Oratorio del Santissimo Crocifisso

Das Schöne an Rom ist, dass direkt neben den Sehenswürdigkeiten, wie dem Trevibrunnen an dem sich Touristen aus aller Welt drängeln, Kunstschätze zu entdecken gibt, die immer noch Geheimtipps sind. Schaut, wenn ihr vom Trevibrunnen Richtung Piazza Venezia unterwegs seid in das Oratorio del Santissimo Crocifisso hinein. Der opulente manieristische Freskenzyklus wird euch sicher überraschen.

Das Wunder des Kruzifix

Helena ordnet die Zerstörung der Idole an, Giovanni de’Vecchi
Helena ordnet die Zerstörung der Idole an
Giovanni de’Vecchi
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Alles begann mit einer Feuersbrunst in der nahen Kirche San Marcello. Die Kirche brannte am 22. Mai 1519 komplett aus. Wie durch ein Wunder wurde lediglich ein hölzernes Kruzifix gerettet, das man darauf in den Vatikan brachte. Nachdem man dieses Kreuz während der Pestepidemie 1522 an 16 aufeinanderfolgenden Tagen durch die Stadt getragen hat, endete die Seuche und an der Wundertätigkeit des Kreuzes bestand endgültig kein Zweifel mehr. Jetzt in den Zeiten der Coronapandemie ließ Papst Franziskus das Kreuz, in der Hoffnung auf eine Wiederholung des Wunders, wieder in den Vatikan bringen.

Bau des Oratoriums

1526 gründete sich eine Bruderschaft die sich die Verehrung des Kreuzes zur Aufgabe machte. Die Congregazione del Santissimo Crocifisso beauftragte 1560 Giacomo della Porta mit der Errichtung eines Oratoriums in dem Sie ihren Sitz einrichteten. Dort befindet sich heute eine Kopie des wundertätigen Kruzifixes. Das Original ist (normalerweise) wieder in einer Kapelle in San Marcello al Corso zu sehen.

Das kleine Oratorium liegt am gleichnamigen Platz am Ende der Via di San Marcello. Die Fassade, mit die Vertikale betonenden Pilastern, wurde 1568 fertiggestellt.

Helena und die Auffindung des Kreuzes in Jerusalem in Anwesenheit von Bischof Makarios, Giovanni de’Vecchi
Auffindung des Kreuzes, Giovanni de’Vecchi

Auf einer großen Tafel werden die Finanziers, die Brüder und Kardinäle Alessandro und Ranuccio Farnese genannt. Man betritt einen einfachen rechtwinkligen Innenraum mit einer schlichten Chorapsis auf der gegenüberliegenden Seite in dem sich die Kopie des Kreuzes befindet.

Die Fresken

Alles andere als schlicht ist die Ausstattung mit Fresken, die die Wandflächen komplett bedecken. 1578 wurde Giovanni de’Vecchi mit der kompletten Ausmalung beauftragt. Er arbeitete für die Familie Farnese u.a. auch bei der Ausstattung des Palastes in Caprarola. Als er nach vier Jahren nur zwei Bilder fertiggestellt hatte wurden jedoch weitere Kollegen hinzugenommen.

Die Helenalegende

Die sechs großen Bilder an den Seitenwänden zeigen die Geschichte des wahren Kreuzes. Also die Geschichte des Kreuzes Christi nach seiner Wiederauffindung im 4. Jahrhundert.

Das Wunder des wahren Kreuzes, Niccolò Circignani
Wunder des wahren Kreuzes, Niccolò Circignani

Die drei Darstellungen auf der rechten Seite behandeln die Helenalegende.

An der Seitenwand rechts sieht man die Legende der Helena, Mutter von Kaiser Konstantin. Sie war nie mit dem Vater Konstantins, Kaiser Constantius Chlorus, verheiratet. Trotzdem rief das Heer nach dem Tod des Constantius Chlorus Konstantin zum Nachfolger aus statt einem der ehelichen Söhne.

Helena bekannte sich bereits früh zum Christentum, während sich Konstantin vielleicht erst auf dem Totenbett taufen ließ.

Das erste Bild vom Altar aus zeigt Helena, die den Befehl zur Zerstörung heidnischer Götterbilder gibt, was in der Regierungszeit Konstantins aber nie stattgefunden hat. Auf dem zweiten Bild sieht man die Auffindung des Kreuzes Christi. Helena soll nach Jerusalem gepilgert sein und überzeugte den dortigen Bischof Makarios zur Grabung auf Golgatha. Tatsächlich fand man das Kreuz inklusive der zwei der Häscher. Beide wurden von Giovanni de’Vecchi gemalt.

Duell zwischen Chosrau II. König von Persien und Kaiser Herakleios, Niccolò Circignani
Duell zwischen Chosrau II. König von Persien und
Kaiser Herakleios, Niccolò Circignani

Da man nicht wusste welches das Kreuz des Heilands war hielt man die Kreuze über einen kürzlich verstorbenen jungen Mann. Das Kreuz, das ihn zum Leben erweckte musste das wahre Kreuz sein.

Helena ließ das wahre Kreuz in drei Stücke zerteilen. Eines schickte sie in die neue Hauptstadt Konstantinopel, welches bei der Eroberung beim Kreuzzug 1204 in viele Splitter aufgeteilt wurde und in zahlreichen europäischen Kirchen landete. Das zweite Stück nahm Helena mit nach Rom. Es befindet sich heute im Helenapfeiler des Petersdoms. Das dritte Stück blieb in Jerusalem. Das Bild malte Niccolò Circignani, genannt Il Pomarancio, der eng mit De’Vecchi zusammenarbeitete.

Der Kampf um das wahre Kreuz

Auf der linken Seite wird die Legende um das Jerusalemer Kreuzstück erzählt, das im byzantinisch-persischen Krieg zum Zankapfel wurde. 614 eroberten die Perser unter Großkönig Chosrau II. Jerusalem und nahmen die Reliquie mit. Erst 630 konnte der byzantinische Kaiser Herakleios die Perser besiegen und das Kreuz nach Jerusalem zurückbringen.

Der Engel erscheint Herakleios und gebietet ihm barfuß nach Jerusalem einzuziehen, Niccolò Circignani
Der Engel erscheint Herakleios, Niccolò Circignani

Auf dem ersten Bild, wiederum von Niccolò Circignani, sieht man ein Duell zwischen den zwei Kaisern. Tatsächlich haben sich Chosrau und Herakleios nie getroffen. Chosrau wurde von seinen eigenen Leuten gestürzt und im Gefängnis ermordet.

Auf dem zweiten Bild von Niccolò Circignani wird die Rückkehr von Herakleios nach Jerusalem gezeigt. Der Legende nach verschlossen sich jedoch die Tore der Stadt von selbst. Ein Engel mahnte den Kaiser seine prächtigen Gewänder abzulegen. So trug der Monarch schließlich das Kreuz, wie Christus, barfuß und nur im Hemd in die Stadt. Diese Szene malte Cesare Nebbia im Anschluss.

An der Gegenfassade sieht man die Legende des Kruzifixes von San Marcello. Die Szenen mit dem Brand der Kirche, der Pestprozession und der Gründung der Bruderschaft wurden von Cristoforo Roncalli, Paris Nogari und Baldassarre Croce.

Dieser stimmungsvolle Raum war bis ins 18. Jahrhundert auch für die Aufführung von musikalischen Oratorien bekannt. Seit einigen Jahren wird diese Tradition wieder aufgenommen.

Herakleios bring das Kreuz nach Jerusalem, Cesare Nebbia
Herakleios trägt das Kreuz, Cesare Nebbia

Das Oratorium ist täglich von 7:00 bis 12:00 und von 16:30 bis 19:00 geöffnet.

Quellen: Mariano Armellini: Le Chiese di Roma, Angela Negro in Roma Sacra, 4. Itenerario, RestaurArs, Domradio, 26.03.2020: Pestkreuz im Vatikan

 

 

 

 

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Oratorio del Santissimo Crocifisso
Oratorio del Santissimo Crocifisso


Im Oratorio del Santissimo Crocifisso
Im Oratorio del Santissimo Crocifisso

Oratorio del Santissimo Crocifisso, Pomarancio, Detail
Oratorio del Santissimo Crocifisso, Pomarancio, Detail

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