• Der vergessene Triumphbogen

    Malborghetto

    Kurz bevor man auf der Via Flaminia Rom über die nördliche Stadtgrenze verlässt, in der Nähe des verschlafenen Bahnhofs von Sacrofano, sieht man rechts ein eigenartiges, großes Ziegelgebäude. Es lohnt sich noch einmal umzudrehen, über den kleinen Bahnübergang zu fahren und sich dieses Anwesen etwas genauer anzuschauen. Denn hier handelt es sich, auf den ersten Blick kaum sichtbar, um das Denkmal für eines der wichtigsten weltgeschichtlichen Ereignisse.
    Am 27. Oktober 312 hatte hier Kaiser Konstantin, einen Tagesmarsch vor Rom, sein Heerlager aufgeschlagen. Konstantin war zu diesem Zeitpunkt nur einer von vier Kaisern des Römischen Reichs und zuständig für Britannien, Gallien und Germanien. Doch er wollte die alleinige Macht. Und so zog er mit 40.000 Mann der Rheinarmee gegen seinen Widersacher Kaiser Maxentius in Rom. Hier in Malborghetto, einen Tag vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke, hatte Konstantin eine Vision. Ihm erschien im Himmel ein Kreuz mit der dazugehörenden Erklärung: In hoc signo vinces, in diesem Zeichen wirst du siegen. Konstantin verwendete daraufhin das Christusmonogramm als Feldzeichen. Mit Erfolg.
    Maxentius hatte sich eigentlich eine raffinierte Strategie ausgedacht. Er wollte den Truppen Konstantins etwa dort wo heute die Studios der RAI in Saxa Rubra stehen, den scheinbaren Durchstoß durch seine Truppen erlauben, um dann hinter ihnen die Reihen wieder zu schließen und sie am Nordufer des Tiber einzukesseln. Den Ponte Milvio hatte er dafür zerstören lassen. Doch es kam anders, plötzlich waren die Verteidiger Roms in der Defensive und standen mit dem Rücken zum Fluss. Maxtentius, der eigentlich in seinem Palast auf die Siegesnachricht wartete, eilte selbst aufs Schlachtfeld. Doch er stürzte im Tumult in den Tiber und ertrank. Konstantin feierte einen grandiosen Sieg, der gleichzeitig als Durchbruch für das Christentum gesehen wird. Auch wenn dieses eher ein schleichender Prozess war. Bereits im Jahr zuvor hatte Kaiser Galerius die Christenverfolgung offiziell beendet. Konstantin und Maxentius standen gleichermaßen hinter dessen Toleranzedikt. Bei der Schlacht an der Milvischen Brücke ging es mehr um die Macht im Reich, als um den Kampf für eine Religion. Erst 391 hatte das Christentum endgültig gesiegt, als Kaiser Theodosius alle anderen Religionen verbot.
    An der Stelle des Heereslagers Konstantin wurde ein großer Triumpgbogen errichtet. Ob noch zu Lebzeiten Konstantins oder später ist ungewiss. Der rechteckige, vierbogige Bau überdachte eine Kreuzung der Via Flaminia mit einer alten etruskischen Straße, die von Veji zum Tiber führte. Die vier aus Ziegeln errichteten Bögen, die später zugemauert wurden sind noch deutlich sichtbar. Von der Marmorverkleidung des einst prächtigen Bauwerks ist dagegen fast nichts mehr zu sehen.

    Rekonstruktion des KonstantinbogensIm Mittelalter wurden die Bögen geschlossen und der Bau in eine Kirche umgewandelt. Sie war jedoch bereits 1256 wieder verschwunden, als ein Burgus San Nicolai de Arcu Virginis, im Besitz der Orsini erwähnt wurde. Die Adelsfamilie hatte den Triumphbogen zu einer Burg, zur Kontrolle der Via Flaminia ausgebaut. Reste der Befestigungsmauern sind heute noch sichtbar. Dieser Name erinnert jedoch sowohl an die Kirche als auch an den Triumphbogen. Diese Festung mit sie umgebenden kleinen Bauernhäusern wurde bereits 1278 direkt an den Vatikan verkauft, bei dem sie bis zur Auflösung des Kirchenstaates blieb.
    Für einige Zeit setzen sich in der Festung Straßenräuber fest, was dem Ort bei der Bevölkerung den Namen Malborghetto (in etwa böses Dorf) einbrachte. Obwohl der Komplex in der Folge die verschiedensten Nutzungen und offiziellen Namen hatte, blieb der Name Mallborghetto an ihm haften. 1350 wird erwähnt, dass hier der Marmor gesammelt wurde, der aus den Ruinen von Veji geklaubt wurde, bevor er zum Dombau von Orvieto abtransportiert wurde. Auch war hier traditionell der Ort, an dem Kardinäle auf dem Weg nach Norden verabschiedet wurden oder wichtige Besucher Roms begrüßt wurden. 1485 verbarrikadierten sich Mitglieder der Familie Colonna in Malborghetto gegen die gegnerischen Orsini. Denen gelang es schließlich mit Hilfe der Bürger des nahen Sacrofano die Festung in Brand zu setzen. Die Zeit als Bollwerk war damit vorbei. Malborghetto war nur noch ein Landhaus, das Casale di Malborghetto, und später Poststation an der Via Flaminia. Heute hat man in ihm ein kleines Museum eingerichtet. Im angrenzenden Park sieht man antike Grabsteine von der Via Flaminia.
    Dieses eigenartige Landhaus, das heute von der Via Flaminia durch die Bahnstrecke Rom - Viterbo getrennt ist, ist also nicht nur eine Wegmarke, die den Beginn des römischen Stadtgebiets anzeigt, sondern auch das vergessene Denkmal für die Zeitenwende von der Antike zum Mittelalter

    Malborghetto


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  • Das Glück des heutigen Tages

    Stadtführung durch die Römischen Altstadt

    Der Largo Argentina ist ein geschäftiger Platz mitten in der römischen Altstadt. Menschen hetzen aus den Bussen, die hier halten, zur modernen Straßenbahn hinüber, Autos hupen die Vespas zur Seite und eine Ambulanz mit Blaulicht drängelt sich zusätzlich durch das Gewühl. Ich muss zugeben, mein Lieblingsplatz am Largo Argentina ist die riesige Buchhandlung Feltrinelli. Doch heute drehe ich mich vor dem Bücherparadies noch ein mal um und entschließe mich noch für einen Moment die Februarsonne zu genießen.
    Largo Argentina
    Der Largo della Torre Argentina, wie er ausgeschrieben heißt, ist nicht nach dem südamerikanischen Staat genannt sondern nach einem Turm, den Johannes Burckard, um 1450 im Elsaß geboren, sich hier errichten ließ. Burckard war als junger Mann Schreiber beim Bischof von Straßburg. Als eine Urkundenfälschung aufflog musste er jedoch fliehen und es verschlug ihn nach Rom. Er war ein heller Kopf und so schaffte er es schnell sich in der päpstlichen Familie hochzuarbeiten bis ihn Sixtus IV. zu seinem Zeremonienmeister machte. Er musste nicht nur dafür sorgen, dass bei den zahlreichen Kirchenfesten die Weihrauchfässchen an der richtigen Stelle geschwenkt wurden, er hatte auch Zugang zu Klatsch und Tratsch im innersten Zirkel des Vatikans. Und den notierte er in seinem Tagebuch fleißig mit. Sein Liber Notarum trug entscheidend zum schlechten Ruf des Borgia Papstes Alexander VI. bei. Doch wieviel davon wahr ist und aus welcher Mitteilung nur der Neid desjenigen spricht, der bei den Orgien vor der Tür bleiben musste, sei dahingestellt. Ende des 15. Jahrhundert baute er sich den standesgemäßen Palazzetto del Burcardo, der noch heute in der nahen Via del Sudario zu sehen ist. Den dazugehörigen Turm nimmt man nur noch im Innenhof wahr. Die Römer nannten ihn Torre Argentina, nach dem lateinischen Namen Argentoratum für Burkhards Heimatstadt Straßburg.

    Eine Straßenbahn hält mit leisem Surren vor dem Teatro Argentina. In dem traditionsreichsten Schauspielhaus Roms wurde 1816 die berühmte Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini uraufgeführt. Ein denkwürdiges Ereignis bei dem so ziemlich alles schief ging, was schief gehen kann. Dem Almaviva rissen bei seinem Gitarrenständchen die Saiten, der Basilio stolperte bei seinem Auftritt und fiel der Länge nach auf die Bühne und plötzlich stolzierte eine Katze zwischen den Beinen der Sänger hindurch. Als der Vorhang fiel johlte und schrie das Publikum vor Vergnügen, wenn auch nicht über die Einfälle des Komponisten, sondern die des Schicksals.
    Teatro Argentina
    In der Mitte des Largo Argentina leben die Nachfahren der Katze die Rossini in den Wahnsinn trieb. Ein Rechteck des Platzes ist ausgespart und bietet einen Blick in die Vergangenheit. Ab 1926 wurden hier uralte Tempel ausgegraben zwischen deren Ruinen heute zahlreiche Katzen spielen oder in der Sonne dösen. Man fand die Reste von Tempeln die in die Anfangszeit Roms zurückreichen. Der älteste der ca. 300 v.Chr. gebaut wurde, war der uralten Erdgöttin Feronia, der Blumenliebenden, geweiht. Der zweitälteste wurde 241 v.Chr. für die Quellnymphe Juturna errichtet. Sie war die Geliebte des Jupiter und bekam von ihm die Gewässer Latiums geschenkt. Doch sie gab das Wasser gerne weiter an die Römer. Nur wenige Meter nördlich standen die Thermen des Agrippa, das erste große öffentliche Bad der Stadt, in dem sich vom Senator bis zum Sklaven alle, bei freiem Eintritt im warmen Wasser entspannen konnten. Zwischen den zwei Tempeln baute Quintus Lutatius Catulus im Jahr 101 v.Chr. einen Rundtempel für Fortuna Huiusce Diei, der Göttin des „Glücks des heutigen Tages“. Was für eine geniale Idee. Ein Tempel für den glücklichen Moment im Jetzt. Catulus meinte mit diesem Glücksmoment wohl den Sieg über die nach Italien eingefallenen Kimbern in diesem Jahr. Doch er mußte lernen, dass sein Glücksmoment eben nur für diesen Tag galt. Er glaubte, dass das Volk dem Marius, dem zweiten an der Schlacht beteiligten Feldherren, mehr zujubelte als ihm, als sie im Triumphzug durch Rom zogen. Dieser Neid setzte sich fest und lies die zwei zu erbitterten Gegnern werden. 14 Jahre später trieb Marius den Catulus schließlich in den Selbstmord. Und eine Generation später erlebte die Fortuna noch einen geschichtsträchtigen Mord. Am 15. März des Jahres 44 v.Chr. stieg am Fuß des Fortuna-Heiligtums Julius Cäsar aus seiner Sänfte um die Stufen zur direkt dahinter stehenden Kurie des Pompeius hinaufzusteigen. Die Unterkonstruktion der Treppe ist noch gut am Largo Argentina zu erkennen. Er lief seinen Mördern direkt in die Arme. Schaute da die Fortuna weg, oder hatte sie doch die Finger mit im Spiel? Manche Historiker glauben, dass Cäsar an seinem Attentat mitinszeniert hat. Sein Leiden an Epilepsie, ließ ihn langsam zum Scheitelpunkt seiner Karriere kommen. Hat der geniale Taktiker das Komplott der Senatoren für einen großen Abgang genutzt? Er hatte genügend Warnungen vor dem Attentat bekommen. Die letzte, auf einem Fetzen Papier geschrieben, wurde ihm auf dem Weg zum Senat zugesteckt. Er hielt ihn bei seinem Tod noch in der Hand. Trotzdem hatte Cäsar an diesem Tag ausdrücklich auf seine Leibwache verzichtet. Als er unter den Dolchstichen der Senatoren zusammenbrach ordnete er noch seine Toga. Wußte er, dass er in diesem Moment unsterblich geworden war?

    Mir gefällt dieser geschichtsträchtige Ort. Die Göttinnen hier waren freundlich und den Menschen wohlgesonnen. Sie versprachen keine Erlösung und verlangten kein Märtyrertum. Sie verschenkten ein bißchen Lebensfreude an alle ohne Ansehen der Person. Welch Kontrast, wenn man sieht, wie in der nahen Kirche Sant'Andrea dell Valle der Heilige Andreas in qualvollen Szenen seines Todeskampfes gezeigt wird und an der Fassade von Il Gesù der Heilige Ignazius seinen Fuß einem Ketzer in den Nacken drückt. 400 Jahre nach Cäsars Tod hatten die Christen die alten Religionen besiegt. Sie zerrten die Statue der Fortuna aus ihrem Tempel und ließen die Stücke im Schutt liegen. Das Glück wurde vom „heutigen Tag“ auf irgendwann später, nach dem Jüngsten Gericht, verschoben. 1928 wurde ihr Kopf gefunden und ins Kapitolinische Museum gebracht.
    Largo Argentina - Bergung des Kopfes der Fortunaam Largo Argentina
    Doch wenn ich mich so umschaue, dann wirkt die Fortuna doch weiter über die Jahrtausende hinweg. Ob es nun die junge Inderin mit dem Handy am Ohr ist, die dort am Geländer der Ausgrabungen lehnt und ein inniges Gespräch mit jemand in der Heimat führt. Ob es die Besucher der Thermen waren, die im Dampfbad ihre Sorgen vergaßen. Ob es der Bettler ist der mit einem Lächeln auf einer Parkbank schläft oder die Besucher der denkwürdigen Opernpremiere. Ob es Catulus war, der seinen Triumphzug genoß, oder der arme elsässer Bauernbub Johannes Burkhard, der in Rom Karriere machte, oder der junge Vater dort drüben, der mit seinen Kindern herumtobt. Alle haben oder hatten Teil am „Glück des heutigen Tages“. Vielleicht sogar Cäsar.


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  • Ein Kilometer südlich des Hauptbahnhofes Termini in Rom steht ein eigenartiges antikes Gebäude. Ein zehneckiger großer Saal mit 24 Metern Durchmesser, mit großen Fenstern und Apsiden.

    Die Ruine wird als Tempel der Minerva Medica bezeichnet, auch wenn man heute sicher ist, dass es dies genau nicht war. Es bekam seinen Namen nach der Götterstatue der Minerva Giustiniani, die dort im 17. Jahrhundert gefunden wurde und heute im Vatikanischen Museum steht. Die Ruine wird heute in der Regel als Nymphäum, also Brunnenhaus bezeichnet, auch wenn es dafür genauso wenig stichfeste Hinweise gibt. Vermutlich war es Teil der Horti Liciniani, der Gärten der Familie der Licinier und wurde möglicherweise in der Regierungszeit des Kaisers Gallienus (253 - 268) erbaut. Ein Kaiser, der nicht zu den fähigsten und glücklichsten zählte. In seiner Regierungszeit brachen die Barbaren in großer Zahl ins Römische Reich ein. Während des Krieges gegen die Goten fiel er einer Verschwörung zum Opfer. Warum dieses aufwändige Gebäude errichtet wurde, ist immer noch ein Rätsel. Die Kuppel, eine der größten der römischen Antike, inspirierte die Architekten der Renaissance. 1828 fiel sie plötzlich und ohne Vorwarnung ein. Damals stand die Ruine, zwar knapp innerhalb der antiken Stadtmauer aber einsam umgeben von Gemüsefeldern.

    Noch andere Statuen wurden im Umfeld der Ruine ausgegraben. Darunter zwei Magistraten, die gerade ein Taschentuch werfen und damit den Startschuss für die Pferderennen im Circus Maximus geben. Man findet sie heute im Kapitolinischen Museum.

    Heute sind die Gleise der Eisenbahn an die Ruine herangerückt und die Straßenbahn tuckert direkt vorbei. Der Bau, der die Archäologen immer noch ratlos lässt, liegt vergessen im römischen Verkehr.

     

  • Aus drei Tempeln mach eine Kirche

    san-nicola-nach-vasi.jpg

    Stadtführung durch die Römischen Altstadtsan-nicola-in-carcere-002.jpg

    weitere Fotos

    Das Gebiet zwischen dem Kapitolshügel und dem Tiber ist selbst für römische Verhältnisse ausgesprochen reich an Zeugnissen und Kunstschätzen aus gut 2.500 Jahren. Eigentlich zu schade, dass die meisten Touristen nur in einem langen Treck zum Wahrheitsmund, der Bocca della Verità, wandern und bestenfalls einen müden Blick zum Marcellustheater werfen. Gut die Via Petroselli hat durch die Umbauten unter Mussolini ihren mittelalterlichen Charme eingebüßt, den man jedoch in den Seitengassen nach wenigen Metern wieder findet. Doch durch die Ausgrabungen ab den 1930er Jahren haben wir auch viel über die Römische und damit Europäische Geschichte erfahren.

    Hier an dieser Uferebene lag in grauer Vorzeit, als Rom die Ansammlung bescheidener Hirtendörfer auf den berühmten sieben Hügeln war der erste Hafen, oder besser eine Landestelle für Handelsboote. Und so entstand der erste Marktplatz Roms. Später aufgeteilt in das Forum Boarium, den Viehmarkt, und das Forum Holitorium, den Gemüsemarkt. Hier bekam Rom zum ersten Mal Kontakt mit dem Rest der Welt. Vor allem griechische Kaufleute siedelten sich an. Den griechischen Einfluß spürt man noch heute, stehen doch in diesem Viertel noch zwei griechisch-orthodoxe Kirchen.

    Säulen der Spes in der FassadeBereits in der Zeit der Römischen Republik standen hier zahlreiche Tempel und öffentliche Gebäude. Das Forum Holitorium war durch die Fassaden von vier nebeneinander stehenden Tempeln begrenzt. Der nördlichste, der Tempel der Pietas, der Ehrfurcht vor den Göttern, der allerdings selbst keine Ehrfurcht genoss, sondern 23 v.Chr. von Augustus für den Bau des Marcellustheaters abgerissen wurde. Südlich davon stand der Tempel des Janus, des Gottes von Anfang und Ende, der dem Monat Januar seinen Namen gab. Er entstand während des Ersten Punischen Kriegs (264 - 241 v. Chr.). Anschließend der Tempel der Juno Sospita, der wichtigsten römischen Göttin in ihrer Form als Beschützerin des Staates, der um 195 v. Chr. erbaut wurde. Und schließlich der Tempel der Spes, der Göttin der Hoffnung, aus der gleichen Zeit wie der Janustempel. Sie bildeten für mehr als ein halbes Jahrtausend einen recht optimistischen Götterreigen bis sie Ende des 4. Jahrhunderts in Rente geschickt wurden. Im Jahr 395 verbot Kaiser Theodosius die heidnischen Religionen und ließ die Tempel schließen.

    In das Podium des Spestempels wurde eine kleine Kapelle eingebaut, deren Reste heute noch zu sehen sind. Das Fresko in der Apsis ist leider verschwunden.

    Plan nach Lanciano

    Dann begann die Dunkle Zeit, aus der nur noch wenige Nachrichten zu uns dringen. Germanen und Byzantiner kämpften um Rom und trugen dazu bei, dass die antike Millionenstadt zur mittelalterlichen Kleinstadt herabsank. Im Bereich der Tempel des Forum Holitorium fand man Gräber aus dem 6. Jahrhundert. Das uralte Gesetz, dass man innerhalb der Stadt keine Toten begraben durfte wurde nicht mehr beachtet. Und irgendwann, vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert, zog in den Tempel der Juno eine christliche Kirche ein. Der Tempel des Janus wurde statt dessen als Gefängnis genutzt. Dies klingt noch im Namen der modernen Kirche (in Carcere = beim Gefängnis) nach. Im Jahr 1087 hatten Seeleute die Gebeine des Heiligen Nikolaus in Myra, in der heutigen Türkei gestohlen und ins süditalienische Bari gebracht, wo sie noch heute im Dom ruhen. Nur wenige Monate darauf wurde die Kirche im Junotempel eben diesem Nikolaus geweiht. Einmal da er als Patron der Gefangenen hier am richtigen Ort war, zum zweiten da er vor allem in der östlichen Kirche verehrt wurde und in diesem römischen Stadtteil noch immer viele griechische Kaufleute wohnten. Die Tradition, dass Nikolaus die Kinder an seinem Gedenktag beschenkt entstand erst viel später.

    Ausgrabungen unter San Nicola

    Papst Honorius nahm den Einzug des Nikolaus wohl zum Anlass und ließ die Kirche vergrößern. Dabei nutzte man wiederum die alten Tempel, die wohl noch weitgehend intakt waren. Die Zwischenräume zwischen den Tempeln wurden zu den Seitenschiffen der Kirche und die Säulenreihen der Nachbartempel vermauert und als Auswände genutzt. Der Rest dieser Tempel wird wohl als Baumaterial für die mittelalterlichen Häuser verwendet worden sein, die neben der Kirche entstanden. Giuseppe Vasi, der fleißige Vedutenmaler des 18. Jahrhunderts zeigt die Kirche an einem kleinen, eng bebauten Platz. Nur eine Säule an der Fassade, die 1599 von Giacomo della Porta vorgesetzt wurde, erinnert noch an die alten Tempel. Erst als Mussolini in den 1930er Jahren die Straße verbreitern ließ und dafür die Häuser fielen, stieß man wieder auf die drei alten römischen Götter. Die Säulen sind heute an der Seitenfassade der Kirche wieder sichtbar und erinnern daran, dass Nikolaus nur zu Gast bei Juno ist. In den Ausgrabungen unter der Kirche kann man zu den Fundamenten der alten Tempel vorstossen.

    Ein alter Brauch der noch lange im Mittelalter gepflegt wurde geht vielleicht sogar auf Juno als Göttin der Geburt zurück. Mütter gaben hier in der Kirche ihre überschüssige Milch ab, damit man damit Findelkinder nähren konnte.

    Sie haben Interesse an der Besichtigung der Ausgrabungen unter San Nicola? Siehe Stadtführung Nr. 10

    oder Auskunft unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


    San Nicola in Carcere, Roma auf einer größeren Karte anzeigen

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  • Eine römische Villa an der Autobahn

    Villa dei Volusii, Lararium

    Heute ein Besichtigungsvorschlag für alle die mit dem Auto nach Rom kommen. Kaum jemand ahnt, dass man bei der Autobahnraststätte Feronia Ovest, kurz nachdem man die Autostrada del Sole auf dem Autobahnzubringer Richtung Rom verlassen hat, die beeindruckenden Reste eines 2000 Jahre alten römischen Landguts findet. Für eine Besichtigung muss man sich beim Punto Blu am Ende des Parkplatzes melden (oder bei mir). 1961 ist man beim Autobahnbau auf die Reste der Villa gestoßen, hat sie ausgegraben und viele Funde in das Museum bei den nahen Ausgrabungen der antiken Stadt Lucus Feroniae in Capena gebracht. Die schönen Fußbodenmosaiken wurden jedoch an Ort und Stelle belassen und gesichert. Das Gelände gehört der Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia SpA. Die Villa zählt, völlig zu Unrecht, zu den unbekanntesten Ausgrabungsstätten im Großraum Rom.

    Villa dei Volusii Villa dei Volusii

    Quintus Volusius Saturnius, der sich zum Ende der Römischen Republik (ca. 65 v.Chr.) hier, auf einer künstlichen Terrasse mit fantastischem Ausblick über das Tibertal bis zu den Bergen um Tivoli, einen Landsitz baute. Er diente wohl vor allem zur luxuriösen Entspannung. Die Volusii waren eine alte römische Familie, der erst mit Quintus der Aufstieg gelang. Seine Söhne und Enkel waren eng mit den Kaisern verbunden und dienten diesen auf verschiedensten Posten. Der bekannteste war sicher Lucius Volusius Saturnius. Als er im stolzen Alter von 93 Jahren starb richtete Nero ein Staatsbegräbnis für ihn aus und ließ Statuen von ihm in verschiedenen Tempeln aufstellen. Tacitus erwähnte Lucius und berichtete, dass er seinen Reichtum durch Sparsamkeit angehäuft habe. Dazu passt, dass er die Villa, das luxuriöse Wochenendhaus, zu einem Landgut umbaute. Auf dem Gelände, das sich wohl bis zum Tiber hinzog, wurde vor allem Weizen angebaut. Doch finden wir auch eine Weinpresse in der Villa. Es ist der erste große rechteckige Hof, den wir betreten, der für landwirtschaftliche Zwecke errichtet wurde. Die meisten Räume waren eher nüchtern ausgestattet und dienten den Sklaven und Bediensteten als Unterkunft. In der nördlichen Ecke findet sich eine große Latrine, ein Gemeinschafts-WC. WC ist erstgemeint, denn es hatte Wasserspülung. Unter den Sitzen rauschte ein künstlicher Bach. Doch ist in diesem Hof auch das Lararium, der Altar der Schutzgötter der Familie, untergebracht. Viel mehr als die sonst in römischen Häusern übliche kleine Nische, war es ein eigener Raum, fast ein Tempel.

    Villa dei Volusii Villa dei Volusii, Lararium

    Im Südosten lag die ältere Villa, der Wohnkomplex der Familie. Um einen kleineren Hof waren die Zimmer angeordnet die noch heute vielfältige Mosaiken vorweisen können. Die ältesten sind noch im für die Zeit der Republik typischen Schwarz-Weiss gehalten. Mosaiken, die aus späteren Umbauphasen stammen, zeigen auch bunte Muster. Im Anschluss war ein Garten mit einer großartigen Aussicht angelegt, von dem allerdings kaum etwas erhalten ist. Die letzten zwei Volusii nannten sich wieder Quintus und Lucius und waren 87 und 92 n.Chr. Konsul. Möglicherweise fielen sie dem Kampf des Kaisers Domitian gegen angebliche Verschwörer zum Opfer. Jedenfalls verschwanden die Volusii danach aus den Annalen und die Villa ging in kaiserlichen Besitz über. Ab dem 4. Jahrhundert wurde sie langsam verlassen. Im 9. Jahrhundert baute man auf den südlichen Fundamenten einen mittelalterlichen Beobachtungsturm, der noch heute erhalten ist. Das Ausgrabungsgelände ist sicher ein interessanter Auftakt zu einem Rombesuch.

    Villa dei Volusii, FußbodenmosaikVilla dei Volusii, FußbodenmosaikVilla dei Volusii, FußbodenmosaikVilla dei Volusii, Fußbodenmosaik

    Lage der Ausgrabungen


    Villa dei Volusii, 00035 Fiano Romano RM auf einer größeren Karte anzeigen

  • Die Ausgrabungen Ferento bei Viterbo

    Während sich im Kolosseum in Rom tausende Besucher gegenseitig auf die Füße treten, findet man 90 km nördlich in einer anderen Ausgrabungsstätte nur Stille. Eine der eindrucksvollsten Ruinen stellt das Theater von Ferentium dar, bei dem die Kombination von Architektur, Geschichte und Landschaft besonders stark zum Ausdruck kommt.

    Doch die Stille liegt nicht nur daran, dass, völlig zu Unrecht, nur wenige Touristen den Weg ins nördliche Latium finden. Leider sind die Ruinen von Ferentium (italienisch Ferento) bis auf weiteres geschlossen, wie ein vergilbtes Schild am Maschendrahtzaun verrät. Erst diesen Mai gab der Bürgermeister von Viterbo, auf dessen Gemarkung Ferento liegt, bekannt, dass nach jahrelanger Vorlaufzeit, ein runder Tisch für die Restrukturierung der Ausgrabungsstätte gebildet wurde. Nun soll ein Plan erstellt werden, was zu tun ist und dann will man die Finanzierung angehen. Leider fiel dem Vertreter des Kulturministeriums dazu nur eine Idee ein. Man könne ja EU-Fördermittel anzapfen. Und das wird der Haken an der Sache sein. Der italienische Staat gibt leider nur noch ca. 5 % dessen für die Unterhaltung von Altertümern aus, was die Bundesrepublik Deutschland investiert. Und das bei einer ungleich größeren Menge Kulturgüter. Doch wenn man nicht mal Stätten wie Pompeji genügend unterhalten kann, wie die Hauseinstürze letzten Jahres zeigten, wie will man dann Mittel für diesen unbekannten Ort in der Provinz auftreiben?

    Deshalb ein bisschen Werbung für Ferentium. Wenn jemand sponsoren will, vermittele ich gerne die Adressen.

    Diese Hügellandschaft wurde vor mindestens 3000 Jahren besiedelt. Im 8. Jahrhundert v.Chr. entstand auf einem Hügel wenige Kilometer südlich von Ferento eine etruskische Stadt, deren ursprünglichen Namen wir nicht kennen und die heute als Acquarossa bekannt ist. In den 1960er Jahren wurden hier Ausgrabungen vom Schwedischen Institut für klassische Studien gemacht, an denen sich übrigens König Gustav VI. Adolf aktiv beteiligte, der ein Faible für Archäologie hatte. Warum die Siedlung um 500 v.Chr. zerstört wurde wissen wir nicht. Die Einwohner siedelten sich nun auf dem Hügel von Ferento an.

    Der Name Ferentium leitet sich möglicherweise vom latenischen „ferrum“ für Eisen ab. Denn die Eisenvorkommen der Gegend begründeten den Reichtum der Stadt. In römischen Dokumenten begegnet uns Ferentium allerdings erst 123 v.Chr. Ein halbes Jahrhundert später wurde der Ort Municipium und damit begann der urbane Ausbau. Die Stadt hatte alle typischen Einrichtungen einer antiken Stadt, auch wenn noch nicht alles, wie das Forum und das Augusteum das mit 60 Statuen geschmückt gewesen sein soll, gefunden wurde. Ausgegrabe wurden aber die Thermen, die heute mit einem, sagen wir diskussionswürdigem, Dach geschützt werden. Schön kann man dort die Reste der Hypokaustenheizungen sehen. Der antiken Fußbodenheizung, bei der heiße Luft zwischen einen doppelten Boden geleitet wurde.

    Das Wahrzeichen ist aber das Theater. Im Mittelalter wurde es in die Befestigung der Stadt einbezogen und hat so den Lauf der Zeiten am Besten überstanden. Es stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. und noch heute kann man von den Sitzreihen über das Bühnenhaus hinweg zu den Monti Cimini schauen und sich vorstellen wie einst römische Schauspieler das Volk mit Tragödien und Komödien unterhielten. 1901 fand der Archäologe Rossi Danielli, der als Wiederentdecker der Stadt gilt, im Bühnengraben die Statuen der neun Musen, die einst die Bühnenfassade schmückten. Sie kann man heute im Museum der Rocca Albinoz in Viterbo bewundern. Am charakteristischsten sind aber die umlaufenden Arkaden aus Peperinotuff, die einst das obere Stockwerk trugen.

    Im Mittelalter begann der Abstieg der Stadt. Sie litt sehr unter den Kämpfen mit den Ostgoten und den Langobarden. Papst Gregor I. erwähnte Ferentium als Beispiel für den Hunger den die Bevölkerung litt. Als die Stadt sich langsam erholte und versuchte sich von den Grafen von Bisenzio zu emanzipieren um eine Freie Komune zu gründen, begann der Konflikt mit dem nahen Viterbo. Unter dem Vorwand, die Ferentiner seien Ketzer, da sie Christus am Kreuz mit geschlossenen Augen darstellten, überfielen die Viterbesi 1172 die Stadt und machten sie dem Erdboden gleich. Die überlebenden Bewohner wurden in alle Winde zerstreut. Viterbo übernahm die Palme von Ferento in sein Stadtwappen, als Zeichen, dass sie nun alleinige Metropole im nördlichen Latium sei.

    Seit Sommer 2011 gibt es wieder Theateraufführungen in Ferento. Nur dann, oder zu anderen besonderen Gelegenheiten, ist auch eine Besichtigung möglich. Sonst gilt, wer abenteuerlustig ist, findet das Loch im Zaun. Ferento liegt an der Straße von Viterbo nach Bagnoregio. Man muss auf die Abzweigung rechts achten.

    Theater von Ferentium
    Theater von Ferentium
    Thermen in Ferentium
    Thermen in Ferentium, Hypokaustenheizung
    Theater von Ferentium
    Theater von Ferentium
    Landschaft bei Ferento
    Landschaft bei Ferento

    weitere Fotos

    Lage von Ferento:

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  • Die Basilika San Lorenzo in Lucina liegt am gleichnamigen Platz gegenüber dem Palazzo Ruspoli, der bekannt für seine Kunstausstellungen ist. Die auf den ersten Blick schlichte Kirche ist eine wahre Zeitmaschine, die uns durch 2000 Jahre römische Geschichte führt. Als erstes fällt die schöne, schlichte Vorhalle mit ihren sechs antiken Säulen auf, die zwischen barocke Paläste eingeklemmt ist. Dahinter erhebt sich der romanische Campanile. Wir betreten die Kirche durch das alte Portal, das von zwei Löwen flankiert wird. Diese haben jeweils einen Menschen in ihren Fängen und sollen, als eher heidnisches Symbol, das Böse abhalten.

  • Von den 66 bekannten Katakomben in Rom gehörten 6 der jüdischen Gemeinde. Zwei dieser jüdischen Katakomben stehen heute auf Anfrage zur Besichtigung. Auch nur fünf der christlichen Katakomben sind öffentlich zu besichtigen. Lassen Sie uns die jüdische Katakombe an der Via Appia besichtigen

  • Wenn man im Umfeld der Via Appia durch die Landschaft wandert, stößt man mit Sicherheit auf alte Legenden und Mythen. Zum Beispiel die Geschichte der Nymphe Egeria.

  • Eine Stadt namens Gabii - Auf der Via Polense

    Gabii

    Wir fahren über die Via Prenestina aus Rom hinaus. Auch am Sonntag vormittag steht man dabei zwangsläufig zwischen häßlichen Wohnblocks im Stau. Dabei kommt mir ein Hit (zumindest für den Großraum Stuttgart) aus den 80er Jahren wieder in den Sinn. Damals sang die „Kleine Tierschau“ den Ohrwurm „Lieber doof sein als Gabi heißen.“

    Das dachte sich wohl auch der letzte etruskische König Roms, Tarquinius Superbus, vor 2500 Jahren. Doch hatte er nicht eine minderbemittelte Dame, wie die Ostalb-Rocker, vor Augen, sondern die mächtige Stadt Gabii, viel älter als ihre Konkurrentin Rom. Im Jahr 493 v.Chr. konnten die Römer den Krieg gegen Gabii gewinnen und die Stadt erobern. Damit begann ihr Expansionszug, der erst an Nordsee und Schwarzem Meer endete. Und Gabii sank herab zu einem Vorort der Metropole Rom. Sowie man vom öden Vorort Prenestino heute nicht viel hört, verschwand auch Gabii aus den Nachrichten. Mal abgesehen davon, dass es der Heimatort des Dichters Tibull war. Albius Tibullus ließ sich zu einer Reise nach Asien überreden. Als er zurückkehrte war jedoch seine Geliebte mit einem anderen verheiratet. Seinen Liebeskummer goß er in todtraurige Gedichte, die ersten Elegien.


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    Um Gabii heute zu finden, muß man lange genug die Via Prenestina hinaus fahren. Wenn die Bebauung langsam spärlicher wird, steht ein Restaurant namens Gaby an der Straße. Von hier kommt man zu den Resten der alten Stadt. In der Landschaft sind noch viele niedrige Mauern zu finden. Am auffälligsten der Junotempel von dem die Mauern der Cella noch fast vollständig stehen. Dahinter beginnt der Abhang zu einem See, der seit langem trockengelegt ist. Die Felder auf dem fruchtbaren Seeboden zeichnen seine Umrisse noch deutlich nach. Ich kann mir trotz der wenigen Ruinen die Stadt gut vorstellen. Hier hatten keine Reichen ihre Villen, hier wohnten ganz normale Bürger, die so wie wir am Sonntag hier spazieren gingen, zwischen dem Tempel, den Läden am umgebenden Forum und der Seepromenade. Ich glaube es war eine Stadt, in der man sich wohl fühlen konnte. Auch oder gerade als sie von der Kriegsgegnerin Roms zur langweiligen Wohnstadt wurde. Als jedoch in der Völkerwanderungszeit Barbaren den italienischen Stiefel rauf und runter zogen, war die Stadt ihnen schutzlos ausgeliefert. Wer weiß, welche Dramen sich an diesem Seeufer abspielten, bis Gabii im Schilf versank und vergessen wurde.

    Hinter Gabii beginnt die Campagna Romana, so wie man sie sich vorstellt, mit leicht gewellten grünen Hügeln zwischen denen die Ruinen von Aquädukten hervorragen. Von Gabii führt die Via Polense nach Norden. Man vergißt ganz, dass man sich immer noch im Stadtgebiet von Rom befindet. Rom hat fast so viele Einwohner wie Berlin, aber die doppelte Fläche. Da ist viel Platz für Landschaft. Nach einigen Kilometern zweigt eine Straße durch einen Tuffsteinbogen ab. Das Eingangsportal von San Vittorino, auch ein Vorort Roms und Endstation der Stadtbuslinie O42. Es ist ebenfalls ein Ort, an dem einfache Bürger leben. Er krallt sich auf einem Felssporn fest, beherrscht von der etwas heruntergekommenen Burg der Barberini. Vor der Burg besteht der Wochenmarkt aus einem einzigen Gemüsestand. San Vittorino tauchte erst im frühen Mittelalter aus dem Nichts auf. Gut möglich, dass sich hier die Bewohner Gabiis, die sich vor den Massakern in der Ebene, vor Vandalen, Goten und Sarazenen, retten konnten, verschanzten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Männer die am Gemüsestand ein Schwätzchen halten, die Nachfahren der Menschen sind, die einst die Abendsonne am See von Gabii genossen.

    San Vittorino   San Vittorino
    Die Via Polense endet im Städtchen Poli, das ihr den Namen gab. Auch ein ruhiges Landstädtchen mit verwinkelten Gäßchen auf einem Hügel. Auch der Palast der Conti ist nicht zum Touristenziel herausgeputzt. Die Conti herrschten von 1200 bis 1808 über Poli und stellten immerhin vier Päpste. Heute sind neben den Büros des Rathauses auch Wohnungen ganz normaler Leute im Schloß untergebracht. In der Einfahrt, im Hof und in den Loggien sind prächtige Renaissancefresken zu sehen, die durchaus eine Besuch in Poli rechtfertigen können. Als ein Familienvater seine Wochenendeinkäufe in seine Wohnung bringt, sehen wir durch die offene Tür, dass die Fresken sich an den Gewölben der Säle fortsetzen.

    Poli, Palazzo dei Conti   Poli, Palazzo dei Conti
    Wir lassen uns dazu verleiten, die Hauptstraße von Poli entlangzufahren, die immer schmäler wird und sich langsam aber sicher in eine Treppe verwandelt. Ein Einwohner rät uns davon ab weiterzufahren. Das sind die Momente in denen mir Maurizio entnervt erklärt, dass er und sein Auto für die Großstadt geschaffen seien. Mein Einwand, Poli sei ja fast noch Rom, beruhigt da eher weniger. Zugegeben, es ist etwas knifflig, das Auto durch die schmale Gasse mit flachen Stufen rückwärts hinauf zu steuern. Und so lassen wir als Andenken ein Rücklicht in Poli liegen.

    Die Nerven zu beruhigen, dass schafft schließlich der Koch eines Landgasthofs am Fuß des Stadthügels. Er bereitet einfache aber hervoragend zubereitete römische Küche. Als Vorspeise gibt es die Lieblingsspeise der Römer, Artischocken nach römischer Art.

    Carciofi alla Romana

    pro Person eine römische Artischocke
    leider gibt es diese zarten Gemüseblüten, die man fast vollständig essen kann, in Deutschland nur selten. Da bei den hier erhältlichen Exemplaren das meiste Abfall ist nimmt man besser zwei bis drei Stück.
    den Saft einer Zitrone
    1 Bund Petersilie
    genausoviel Minze
    pro Artischocke eine Knoblauchzehe
    Olivenöl, Salz und Pfeffer

    Von den Artischocken die harten Blattspitzen abschneiden. Den Stiel schälen. Er bleibt aber dran, er ist essbar.
    Die Artischocken in Zitronenwasser legen, damit sie sich nicht verfärben.
    Knoblauch und Kräuter grob wiegen und vorsichtig zwischen die Blätter drücken.
    Die Artischocken mit der Öffnung nach oben in einen Topf stellen und zu zwei Dritteln mit Wasser auffüllen. Mit Olivenöl beträufeln.
    Zugedeckt 20 bis 30 Minuten köcheln lassen.

    Poli

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  • In der Pyramide - Die Cestius-Pyramide

    Die Pyramide ist zur Zeit nur eingeschränkt zu besichtigen. Termine am 2. und 4. Samstag des Monats.

    Stadtführung durch die Römischen Altstadt

    Sie denken, um Pyramiden anzuschauen müssten Sie nach Ägypten fahren? Falsch auch in Rom gibt es eine leibhaftige antike Pyramide. Seit gut 2000 Jahren begrüßt die Cestius-Pyramide Roms Besucher wenn sie durch die Porta San Paolo in die Stadt kommen. Sie ist allerdings trotzdem eine eher unbekannte Sehenswürdigkeit. Touristen bemerken sie meistens nur zufällig beim Vorbeifahren. Der Bestseller-Autor Dan Brown hat in seinem Roman Professor Langdon ganz Rom nach Pyramiden als Zeichen für die „Illuminati“ absuchen lassen. Eigenartig, dass er ausgerechnet die größte und auffälligste Pyramide übersehen hat.

    Cestius-Pyramide neben der Porta San PaoloCestius-Pyramide

    Ein Grund warum die Pyramide, obwohl unübersehbar, kaum beachtet ist, mag daran liegen, dass man normalerweise nur ihr glattes, steinernes Äußeres besichtigen kann. In Zusammenarbeit mit der Gruppe Sotterranei di Roma kann ich Sie allerdings ausnahmsweise zu einer Besichtigung einladen.

    Doch zuerst ein genauerer Blick von Außen. Es stellt sich natürlich die Frage, wer war denn dieser Caius Cestius, der sich dieses exquisite Grabmal kurz vor Christi Geburt errichten ließ?

    Um ehrlich zu sein, wir wissen nicht allzu viel über ihn. Alle Informationen die wir haben, stammen von seiner Pyramide. Zum Beispiel aus der großen Inschrift, die vorn und hinten, je gleichlautenden eingemeißelt wurde:

    C CESTIUS L F POB

    EPULO PR TR PL VII VIR EPULONUM

    Wir lesen seinen Name und seine Herkunft: C(aius) CESTIUS L(ucii) F(ilius) POB(ilia)

    Caius Cestius, Sohn des Lucius aus dem Tribus (Stimmbezirk) Pobilia.

    Und seine Titel: EPULO PR(aetor) TR(ibunus) PL(ebis) VII VIR EPULONUM

    Er war Prätor, also der Stellvertreter des Consuln, des Regierungschefs. Dafür wurde man in der Regel für ein Jahr gewählt. Da man für diese Ämter mindestens 40 Jahre alt sein mußte, kann er nicht als allzu junger Mann gestorben sein. Zudem war er Volkstribun (Tribunus Plebis) und Mitglied der Septemviri (VII VIR) Epulonum, einem Priesterkollegium, das für die Ausrichtung eines Kultmahls für Jupiter zuständig war. Ein weiteres Zeichen, dass Caius ein ausgesprochen angesehener Mann war, und ein nicht zu armer, denn dieses Kultmahl mussten die Septemviri selbst bezahlen.

    Seinen Reichtum hat er möglicherweise mit dem Handel mit der neuen römischen Provinz Ägypten verdient. Das brachte ihn vielleicht darauf, sich wie einen kleinen Pharao bestatten zu lassen. Oder hing er nur der neuen Mode an, die seit dem Einzug Kleopatras in Rom grassierte. Viele vornehme Römer fanden damals alles Ägyptische absolut hip.

    Inschriften auf der Cestius-Pyramide

    Tatsächlich gab es noch mindestens drei weitere Pyramiden aus dieser Zeit. Zwei sollen an der Piazza del Popolo, anstelle der Zwillingskirchen am Beginn des Corso gestanden haben und eine zwischen Engelsburg und Petersdom. Letztere wurde abgerissen um, anläßlich des Heiligen Jahrs 1500, eine Straße zu verbreitern. Die Marmorquader ließen sich, wie praktisch, als kostenloses Baumaterial für den Petersdom verwenden.

    Diesem Schicksal entging unsere Pyramide wohl, weil Kaiser Aurelian (270 - 275) sie in seine Stadtmauer einbaute. So blöd war man im Mittelalter auch nicht, die Pyramide abzutragen und damit eine Schneise in die lebenswichtige Schutzmauer zu schlagen.

    Eine weitere Inschrift befindet sich auf der Ostseite:

    OPUS APSOLUTUM EX TESTAMENTO DIEBUS CCCXXX

    ARBITRATU

    PONTI P F CLA MELAE HEREDIS ET POTHI L

    Das heißt: das Werk wurde fertiggestellt auf Grund des Testaments in 330 Tagen unter Leitung des Pontius Mela, des Sohnes des Publius, aus der Tribus Claudia, mit dem Freigelassenen Pothus.

    Zu welcher Zeit dies geschah, erschließt sich aus der Inschrift einer Säulenbasis, die allerdings heute im Kapitolinischen Museum steht. Denn auf deren Inschrift beklagt sich die Familie von Cestius, dass golddurchwirkte Stoffe die bei der Beerdigung zum Einsatz kommen sollten, verkauft werden mussten. In einem Gesetz aus dem Jahr 18 v.Chr, wurden nämlich solche übermässig luxuriöse Begräbnisse verboten. Außerdem geht aus der Inschrift hervor, dass Markus Agrippa, der Neffe von Augustus, einer der Erben des Cestius war. Da dieser selbst 12 v. Chr. starb, haben wir so ein Zeitfenster von 6 Jahren für den Tod des Caius und den Bau der Pyramide. Von dem Geld, dass man so bei der Beerdigung einsparte, ließ die Verwandtschaft zwei Bronzestatuen des Caius herstellen, die auf Säulen vor der Pyramide aufgestellt waren. Man hat nur einen Arm und ein Bein von ihnen gefunden, die heute im Magazin des Kapitolinischen Museums schlummern.

    Es ist erstaunlich wieviel wir aus der mageren Aktenlage über Caius Cestius herauslesen können. Cestius war also ein vornehmer, reicher Mann mit Einfluss, der vermutlich mit Agrippa beim Feldzug gegen Kleopatra teilnahm und möglicherweise später Geschäftsbeziehungen nach Ägypten unterhielt. Und dabei sein Faible für den Orient entdeckte.

    Gang in die Pyramide

    Doch nun bewegen wir uns durch einen schmalen, niedrigen Gang in die Pyramide hinein, in die einfache 4 m auf 6 m große Grabkammer. Es fällt gleich auf, dass im linken Eck gegenüber noch ein Tunnel mündet. Tatsächlich hat die römische mit den ägyptischen Pyramiden noch eine Gemeinsamkeit. Sie wurde von Grabräubern geplündert. Irgendwann im Mittelalter, haben unbekannte Glücksritter, vielleicht ausgehend vom Keller eines Hauses in der Nähe, einen Stollen gegraben. Sie waren wirklich Profis, denn sie haben die Grabkammer direkt getroffen. Aber vermutlich war die Enttäuschung um so größer, denn anders als die Ägypter gaben die Römer ihren Toten keine reichen Grabbeigaben mit. Die Grabräuber haben aus Verzweiflung noch die Rückwand und das Fresko im Tonnengewölbe aufgestemmt, in der falschen Hoffnung, da wäre vielleicht noch ein Schatz eingemauert. Gaius Cestius war jedoch kein römischer Tutanchamun. Und als Papst Alexander VII. 1663 die Pyramide, und damit den offiziellen Zugang, wieder freilegen ließ, fand man nur ein leeres Grab. Selbst die sterblichen Überreste von Caius Cestius und seiner Familie, die wahrscheinlich auch hier begraben wurde, sind verschwunden.

    GrabkammerGrabkammer

    Aber noch ein Blick auf die Fresken der Grabkammer. Der Schmuck ist sehr sparsam und zurückhaltend. Von Stil und Inhalt ist die Ausstattung gar nicht mehr ägyptisch, sondern ganz der römischen Tratition verhaftet. Der weiße Putz und die Girlanden und Vasen machen einen heiteren Eindruck. An den Wänden sieht man einige sitzende oder stehende Figuren. Und an der Decke vier Engel. Nein eigentlich sind die vier Damen mit entblöster Brust und großen Flügeln keine Engel. Sie stellen die Siegesgöttin Victoria dar und sollen wohl das erfolgreich Leben des Cestius symbolisieren. Die Siegesgöttin ist vielleicht auch ein Hinweis, dass Cestius tatsächlich an der Eroberung Ägyptens teilnahm. Kurz vor dem Bau der Pyramide, 29 v.Chr., ließ Augustus im Senat einen Altar mit einer Statue der Victoria aufstellen. Er erinnerte damit an seinen Sieg über Kleopatra und Marcus Antonius. Victoria sollte Symbol dafür sein, dass nun im Römischen Reich Frieden herrschen sollte, was zumindest in der Regierungszeit von Augustus auch gelang. Erst 400 Jahre später wurde die Victoria, nach einem langen Disput zwischen Heiden und Christen, wieder aus dem Senatsgebäude entfernt. Ambrosius, der Bischof von Mailand, konnte den Kaiser überzeugen, den unchristlichen Altar auf den Müll der Geschichte zu werfen. Die Planstelle der Victoria übernahm künftig der Erzengel Michael.

    Doch langfristig hatte Ambrosius keinen Erfolg. Die Siegesgöttin ist immer noch allgegenwärtig. Zum Beispiel fliegt sie als Gold-Else (auf der Siegessäule) über Berlin. Oder viel banaler. Schaut mal in euren Schuhschrank. Haben eure Sportschuhe keine drei Streifen, dann prangt wahrscheinlich der stilisierte Flügel der Victoria darauf. Wobei die Vermarktung der Treter unter dem griechischen Pseudonym der antiken Göttin erfolgt: Nike. Und so hilft Victoria heute, 2000 Jahre nach Caius Cestius, zum Beispiel Miroslav Klose bei Bundesligatoren. Und ich wundere mich selbst, wie ich es geschafft habe den Bogen von einer antiken Pyramide in Rom zum FC Bayern zu schlagen.

    Viktoria

    Die Cestius-Pyramide in Rom

     

    piramide Cestia, Roma auf einer größeren Karte anzeigen

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  • Das Stadion des Domitian unter der Piazza Navona

    Seit kurzem ist eine neue archäologische Stätte in Rom zugänglich. Direkt hinter der Piazza Navona kann man zu den Arkaden des Stadions von Domitian hinabsteigen

    Es gab in Rom nicht nur Gladiatorenkämpfe und Pferderennen. Kaiser Domitian stiftete im Jahr 86 n. Chr. den Agon Capitolinus, der wie die Olympischen Spiele in Griechenland alle vier Jahre stattfand.

  • Porta Capena – Das Tor der Via Appia.

    Die Porta Capena war einst der Beginn der Via Appia. Heute ist die Piazza di Porta Capena an Werktagen ein vom Autoverkehr, von Bussen und Straßenbahnen umbrauster, weiter Platz. So weit, dass die Straßenbauer ihre Asphalttrassen wahllos und viel zu breit in die Landschaft legen konnten. Doch heute kann man hier in Ruhe spazieren gehen.

  • Santa Maria di Galeria - die vergessene Ruinenstadt

    Galeria, barocker CampanileDie Stadt Galeria war von starken Mauern umgeben, vor denen viele Angreifer aufgaben. Doch ihre letzten und totbringenden Feinde konnten sie nicht abhalten, die Anophelesmücken, die die Malaria in die Stadt brachten. Da das Leben unerträglich wurde verließen die Einwohner ihre Stadt. Vor genau 200 Jahren, 1809, zog die letzte Familie aus Galeria fort und die Stadt wurde der Natur überlassen. In den Häusern, einst voll von Menschen und Haustieren wachsen heute Bäume, in den Straßen, einst belebt durch Handel und Handwerk, rankt heute Efeu.

    Der Beginn der Stadt liegt in dunkler Vergangenheit, doch zahlreiche Felsengräber am Fuß des Tuffhügels auf dem sich die Stadt erstreckt legen die Vermutung nahe, dass bereits die Etrusker hier eine Siedlung hatten, an der Grenze der Territorien von Veji und Caere. Aus der Zeit der Römer haben wir endlich schriftliche Beweise für die Existenz von Careiae, wie die Stadt auf Latein hieß. Sie war eine Station an der Via Clodia, die heute als Via Claudia Braccianese weiter nördlich vorbeiführt. Frontinus erwähnt sie, da hier verschiedene Zuflüsse in den Aquädukt Aqua Alsietina geleitet wurden.

    Die reiche Stadt wurde im 9. Jahrhundert von den Sarazenen geplündert und ein zweites Mal ein halbes Jahrhundert später von ihren Besitzern, den Orsini. Es wird berichtet, dass diese tonnenweise Marmor aus Galeria fortschaffen ließen um damit den Dom in Orvieto zu schmücken.

    Doch Galeria lebte weiter. Gerardo di Galeria gewährte dem gestürzten Papst Benedikt X: hier Unterschlupf. Erst mit Hilfe der Normannen konnte er 1069 verhaftet und nach Rom gebracht werden. 1536 war Kaiser Karl V. auf Einladung der Orsini hier zu Gast. Galeria war ein bescheidenes Landstädtchen vor den Toren Roms geworden. Erst die Stechmücken, die sich ab dem 18. Jahrhundert im Tal des Arrone einnisteten brachte den Tod in Form von Malaria in die Stadt und bedeutete nach über 2000 Jahren das Ende der Stadt. 1816 wurde offiziell die die Pfarrkirche Sant'Andrea aufgegeben und die nahe Kirche eines Landguts, Santa Maria in Celsano zur Nachfolgerin bestimmt. Sie trägt heute als Santa Maria di Galeria den Namen der vergangenen Stadt weiter. Genauso heißt auch der sehr ländliche Stadtteil im 19. Römischen Stadtbezirk, der vor allem durch die riesige Sendeanlage von Radio Vaticano bekanntgeworden ist, die man gut von den Mauern von Galeria sieht. Die Antennen die in alle Welt senden sind immer wieder in den Schlagzeilen, da die Anwohner über gesundheitliche Beeinträchtigungen klagen und es kommt auch immer wieder einmal vor, dass unvermittelt fromme Gesänge von Kühlschränken oder anderen elektrischen Geräten ausgestrahlt werden, da die Sender zu stark sind. Aber was ist schon die Gesundheit von ein paar Bauern im Norden Roms gegen die weltweite Verbreitung der Botschaft des Papstes.

    Galeria, Stadttor Galeria, Stadttor Galeria Galeria Galeria
    Die Ruinen von Galeria sind über einen nicht ausgeschilderten Feldweg erreichbar, der etwas südlich der Kirche Santa Maria di Galeria rechts von der Straße abzweigt. Sie liegen heute auf dem Territorium eines Landguts, dass dem Parmalat-Konzern gehört, der sich jedoch nicht um die Unterhaltung und Zugänglichkeit der alten Stadt kümmert. Die Stadt Rom hat das Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Beides führt dazu, dass nie so ganz klar ist wer den Müll von einigen wilden Picknicks wegräumt. Doch da sich niemand um die Ruinenstadt kümmert, ist sie im Wesentlichen unberührt. Wenn man durch das alte zugewachsene Stadttor geht, betritt man eine märchenhafte Dschungellandschaft mit den alten Mauern der Stadt. Sie wird immer noch vom Kirchturm der alten Pfarrkirche überragt, an dem man noch sieht wo einst die Uhr eingebaut war, die zum Kirchturm im nahen Cesano überführt wurde. Man wandert über Straßen und Plätze, die längst von Wurzeln gesprengt sind und betritt Häuser, deren Dach vom Blätterwerk der Bäume gebildet wird. Der Besuch empfiehlt sich nur mit gutem Schuhwerk und bei Tag, denn man muss aufpassen, dass man nicht in ein ungesichertes Kellerloch fällt.

    Wer an Geister glaubt sollte sich vor allem an Herbst- und Winterabenden in Acht nehmen, denn dann hört man den keuchenden Gesang des Senz'Affanni, eines Sängers, der vor 300 Jahren starb und noch heute mit seiner Mandoline auf einem weißen alten Pferd auf der Suche nach seiner Geliebten durch die Stadt reitet. Doch tatsächlich verursacht der Fluß Arrone die unheimlichen Geräusche, wenn er sich durch die Ruinen einer Mühle am Fuß des Felsen von Galeria ergießt.

    Galeria Galeria Galeria Galeria, Blick von den Stadtmauern


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  • Wir wissen kaum etwas über Pomponius Hylas und seine Ehefrau Pomponia. Doch das Familiengrab, das das Ehepaar hinterließ, ist ein wahres Schmuckkästchen, das jedoch gut versteckt ist. In dem kleinen Häuschen in einem Eck des Parco degli Scipioni, an der Porta Latina in Rom, werden die meisten Spaziergänger Gartengeräte vermuten, doch geht hier die Treppe in die Tiefe zum Columbarium.

  • An der Via Appia kann man den riesigen Circus des Maxentius und das Grab des Romulus besichtigen.

    Anfang des vierten Jahrhunderts war das Römische Reich unter vier Kaisern aufgeteilt. Vier Kaiser die in Trier und Mailand, in Syrien und der heutigen Türkei residierten. Da die Römer befürchteten, dass ihnen nun auch noch die letzten Hauptstadtfunktionen verloren gehen könnten, erhob die Prätorianergarde den Sohn von Kaiser Maximian, Maxentius, am 28. Oktober 306 n.Chr. zu ihrem Herrscher.

  • Das eindrückliche Grabmal der berühmten römischen Familie an der Via Appia Antica ist wieder zu besichtigen. Das in den Tuff gegrabene ca. 2300 Jahre alte Grab wurde in den letzten Jahren restauriert. Es befindet sich knapp innerhalb der Porta San Sebastiano, dem Tor der Via Appia.

    Da waren die Gebrüder Sassi überrascht, als sie unter ihrem Haus an der Porta San Sebastiano den Weinkeller erweitern wollten. Im Jahr 1780 hatten sie durch Zufall eine große antike Grabanlage entdeckt. In dunklen Gängen standen zahlreiche massive Sarkophage.

  • Ein Haus für Kaiser Commodus
    Dass die alten Römer wußten wie man gut lebt, ist ja eine Binsenweisheit. Doch wenn man die Villa der Quintilier an der Via Appia besucht, bzw. was davon übrig blieb, kommt man schon ins Grübeln, welche Ansprüche man heute an seinen Lebensstandard hat. Selbst Berlusconis Villa auf Sardinien wirkt bescheiden dagegen.

  • An der sechsten Meile steht das größte Grabmal der Via Appia. Mit einem Durchmesser von 35 Metern übertrifft es das Grabmal der Cecilia Metella (30 Meter). Das Grabmal wir wohl aus der Zeit von Kaiser Augustus stammen. Der Archäologe Luigi Canina errichtete neben dem Grabmal eine Ziegelwand mit Fragmenten von Marmorverkleidung, die nach neuester Forschung jedoch zu einem anderen Grabmal gehört.

  • Es lohnt sich, wenn man die Via Appia entlang geht auch auf Details zu achten. Man trifft auf zahlreiche Inschriften, die zum großen Teil von Grabmalen stammen. Im 19. Jahrhundert wurde die Via Appia Antica, als antiker Straßenverlauf wiederentdeckt, dabei tat sich vor allem der Archäologe Luigi Canina hervor, der zahlreiche Bruchstücke von Grabmälern ausgrub und teilweise entlang der Straße an Mauern und rekonstruierten Grabmälern drapierte.

  • Eine Prieserin der Isis an der Via Appia.

    An der Via Appia Antica finden sich zahlreiche Grabmäler der unterschiedlichsten Größen und Bauarten, doch kaum ein Grab ist tatsächlich Personen zuzuordnen. Ein Grabmal, dessen Inschrift gut lesbar ist, ist das der Rabirii. Wenn wir eine halbe Stunde von der Basilika San Sebastiano stadtauswärts wandern treffen wir auf die Steintafel mit drei Porträtbüsten der Familie Rabirius.

  • Die Vatikanischen Museen sind das größte Museum der Welt und vielleicht auch das am meisten besuchte. Ich kann nur empfehlen sich einmal vom großen Touristenstrom zu lösen und in die wenig besuchten Gänge vorzustoßen. Dazu gehört das Museo Gregoriano Etrusco, das Etruskische Museum, das nach dem in der Villa Giulia in Rom sicher das umfangreichste ist.

  • Besuch in einer vorrömischen Stadt

    Wer die alte Stadt Norba sucht muss nur den Gleitschirmfliegern folgen. Die Ausgrabungen der antiken Stadt liegen auf einem Hochplateau, dass 350 Meter steil zur Pontinischen Ebene abfällt.

  • Trastevere ist sicher der stimmungsvollste Stadtteil Roms, rechts des Tibers gelegen. Das Viertel unterhalb des grünen Hügels Gianicolo vereint romantische mittelalterliche Gassen, uralte Kirchen und Reste aus der Antike. Abends verwandelt es sich in eines der beliebtesten Ausgehviertel der Stadt.

  • Die Stadt unter der Stadt

    Es gibt in Rom nicht nur die moderne Stadt mit zahllosen barocken und mittelalterlichen Kirchen und Adelspalästen. Unter der heutigen Millionenstadt liegt eine zweite, die antike Millionenstadt. Nur an wenigen Stellen wie beim Forum Romanum tritt diese zutage.

  • Mietshäuser aus der Zeit von Kaiser Nero

    Das man antike Reste findet, wenn man in Rom den Boden aufgräbt ist nicht ungewöhnlich. So stieß man auch auf alte Mauern, als man sich entschloss 1999 das Cinema Trevi, ganz in der Nähe des Trevibrunnens, zur vergrößern. Bis 2001 wurden hier interessante und vor allem ausgesprochen gut erhaltene Reste von Häusern aus der Zeit Neros ausgegraben.

  • Am Tiberufer nicht weit vom berühmten Wahrheitsmundwurde vor wenigen Tagen die Restaurierung eines uralten Tempels abgeschlossen. Der Tempel des Portunus strahlt nun wieder in ungekanntem Glanz. Einer der weltweit am besten erhaltenen antiken Tempel, der trotzdem den meisten Touristen entgeht.

  • Am 12. Mai 2018 wurde endlich die Metrostation San Giovanni der Metrolinie C der römischen U-Bahn bei der Lateransbasilika eröffnet.

  • Burg am Strand

    Wenn nun die Frühlingssonne langsam intensiver scheint, macht es wieder Spaß ans Meer zu fahren. Zum Baden ist es natürlich noch zu kalt. Aber für einen Spaziergang entlang den Wellen und eine halbe Stunde im Liegestuhl reicht die Wärme schon. Zu den schönsten Küstenorten im nördlichen Latium zählt sicher Santa Severa mit seiner mittelalterlichen Burg die direkt am Wasser steht.

  • Hatte ich hier im Blog nicht berichtet, dass die Restaurierung des bekanntesten römischen Monuments, dem Kolosseumendgültig am 1. Dezember losgehen soll? Nun laut meinem Kalender haben wir heute den 20. Januar und es ging noch nichts los.

  • Inzwischen ist die erste Restaurierungsphase am Kolosseumfast beendet. Am 7. Juli sollen die ersten fünf Arkaden von den Gerüsten befreit werden. Wir können gespannt sein, wie sie in der Sommerhitze blitzen. Das Kultusministerium verspricht, dass der Stein genauso wie vor 1937 Jahren, bei der Erbauung in honiggelb leuchten soll. Das Gerüst wird dann weiter um das Amphitheater wandern.

  • Mit dem Super Ticket antike Räume auf dem Palatin und Forum Romanum entdecken.

    Seit kurzem wird ein neues Ticket für das archäologische Gelände des Forums Romanum mit dem Hügel Palatin verkauft, mit dem man zusätzlich zum allgemein zugänglichen Gelände 8 besondere Ausgrabungsstätten besichtigen kann. Lohnt sich dieses Ticket und was muss man beachten? Mein Fazit ganz unten.

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