Weihnachtsgruss 2020 - San Giuseppe dei Falegnami

Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr aus Rom

Als Weihnachtsgruß sende ich dieses Jahr ein Altarbild aus der Kirche San Giuseppe dei Falegnami, das die Anbetung der Hirten zeigt. Der Maler Carlo Maratta malte es 1651. Er war einer der produktivsten Maler im Rom des Barock.

Carlo Maratta

Carlo Maratta wurde 1625 in Camerano bei Ancona geboren. Da seine Familie, die aus Kroatien jenseits der Adria stammte, schon früh ein künstlerisches Talent bei ihm entdeckte, schickte sie ihn mit 12 Jahren nach Rom, wo er zum Schüler des Malers Andrea Sacchi wurde. 14 Jahre malte er zusammen mit dem bekannten Barockkünstler. Dann ging er für zwei Jahre nach Ancona zurück und studierte Tizian und Guercino. Sein erster eigener Auftrag nach der Rückkehr nach Rom war 1651 das Altarbild für die Zunftkirche der Schreiner und Zimmerleute San Giuseppe dei Falegnami.

Die Anbetung der Hirten

Anbetung der Hirten, Carlo Maratta, 1650, San Giuseppe dei Falegnami, Rom, Detail
Anbetung der Hirten, Carlo Maratta, 1651,
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Maratta hatte nun seinen eigenen Stil entwickelt. Er malte flüssig und von leichter Hand. Er setzte bei dem Bild gekonnt das Licht ein um Maria mit dem Kind optisch ins Zentrum der Betrachtung zu setzen. Engel und Hirten in dunkleren Farben rahmen die Szene.

Doch dem Patron der Kirche San Giuseppe, Josef der Zimmermann, gab Maratta eine herausragende Rolle. Er flankiert, die Familie beschützend am rechten Rand und ist die einzige Person, die wir vollständig sehen. Mit seinem Ziehsohn hat er intensiven Blickkontakt. Außergewöhnlich, ist Josef doch auf den meisten Weihnachtsbildern nur eine Randfigur. Den Betrachtern der Szene streckt er jedoch die rechte Hand abwehrend entgegen, als wollte er – ganz aktuell – sagen: „Halt, hier sind schon mehr als zwei Haushalte versammelt.“

Das Altarbild wurde für Maratta zum Durchbruch. Er bekam sogar eine Audienz beim Papst Alexander VII. und von diesem neue Aufträge. Maratta spielte nun in der ersten Liga.

San Giuseppe dei Falegnami

Die kleine Kirche am Fuße des Kapitolshügel steht über dem Carcer Tullianum, dem antiken Staatsgefängnis, dass wir heute vor allem unter seinem mittelalterlichen Namen Mamertinischer Kerker kennen.

Laut der Legende sollen hier auch die Apostel Petrus und Paulus geschmachtet haben. Daher wurde im 4. Jahrhundert ein Oratorium darüber errichtet. Anfang des 16. Jhd. traf sich darin die Zunft der Schreiner (falegnami) und Zimmerleute, die ab 1546 eine neue Kirche wiederum über dem Oratorium errichten ließen. Deren barocke Ausstattung stammt aus dem 17. Jhd. Beachtenswert ist vor allem die vergoldete Holzdecke. Am 30. August 2018 löste diese sich aus ihrer Verankerung, stürzte ab und riss den ganzen Dachstuhl mit sich.

Ein Wunder, dass es gelang sie, Stand heute, fast vollständig wiederherzustellen. Das Altarbild von Maratta konnte nach dem Unglück unversehrt geborgen werden und wird bald an seinen Platz in der zweiten Seitenkapelle rechts zurückkehren. Mehr über die Kirche

Carlo Maratta, Clemens IX, 1669, Vatikanische Pinakothek
Carlo Maratta, Clemens IX, 1669

Maratta, barocker Maler in Rom

Carlo Maratta wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jhds. zum führenden Maler im barocken Rom. Er malte nicht nur religiöse Themen, sondern auch Porträts. Sein bekanntestes stellt Clemens IX dar. Man kann es in der Vatikanischen Pinakothek besichtigen.

Den Höhepunkt seines Schaffens markiert vielleicht der Freskenzyklus in der Kirche Sant’Isidoro, der Nationalkirche der Irländer, die versteckt am Pincio oberhalb der Spanischen Treppe steht. In einer Lünette hat er noch einmal eine Anbetung der Hirten gemalt (siehe unten). Diesmal ganz ohne Josef.

Er fertigte von dieser meditativen Szene auch eine Kopie auf Leinwand an, die man in der Galerie der Alten Meister in Dresden findet

Carlo Maratta starb 1713 im Alter von 88 Jahren. Seine Werke findet man nicht nur in zahlreichen römischen Kirchen, sondern auch in vielen Museen auf dem ganzen Globus.
Sein Grabmal steht im Eingangsbereich der Basilika Santa Maria degli Angeli.

Quellen: Roma Sacra, 3. Itinerario, Sofia Barchiesi 1995; Homepage von San Giuseppe dei Falegnami mit Berichten über die Rekonstruktion; San Giuseppe dei Falegnami auf der Tourismusseite von Rom

 

 

 

 

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San Giuseppe dei Falegnami
San Giuseppe dei Falegnami

Anbetung der Hirten, Carlo Maratta, 1650 - 52, Sant'Isidoro, Rom
Anbetung der Hirten, Carlo Maratta, 1650 - 52, Sant'Isidoro, Rom

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