Santa Marta al Collegio Romano

Nicht weit vom Pantheon befindet sich die kleine Kirche Santa Marta, die seit 150 Jahren keine Kirche mehr ist. Ein Besuch lohnt sich jetzt aber trotzdem.

Santa Marta al Collegio Romano
Santa Marta al Collegio Romano

Seit kurzem befindet sich in der Kirche eine Restaurierungswerkstatt des italienischen Kulturministeriums. Man arbeitet hier an Fresken aus verschiedenen Jahrhunderten. Aber das geschieht nicht hinter verschlossenen Türen. Immer am Dienstag und Donnerstag wird die Werkstatt und die Arbeitsweise interessierten Besuchern vorgeführt. Der Eintritt ist gratis und die Führung dauert ca. eine Stunde. Hier kann man sich anmelden.

Fresken aus einer römischen Villa

Im Moment wir an drei Projekten gearbeitet. Im Kirchenschiff kann man die Restaurierung eines Freskos von Domenichino sehen, dass eigentlich aus dem Palazzo Farnese stammt.

Im früheren Nonnenchor, der sich dahinter befindet sind auf dem Boden über 7000 bemalte Putzfragmente ausgebreitet. Sie stammen aus einer römischen Villa des ersten Jahrhunderts nach Christus, die am östlichen Stadtrand Roms ausgegraben wird. Genauer waren sie wohl Teil der Dekoration der Thermenanlage. Daher wird das Gebäude als Villa delle Terme bezeichnet.

Zwei Jahre war man mit der Reinigung und Stabilisierung der Stücke beschäftigt, nun versucht man das große Puzzle zusammenzusetzen und hofft in einigen Monaten die Wände des antiken Bades wieder erstehen zu lassen.

Das ist nicht ganz so einfach, denn der Zahn der Zeit hat die Bruchstücke so abgeschliffen, dass man kaum direkte Übergänge findet. Eine kleine Vorstellung hat man schon jetzt von dem Raumeindruck, der vor allem in Rot und Blau gehalten war. Auf manchen Stücken sieht man auch Details wie Amoretten oder zumindest deren Flügel, die erahnen lassen wie qualitätsvoll das Kunstwerk einst war. (Siehe Bild oben)

Madonnentriptychon

An der Rückwand des Nonnenchors kann man die Arbeiten an drei Darstellungen aus dem Leben Marias aus der Nähe verfolgen. Links die Verkündigung, rechts Mariä Heimsuchung. Diese Fresken entstanden wohl nach 1561, als Augustinerinnen die Kirche übernommen haben. Das zentrale Fresko wurde jedoch viel früher, im 14. Jahrhundert gemalt. Es stellt die Maria lactans, also die Jungfrau, die das Jesuskind stillt dar. Dieses Bild wurde wohl an einer anderen Stelle abgenommen und in den Renaissancezyklus eingefügt, denn diese Wand gab es im 14. Jahrhundert noch gar nicht. Das Motiv der stillenden Maria war durchaus verbreitet und die Milch war dabei Symbol für die heilende Kraft des Glaubens. Interessant ist, dass das Motiv eines göttlichen Kindes, das gestillt wird schon in Ägypten bei der Göttin Isis, die den Horusknaben nährt, vorkommt. Welch Zufall, dass nur wenige Meter von Santa Marta einst der Tempel der Isis stand. Die Künstler, die die Fresken schufen, sind leider nicht bekannt.

Bau der Kirche

Giovanni Battista Gaulli, Deckenfresko Santa Marta
Giovanni Battista Gaulli, Deckenfresko Santa Marta
klicken zum vergrößern

1542 gründeten die Jesuiten, deren großes Kollegium gegenüber steht, hier ein Heim für die sogenannten "malmaritate", die Schlechtverheirateten. Also für Frauen, die ihrem elenden Leben entfliehen wollten, aber nicht bereit waren Nonnen zu werden. Ein bisschen ein frühes Frauenhaus also. Das Heim wurde vom angrenzenden Augustinerinnenkloster betreut, die das Gebäude übernahmen und bis 1570 eine einfache Kirche einbauten, als das Heim verlegt wurde. 1671 bis 74 wurde die Kirche grundlegend umgestaltet. Zuerst von Antonio de Rossi, dann von Carlo Fontana, Spross einer großen Dynastie von Barockarchitekten aus dem Tessin, die zur Hälfte in Rom und in Warschau tätig waren. Im ist der reich gegliederte, prächtige Innenraum zu verdanken, der hinter der schlichten Fassade des 19. Jahrhunderts überrascht. Als die Franzosen Rom eroberten wurde die Kirche 1872 zu einem Militärmagazin umgenutzt. Später zog eine Polizeistation ein. Erst 1965 wurde das Barockjuwel wieder von der Denkmalbehörde entdeckt und in mehreren Kampagnen restauriert. Eine Arbeit, die noch andauert, wie man sich nun selbst überzeugen kann.

Die Heilige Marta

Das wichtigste Kunstwerk befindet sich jedoch an der Decke des Kirchenraums. Ab 1671 malte Giovanni Battista Gaulli, genannt Il Baciccio, zwei Darstellungen der Titelheiligen Marta von Bethanien. Gaullis Hauptwerk ist das überbordende Deckenfresko in Il Gesù. An der Decke unserer Kirche sehen wir den Triumph der Heiligen und Marta mit dem Drachen. Marta war die Schwester von Maria von Bethanien und Lazarus, den Jesu von Toten auferweckte.

Sie bewirtete Jesus und die Jünger und muss zu ihnen in enger Verbindung gestanden haben wie sowohl Lukas als auch Johannes berichten. Der Legende nach wurde sie später mit anderen in einem steuerlosen Boot im Mittelmeer ausgesetzt und erreichte Marseille. In Tarascon soll sie einen furchteregenden Drachen gezämt haben und in der Rhone ausgesetzt haben. Daher wird sie oft mit einem Drachen, den sie an einer Leine führt dargestellt.

Quellen: Stefano Petrocchi in Roma Sacra 2. Itinerario, Armellini, le Chiese di Roma, Ökumenisches Heiligenlexikon, Ministero per i Beni Culturali

 

 

 

 

Buchung und Auskunft unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
oder Telefon: +39 - 346 - 8533377

Santa Marta, Maria lactans
Santa Marta, Maria Lactans

Santa Marta, Restaurierung der Fresken im Nonnenchor
Santa Marta, Restaurierung der Fresken im Nonnenchor

Fragmente der Fresken in der Villa delle Terme
Fragmente der Fresken in der Villa delle Terme

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen.