Stück der Forma UrbisLage des KlostersPorticus Liviae in der heutigen Stadt

  • Zum Neuen Jahr der Versuch einer Ehrenrettung.

    Daniele Ricciarelli ist besser bekannt unter dem Namen seines Geburtsortes in der Toskana: Daniele da Volterra. Aber noch besser bekannt als Il Braghettone, was auf deutsch mit Hosenmaler übersetzt wird. Diesen Namen bekam er dank eines recht zweifelhaften Auftrags. Da Volterra begann seine Karriere in Rom als Gehilfe von Michelangelo, der ihn bei seiner Karriere tatkräftig unterstützte. Der Meister erreichte sogar, dass ihn Papst Paul III. als Verwalter der Kulturgüter des Vatikans anstellte. Da Volterra unterstützte Michelangelo bei der Fertigstellung seines vielleicht wichtigsten Gemäldes, dem Jüngsten Gericht in der Sixtinischen Kapelle. Doch unter dem nächsten Paul auf dem Heiligen Stuhl wehte ein anderer Wind. Paul IV. verfolgte alles unerbittlich was nach seiner Meinung der reinen Kirchenlehre widersprach. Juden und Protestanten mussten um ihr Leben fürchten. Dem Kirchenvater war ein besonderer Dorn im Auge das Fresko von Michelangelo, denn dieser hatte, ganz dem antiken Kunstideal und sicher auch seinem Geschmack verpflichtend alle Heiligen, ja selbst Jesus splitternackt gemalt. Einer Anklage vor der Inquisition entkam der Künstler nur Dank des Todes des Papstes. Dessen Nachfolger, Pius IV, war kompromissbereiter. Doch einen Monat vor dem Tod Michelangelos, im Januar 1564, beschloss auf seine Initiative das Trentiner Konzil ein Verbot der Nacktheit in der Kunst. Fast eine Gnade, dass Michelangelo nicht mehr erfuhr, dass sein Zögling Daniele da Volterra, er kannte das Fresko nach dem Meister am Besten, den päpstlichen Auftrag zum Übermalen aller Genitalien bekam. Und so wird da Volterra wohl für alle Zeiten in der Kunstgeschichte mit dem Zusatz Il Braghettone, der Hosenmaler versehen bleiben.

    Doch Daniele Ricciarelli konnte weit mehr als nur kleine Tüchlein malen. Ich empfehle allen Touristen, die die Spanische Treppe in Rom erklimmen, einen Blick in die Kirche an ihrer Spitze, Santa Trinità die Monti zu werfen. In den 14 Kapellen findet man hervorragende Kunstwerke aus 4 Jahrhunderten. Da Volterra hat die dritte Kapelle auf der rechten Seite 1548 bis 1550 im Auftrag von Lucrezia della Rovere komplett mit Szenen aus dem Leben Marias ausgemalt. An den zwei Seitenwänden hat er eine eigentümliche Wahl für die Motive getroffen. Auf der rechten Seite der Tempelgang Mariens und auf der linken der Kindermord in Bethlehem, eine Folge der Geburt Mariens Sohn. Beide Gemälde werden von einer großen Treppe dominiert. Während links tote Säuglinge auf den Stufen liegen, erklimmt rechts Maria, als tapferes kleines Mädchen im weißen Kleid die Stiege zum Tempel. An der Stirnwand entschwebt die Jungfrau auf einer von Engeln umtanzten Wolke durch einen offenen Säulentempel zum Erstaunen der Apostel gen Himmel. Nur im Vordergrund ist Petrus mit einem jungen Mann, vielleicht Johannes, ins Gespräch vertieft. Beide scheinen das Geschehen nicht zu bemerken. Sie beugen sich geradezu aus dem Bild heraus, dem Betrachter entgegen, als wollte da Volterra kommentieren: „Keine Angst, das sind nur Geschichten aus einem alten Buch.“

    Gegenüber in der zweiten Kapelle links hängt die Kreuzabnahme von da Volterra. Hier zeigt er, dass er es versteht ein Bild zu komponieren. Alle Linien, durch Arme und Beine gebildet weisen auf den toten Christus hin. Doch hier wird eine Figurengruppe aus dem Geschehen heraus und hervorgehoben. Die drei entsetzt klagenden und weinenden Frauen kümmern sich gar nicht um das Geschehen hinter ihnen. Sie beugen sich über die ohnmächtige Maria.

    Vielleicht wollte Daniele Ricciarelli sich selbst so sehen, wie den Johannes in der Rovere-Kapelle. Einer der außen steht und das Geschehen nur kommentiert. Das Schiksal hat ihm einen anderen Platz zugewiesen. Die Nachwelt verbindet mit ihm nur die prüden Tüchlein in der Sixtinischen Kapelle, leider nicht die schönen, intelligenten Fresken oberhalb der Spanischen Treppe.

  • Wo wohnte eigentlich der Apostel Paulus in Rom?

    Case di PaoloIch weiß nicht, ob ihr euch diese Frage schon mal gestellt habt. Falls ihr nach Rom reisen wollt, ist euch wahrscheinlich die Frage wichtiger, wo ihr denn in Rom wohnen werdet. Für die Menschen im Mittelalter war das anders. Die zerbrachen sich ganz gewaltig den Kopf ,wo der zweit wichtigste Apostel nach Petrus in Rom genächtigt hat, galt dieser Ort doch als verehrungswürdig. Paulus kam als Gefangener nach Rom, da er als römischer Bürger nach seiner Verhaftung an den Kaiser appellieren konnte. Doch man steckte ihn nicht in einen Kerker, sondern erlaubte ihm, zusammen mit einem Soldaten, der ihn bewachte, eine Mietwohnung zu beziehen. Wohlgemerkt, das ist eine wenig gesicherte Legende. Man nahm an, dass er im Wohnviertel der Juden am Tiberufer wohnte, das nach seinem feinen Sand lateinisch Arenula hieß. Der Name schliff sich über die Jahrhunderte zum heutigen Regola ab. Man kann sich darüber streiten, ob sich Paulus mehr als Christ oder als Jude gefühlt hat, aus der Apostelgeschichte im Neuen Testament geht jedoch klar hervor, dass er auf seinen Reisen praktisch ausschließlich in Synagogen gesprochen hat und in jüdischen Gemeinden gewohnt hat.

    Jedenfalls ist das Zimmer, in dem Paulus gewohnt haben soll, heute eine Kapelle in der Kirche San Paolo in Regola; einer Kirche, die allerdings erst 1186 in einer Papstbulle erstmals erwähnt wurde. 1728 wurde die Kirche von Giacomo Ciolli und Giuseppe Sardi barock neu erbaut. Das Zimmer des Paulus hat dabei jede antike Atmosphäre verloren. Aber schon im Mittelalter konnten die Römer sich nicht recht vorstellen, dass der Apostelfürst in dieser Kammer gehaust haben soll. So bekam ein Komplex von sieben gotischen Wohnhäusern aus dem 12. Jahrhundert in der Nachbarschaft den Namen „Case di San Paolo“. Für den Bau des neuen Justizministeriums ab 1913 sollten sie eigentlich abgerissen werden, doch eine Bürgerinitiative wehrte sich erfolgreich dagegen. So sind sie heute, ein bisschen überrenoviert, in das Ministerium mit einbezogen und geben einen guten Eindruck vom Stadtbild Roms im Mittelalter.

    San Paolo alla Regola San Paolo alla Regola

    Doch wer tatsächlich antike Gebäude sucht, kommt in diesem Viertel auch auf seine Kosten. Als die Gemeinde Rom in einem Nachbarhaus von San Paolo eine Kinderbücherei einbauen wollte, stieß man auf Mauern aus der Zeit von Kaiser Septimius Severus (193 - 211), die sich über vier Stockwerke, zwei im Untergeschoss, zwei über der Erde, erstrecken. In dieser Zeit wurden Lagerhäuser, die hier am Flusshafen standen, in Wohnhäuser umgebaut. Nach einem Brand wurden diese Häuser in der Zeit von Kaiser Konstantin erneuert und die Mauern verstärkt. Im Mittelalter wurde eines der Häuser in ein Haus mit Turm, ähnlich der zuvor beschriebenen Häuser umgebaut. Heute kann man hier eine erstaunliche Kontinuität über fast 1800 Jahre besichtigen.

    Doch ob Paulus hier gewohnt hat? Die Frage können wir leider nicht klären. Genauso wenig wie die, ob alle seine vielen Briefe tatsächlich von ihm stammen. Einer geht jedenfalls nachweislich auf Robert Gernhardt zurück:

    Paulus schrieb den Irokesen:
    Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen.
    Case di Paolo
  • Ein Weib mit ungeheurem Talent

    Die meisten Touristen, die von der Fontana di Trevi zur Spanischen Treppe ziehen gehen an dieser Kirche achtlos vorbei. Doch man sollte zumindest einmal den Blick heben um das beeindruckende Ensemble von Sant’Andrea delle Fratte mit dem schönen Glockenturm, dass sich über den Dächern Roms erhebt zu betrachten.

  • Ein vergessener Park

    Mitten im Zentrum Roms gibt es einen kleinen Park, der trotz seines wunderschönen Ausblicks, völlig unbekannt ist.

  • Der Kreuzgang von Santa Maria sopra Minerva

    Ich möchte heute ein Kunstwerk vorstellen, dass leider nicht zugänglich ist. Ich hatte ausnahmsweise und viel zu kurz die Möglichkeit den Kreuzgang von Santa Maria sopra Minerva, dicht hinter dem Pantheonzu besichtigen.

  • Die Fontana delle Tartarughe auf der Piazza Mattei in Rom

    SchildkrötenbrunnenWenn man an einem schönen lauen Abend durch die römische Altstadt wandert, kann es passieren, dass man plötzlich auf einen kleinen Platz mit einem ganz außergewöhnlichen Brunnen trifft. Es ist die Fontana delle Tartarughe, der Schildkrötenbrunnen, der eine eigenartige Faszination ausübt. Der römischen Stadtverwaltung ist es gelungen die Piazza Mattei weitgehend von Autos zu befreien. Auch Läden oder Kneipen gibt es kaum. Nur die Bar Tartuga stellt abends ein paar Stühle vor die Tür. Und so kann man mit einem guten Rotwein in der Hand sich ganz auf das Rauschen des Brunnens einlassen.

    Die dunklen Bronzeskulpturen von vier Jünglingen spiegeln das matte Licht der Straßenlaternen. Die jungen Männer stellen jeweils einen Fuß grazil auf einen Delphin und strecken sich unnatürlich affektiert zur oberen Brunnenschale um je eine Schildkröte zum Trinken über den Brunnenrand zu schieben. Ich denke es ist diese Mischung aus Akustik, dem Rauschen, der Reflexion des Lichts und der eigenartigen Thematik, der ungewöhnliche Symbiose der pubertierenden Knaben und der plumpen Reptilien die den Besucher des Platzes gefangen nimmt.

    SchildkrötenbrunnenDer Brunnen war Teil eines Wasserversorgungsprogramms im 16. Jahrhundert. Papst Sixtus IV. hatte den antiken Aquädukt der Acqua Vergine restaurieren lassen und beauftragte Giacomo della Porta, den Architekten der gerade die Kuppel des Petersdoms fertiggestellt hatte, mit dem Bau von 18 Brunnen um die Bewohner der Altstadt mit frischem Wasser zu versorgen. Bisher hatten sich die Römer im Wesentlichen mit dem schlammigen Wasser des Tiber versorgt. Nun sollten sie wieder wie in der Antike das saubere Wasser aus den Sabiner Bergen trinken. Ein riesiger Fortschritt und mindestens so bedeutend wie die Kuppel über dem Vatikan. Della Porta hatte eigentlich einen Brunnen auf dem Markt des Judenghettos vorgesehen, doch der Graf Mattei wollte unbedingt diese prestigeträchtige Einrichtung vor seiner Haustür haben. Er wird sich die Verlegung des Brunnens einiges gekosten haben lassen. Außerdem verpflichtete er sich zu dessen Pflege und Unterhaltung. Dafür entwarf Giacomo della Porta in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Taddeo Landini eine Pyramide aus Figuren. Da sich jedoch herausstellte, dass der Wasserdruck für die geplante Höhe zu niedrige war, verzichtete della Porta auf die oberen vier Delphine. Und so griffen die Jünglinge nach oben ins Leere. Die schon gegossenen Tiere verwendete er für seine Fontana della Terrina, dem eigenartige suppentopfförmigen Brunnen, der vom Campo de'Fiori vor die Chiesa Nuova versetzt wurde. Leider verschwanden dabei die Delfine spurlos.
    Doch erst im folgenden Jahrhundert kam ein Bildhauer auf die Idee den Brunnen zu ergänzen. Wir wissen nicht wer die Restaurierung 1658 leitete. Vielleicht tatsächlich der große Bernini. Bernini war bekannt für seinen Humor und seine Ironie. Und er verwendete Tiere, die nicht zum klassischen Repertoire für Bildhauer gehörten. An der Piazza Barberini ließ er Bienen aus einer Muschel trinken. Den Obelisk, den er in der Nähe des Dominikanerkollegs aufstellen sollte, wollte er mit Hunden schmücken. Als Interpretation des Wortes Dominikaner als domini canae, „Kettenhunde des Herren“. Soweit durfte er nicht gehen, Aber er setzte den Obelisk schließlich auf den Rücken eines verschmitzten Elefanten. Es kann gut sein, dass er auf die Idee mit den Schildkröten kam.

    Eigentlich unerhört auf eine ernsthafte alte Skulptur vier Panzerechsen zu setzen. Das ist vergleichbar mit dem Aufmalen von Schnurrbärten auf die Gesichter von Wahlplakaten. Darf man so etwas? Heute ist man einig. Ironie hat in der Architektur nichts zu suchen. Schon gar nicht im Umgang mit historischen Bauwerken. Beim Wettbewerb für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses hatte kein Teilnehmer eine Chance, der mit der barocken Fassade zu spielen begann und ungewohnte Blickweisen suchte. Der Gewinner darf das Schloss in unverrückbarer Ernsthaftigkeit wieder erstellen. Man wünscht sich, dass es doch jemand gelingt heimlich eine Schildkröte daran zu kleben.

    Auf der Piazza Mattei ist es gelungen. Wer immer die Schildkröten zufügte, er gab der Bewegung der Jünglinge einen Sinn und dem Brunnen einen Namen. Die plumpen Tiere verleihen dem ganzen Ensemble eine unverhoffte Leichtigkeit.

    Stadtführung durch die Römischen Altstadt

    Schildkrötenbrunnen

    Lage des Schildkrötenbrunnens in Rom


    Fontana delle tartarughe, 00186 Roma auf einer größeren Karte anzeigen

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  • Margarethe von Österreich - die Madama von Rom

    Wenn man die italienischen Nachrichten anschaut, hört man fast täglich vom Palazzo Madama in Rom, denn hier tagt der italienische Senat. Da die Mehrheit der Koalition von Ministerpräsident Renzi hier viel fragiler ist als in der Abgeordnetenkammer, sind die Debatten hier viel spannender. Doch wer war diese Madame, die dem barocken Palast in der römischen Altstadt den Namen gab?

    Margarethe von Österreich
    Gemäldegalerie Berlin

    Der Anfang der Geschichte führt uns nach Belgien. 1521 war Kaiser Karl V. auf dem Schloss des Barons de Montigny in Oudenaarde bei Brüssel zu Gast und hatte dort ein kurzes Verhältnis mit der Zofe Johanna van der Gheynst. Das Ergebnis war am 28. Juli 1822 die Geburt von Margarethe. Damit wäre die Geschichte normalerweise auch schon zu Ende gewesen, doch, ganz unüblich für diese Zeit, Karl erkannte die Frucht seiner Liebelei als seine Tochter an und sorgte für eine standesgemäße Erziehung in Brüssel. Er hatte das Mädchen zur Figur im diplomatischen Spiel der Mächte erkoren.

  • Perin del Vaga, Pietà in Santo Stefano del Cacco, 1519, Ausschnitt

    Wie der Heilige Stefan zum dummen Affen kam.

    Nicht jede der fast 1000 Kirchen Roms hat eine prächtige, unübersehbare Fassade. Mancher wird wahrscheinlich an der Kirche Santo Stefano del Cacco vorbei laufen ohne sie überhaupt als Kirche wahrzunehmen. Der Eingang der Kirche ist in die schmucklose Fassade des Klosters der Silvestriner integriert, die 1563 die Kirche von Pius IV. bekamen und die Kirche in der Folge barock ausstatteten.

  • Seit gut 200 Jahren ist die Piazza di Spagna mit der berühmten Spanischen Treppe Zentrum von Touristen und Ausländern in Rom und heute eines der beliebtesten Fotomotive.

    Um es vorweg zu nehmen, die Spanische Treppe hat mit Spanien rein gar nichts zu tun. Sie hat ihren Namen von der Piazza di Spagna zu ihren Füßen und diese wiederum von der altehrwürdigen spanischen Botschaft am Heiligen Stuhl. Auf Italienisch wird die Freitreppe übrigens Scalinata della Trinità dei Monti nach der gleichnamigen Kirche an ihrer Spitze genannt, was es besser trifft, aber für Besucher aus nördlichen Ländern unaussprechlich scheint.

  • 130511 019

    Stemma Urbano_VIIIAm Beginn der Via Veneto gibt es einen kleinen sehr reizenden Brunnen, den Bienenbrunnen, die Fontana delle Api. Wie der Innschrift zu entnehmen ist gab Papst Urban VIII den Brunnen zur Annehmlichkeit der Römer1644 in Auftrag. Geschaffen wurde er vom großen Bildhauer Gian Lorenzo Bernini, der auch den Tritonenbrunnen mitten auf dem Platz schuf. Der Bienenbrunnen mit seiner niedrigen Schale diente dabei als Pferdetränke. Bernini verarbeitete dabei das Familienwappen des Papstes, der Barberini, das drei Bienen zeigt und lies die Bienen zum Brunnen fliegen um selbst sich am Wasser zu laben. Bernini hat immer wieder Tiere in seine Brunnen eingebaut, die nicht zum üblichen Schmuckkanon gehören. So bereicherte er Rom um eine weitere fantasievolle Skulptur.

    Der Brunnen war ursprünglich in die Fassade des nahen Palazzo Soderini integriert. Am Balkon an der Ecke zur Via Sistina, unter dem er einst stand, sind ebenfalls Bienen ins Geländer eingeflochten. Der Brunnen wurde 1865 bei einer Straßenverbreiterung entfernt. Dabei ging leider die originale Muschelschale verloren, die heute nur grob nach der einfachen Zeichnung eines Arbeiters, der beim Abbau dabei war, rekonstruiert ist. Erst 1915 wurde er am anderen Eck des Platzes wieder aufgestellt.

    Führung auf den Spuren von Bernini

     

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  • Die Skulptur des Heiligen Sebastian von Giorgetti an der Via Appia

    Die Basilika San Sebastiano an der Via Appia kann sicher nicht mit Pracht und Glanz der bedeutendsten Barockkirchen Roms konkurrieren. Der Innenraum ist eher schlicht und klar gehalten. Doch es lohnt, sich etwas genauer umzuschauen, dann findet man einige sehr interessante Kunstwerke.

  • Vierzig Stunden Gebet

    Zu Osternsteht natürlich der Papst in Rom im Mittelpunkt. Zwischen Palmsonntag und Ostern kann man ihn fast täglich bei verschiedenen Ereignissen erleben. Seit der Papst Franziskus heißt, sind dies alles Massenereignisse. Wer z.B. mit dem Papst den Kreuzweg am Kolosseum am Karfreitag zelebrieren möchte, sollte sich schon drei Stunden vorher einfinden um einen guten Platz zu bekommen. Doch ich kann noch eine atmosphärisch sehr schöne Alternative empfehlen.

  • Ich habe heute die Kirche Santi Michele e Magno besucht, die besser bekannt als Friesenkerk ist, die Nationalkirche der Friesen und Niederländer. Eine uralte Kirche, die direkt neben dem Petersplatz liegt aber trotzdem so versteckt ist, dass sie kaum jemand findet.

  • Die Piazzaa di Spagna ist einer der beliebtesten Treffpunkte für Touristen in Rom. Nicht nur weil die Spanische Treppe, die den Platz bestimmt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Welt gehört, sondern auch weil sie Zentrum des Modeviertels von Rom ist.

  • Die Baugeschichte der Kirche an der Piazza Navona

    Sant’Agnese in Agone ist eine der bekanntesten Kirchen Roms, denn sie bestimmt mit ihrer Kuppel die bei Touristen beliebte Piazza Navona und ist daher häufiges Fotomotiv. Doch bildet sie nicht nur den Hintergrund für den Vierströmebrunnen. Sie hat auch selbst eine interessante Geschichte.

    Ihren Beinamen verdankt sie dem antiken Agon (Wettkampf) der im Stadion des Domitian stattfand, über dem sie errichtet ist.

  • Nach dem 400ten Todesjahr (2010) des Barock-Malers Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio (*29.9.1571 - 18.7.1610), sind alle seine Werke, die in Sonderausstellungen in ganz Europa ausgeliehen waren, wieder zurück und können wieder in Rom bewundert werden.

    Sehen Sie die berühmten Werke des Meisters bei einer Führung zu den Kirchen Santa Maria del Popolo, Sant' Agostino und San Luigi dei Francesi.

    Stadtführungen für kleine Gruppen

     

     

     

     

     

    Buchung und Auskunft unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
    oder Telefon: +39 - 346 - 8533377

    Mehr über Caravaggio

    Die Werke von Caravaggio sind in Rom in folgenden Kirchen und Museen zu sehen:

    Kapitolinisches Museum:

    Die Wahrsagerin (1594), Johannes der Täufer (1597/98)

    Galleria Barberini:

    Judith und Holofernes (1595/96), Narziss (1594/96), Franziskus (1603/05)

    Galleria Borghese:

    Kranker Bacchus (1591/93), Jüngling mit Fruchtkorb (1593/94), Madonna dei Palafrenieri (1605), Hieronymus (1605/06), Johannes der Täufer (1609), David mit dem Haupt Goliaths (1609/10), Porträt Pauls V. (1605/06)

    Galleria Corsini:

    Johannes der Täufer (1603/04)

    Galleria Doria-Pamphilj:

    Rast auf der Flucht nach Ägypten (1594/96), Magdalena (1594/96), Johannes der Täufer (1597/98)

    Pinakothek in den Vatikanischen Museen:

    Grablegung Christi (1602/04)

    San Luigi dei Francesi: Piazza San Luigi de’ Francesi 20

    Berufung des Matthäus (1599/1600), Martyrium des Matthäus (1599/1600), Matthäus (1602)

    Santa Maria del Popolo, Piazza del Popolo 12

    Kreuzigung Petri (1600/01), Bekehrung Pauli (1600/01)

    Sant'Agostino: Piazza di Sant'Agostino

    Pilgermadonna (1603/05)

    Santa Maria della Concezione (Kapuzinerkirche): Via Veneto 27

    Franziskus (1603/05)

    Casino Boncompagni Ludovisi:

    Jupiter, Neptun und Pluto (1599), Caravaggios einziges Deckengemälde, nur auf Anfrage zu besichtigen

    Sammlung Odescalchi:

    Bekehrung Pauli (1594/96) nicht zu besichtigen

     

  • Fontana di Trevi - Der berühmteste unbekannte Baumeister
    Januar 2009, Brief an Nicola Salvi, Baumeister des Trevibrunnens, von Rom ins Jenseits
     
    Lieber Nicola,
    Ich habe ein bißchen Zeit und so setze ich mich auf einen Treppenabsatz vor deinen Brunnen.
  • Der Vierströmebrunnen von Bernini

    Der Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona ist nach dem Trevibrunnensicher der bekannteste Brunnen Roms und eines der Hauptwerke von Gian Lorenzo Bernini. Dabei war es gar nicht vorgesehen, dass Bernini den Auftrag bekommt.

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