Cappella Bessarion in der Basilica dei Santi XII Apostoli

Wenn Sie zwischen der Piazza Venezia und dem Trevibrunnen in Rom unterwegs sind, dann werfen Sie doch auch einen Blick in die Kirche der zwölf Apostel, der Basilica dei Santi XII Apostoli. Seit kurzem ist dort ein besonderes Schmuckkästchen zugänglich. In der Kapelle des Kardinal Bessarion wurde ein Bilderzyklus des Renaissancemalers Antoniazzo Romano wiederentdeckt.

Bessarion, Humanist aus Byzanz

Justus van Gent, Cardinal Bessarion, Louvre
Justus van Gent, Cardinal Bessarion, Louvre

Im Februar 1438 ging einer der wichtigsten Humanisten des Byzantinischen Reichs in Venedig an Land und sollte in den folgenden Jahren großen Einfluss auf die italienische Renaissance ausüben. Basileios Bessarion wurde um das Jahr 1400 in Trapezunt (heute Trabzon) am Schwarzen Meer geboren und von bedeutenden Gelehrten des griechischen Ostens ausgebildet. Er war vor allem ein Anhänger der damals in Westeuropa noch unbekannten Lehren Platons. Der byzantinische Kaiser ernannte ihn 1437 zum Metropoliten von Nizäa, einer in der Kirchengeschichte wichtigen Stadt im Nordwesten der heutigen Türkei, um ihn mit diesem prestigeträchtigen Amt zum Kirchenkonzil zu schicken auf dem er für eine Union der katholischen und orthodoxen Kirche werben sollte. Der Kaiser erhoffte sich Hilfe vom katholischen Europa gegen die Türken, die bereits den größten Teil des einst mächtigen byzantinischen Reichs erobert hatten. Im Juli 1439 wurde in Florenz die Vereinigung der Kirchen auf Initiative Bessarions tatsächlich unterschrieben, blieb aber in der Folge wegen des Widerstands in beiden Kirchen faktisch wirkungslos. Doch der Byzantiner hatte den Papst beeindruckt, der ihn noch im selben Jahr zum Kardinal erhob und ihn aufforderte seinen Wohnsitz nach Rom zu verlegen um die Kurie zu unterstützen.

Eroberung Konstantinopels

Nach dem am 29. Mai 1453 Sultan Mehmed II tatsächlich Konstantinopel erobert hatte, wurde es zur Lebensaufgabe Bessarions für einen Kreuzzug gegen die Türken zu werben. Bei den europäischen Fürsten stieß er dabei auf taube Ohren.

Epitaph für Bessarion in der Basilica XII Apostoli
Epitaph für Bessarion in der Basilica XII Apostoli

Jedem waren der eigene Vorteil und die Konkurrenz mit dem direkten Nachbarn wichtiger als die Rettung des Abendlandes. Der Papst schickte Bessarion schließlich als Legat nach Frankreich. Doch König Ludwig XI gewährte dem Kardinal nur eine kurze Audienz und weigerte sich über das Projekt der Rückeroberung Konstantinopels auch nur zu sprechen. Auf der Rückreise von diesem Fehlschlag, geschwächt von der strapaziösen Alpenüberquerung, starb der schon hochbetagte Bessarion am 18. November 1472 in Ravenna. Er wurde in seiner Kardinalskirche, der Basilika der 12 Apostel, Santi XII Apostoli, in Rom beigesetzt.

Förderer der Renaissance

Bessarion besaß die größte Sammlung griechischer Handschriften in Italien, die er an die Republik Venedig vermachte. Allein dadurch sorgte er für die Verbreitung der bis dahin im Westen eher unbekannten Werke griechischer Philosophen. Er förderte auch andere Künstler und war somit einer der Wegbereiter der Renaissance. In Rom erinnert nicht mehr viel an ihn.

Madonna von Antoniazzo Romano, Cappella Mendosi
Madonna von Antoniazzo Romano, Cap. Mendosi

An der Via Appia besteht noch ein kleiner Rest seiner Sommerresidenz. In Rom residierte er im Palast neben seiner Kardinalskirche. Der heutige Palazzo Colonna wurde jedoch später komplett neugebaut. Auch die Basilica Santi XII Apostoli hat heute ein barockes Aussehen. An den Kardinal erinnert nur ein Epitaph am zweiten Pfeiler links.

Cappella Bessarion

Für sein Grab hatte der Byzantiner aber eine eigene Kapelle errichten lassen, die dritte auf der rechten Seite, die dem Erzengel Michael und der Heiligen Eugenia geweiht ist. Sie ist heute hinter der Cappella Odescalchi versteckt, die im 17. Jahrhundert davor gebaut wurde. Erst 1959 wurde der Hohlraum dahinter wiederentdeckt und damit die Apsiswand, auf der noch gut erhaltene Fresken gefunden wurden. Bessarion beauftragte ab 1464 Antoniazzo Romano mit der Ausmalung der Kapelle, dem wichtigsten Vertreter der römischen Frührenaissance. Antoniazzo hatte die Hilfe einiger seiner Kollegen und Schüler. Mindestens die Handschrift von Melozzo da Forlì ist erkennbar.

Besichtigung der Kapelle

Detail Cappella Bessarion mit Ludwig XI als Autbert von Avranches und im Gefolge Francesco della Rovere und Giuliano della Rovere
Detail mit Ludwig XI als Autbert von Avranches

Immer Freitag und Samstag von 9:00 – 12:00 kann die Kapelle seit einigen Jahren besichtigt werden. Im unteren Teil der Wand sieht man die Kopie einer Madonna mit Kind von Antoniazzo. Das Original befindet sich heute in der Cappella Mendosi, der ersten rechts am Eingang der Basilika. Daneben zwei Heiligenbilder von unbekannten Künstlern, die später dazu kamen und Fresken ersetzen, die Szenen des Lebens Johannes des Täufers zeigten, welche wohl schon 1545 nach einer Tiberüberschwemmung verloren waren.

Nun haben wir die Möglichkeit auf eine schmale Empore hinaufzusteigen. Hier sehen wir aus nächster Nähe die zwei wichtigsten Bilder, die zwei Legenden über den Erzengel Michael zum Inhalt haben. Michael ist jeweils durch einen Stier verkörpert.

Auf der linken Seite wird die Erscheinung des Erzengels auf dem Monte Gargano in Apulien thematisiert. Im 5. Jahrhundert sollen Viehzüchter einen Stier verfolgt haben. Als sie ihn vor einer Höhle stellten und mit Pfeilen beschossen, sollen die Pfeile in der Luft umgekehrt sein und trafen die Schützen selbst. Der Bischof der nahen Stadt Siponto fastete und betete daraufhin in der Kirche, wo ihm schließlich der Erzengel Michael erschien.

Detail Cappella Bessarion mit Franziskaner- und Basilianermönchen
Detail mit Franziskaner- und Basilianermönchen

Er beauftragte ihn eine Kirche zu bauen. Diese ist heute noch ein wichtiger Wallfahrtsort auf dem Monte Gargano. Das Bild soll Antoniazzo mit der Hilfe von Melozzo da Forlì gemalt haben.

Beim rechten Bild ist Antoniazzo alleine wohl vor allem für die hervorragend ausgearbeiteten Porträts verantwortlich. Es zeigt die Erscheinung des Erzengels, wieder als Stier, in der Normandie. Er beauftragte den Bischof Autbert von Avranches mit dem Bau einer Kirche anstelle eines keltischen Heiligtums auf der Insel Mont Tombe. Heute das bekannte Mont-Saint-Michel. Bemerkenswert ist, dass der Bischof die Gesichtszüge des französischen Königs Ludwig XI. trägt. Seine Begleiter sind Kardinal Francesco della Rovere, dessen Karriere von Bessarion gefördert wurde und der 1471 zum Papst Sixtus IV gewählt wurde, und dessen Neffe Giuliano della Rovere, später Papst Julius II und Auftraggeber Michelangelos.

Die Szene ist eine Anspielung auf die vergeblichen Mühe König Ludwig zur Befreiung Konstantinopels, symbolisiert durch den angebundenen Stier, zu bewegen.

Altarbild Tod von Philippus und Jakobus, von Domenico Muratori, 1713 - 17
Altarbild von Domenico Muratori, 1713 - 17

Die franziskanischen (westlichen) und basilianischen (östlichen) Mönche symbolisieren den Wunsch zur Vereinigung der katholischen und der orthodoxen Kirche. Die Ausführung des vom Bischof/König angeführten Zug erinnert an den Zug der Heiligen Könige von Benozzo Gozzoli in Florenz.

Heben Sie zum Abschluss der Besichtigung noch den Blick nach oben und bewundern Sie den Engelschor von Antoniazzo. Die bunten Engel umrahmten einst den thronenden Christus, von dem nur noch ein Fragment des Mantels erhalten ist.

Basilica dei Santi XII Apostoli

Schauen wir beim Hinausgehen noch in die Kirche selbst. Die große Basilika steht am nach ihr benannten Platz, Piazza dei Santi Apostoli, der im 18. Jahrhundert einer der elegantesten Plätze Roms war und heute leider zu einem großen Parkplatz degradiert ist. Die Kirche hat eine lange bewegte Geschichte. Wohl schon im 4. Jahrhundert gründete Papst Julius I., der auch das Datum für Weihnachten festlegte, die Basilica Iulii iuxta Forum Traiani. Bereits im 6. Jahrhundert wurde diese durch Papst Pelagius durch eine Kirche ersetzt, die den Aposteln Philippus und Jakobus geweiht war, da damals deren Reliquien in die Kirche überführt worden sein sollen.

Basilica dei Santi XII Apostoli, Innenraum
Basilica dei Santi XII Apostoli, Innenraum

Später ging dann das Patronat auf alle Apostel über. Von den frühen Kirchen Bauten blieben leider keine sichtbaren Spuren. Erst von der Erneuerung der Renaissance ist uns die breite Vorhalle erhalten geblieben, in der Michelangelo vor seiner Überführung nach Florenz bestattet war. Das heutige Aussehen wird ganz vom barocken Bau von Vater und Sohn Francesco und Carlo Fontana bestimmt. Wir kommen in einen mächtigen, wenn auch etwas düsteren Innenraum. Das Altarbild, dass den Tod von Philippus und Jakobus darstellt, soll das größte in Rom sein. Es wurde 1726 von Domenico Muratori aus Bologna geschaffen, einem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstler. Besuchen Sie auch noch die weitläufige Krypta. Ihre Ausstattung und die Wandmalereien erinnern an die frühchristlichen Katakomben. Sie wurde allerdings erst 1869 – 71 von Luigi Carimini geschaffen.

Quellen: Mariano Armellini: Le Chiese di Roma, Angela Negro in Roma Sacra, 4. Itenerario, Stefano Petrocchi, Antoniazzo Romano, Pictor Urbis, Erzengel Michael im Ökumenischen Heiligenlexikon

 

 

 

 

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Basilica dei Santi XII Apostoli
Basilica dei Santi XII Apostoli

Cappella Bessarion, Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Monte Gargano
Cappella Bessarion, Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Monte Gargano

Cappella Bessarion, Engelschor
Cappella Bessarion, Engelschor

Cappella Bessarion, Engelschor
Cappella Bessarion, Engelschor

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