Der Neptunbrunnen – zu sexy für Facebook

Heute bekam ich von Facebook die Mitteilung, dass ich mit diesem Foto nicht für meine Homepage werben darf. Wegen Darstellung von Nacktheit und sexuellem Inhalt. Es ist nicht zu fassen. Seit gut viereinhalb Jahrhunderten steht dieser Brunnen unbeanstandet mitten in Rom und zwar auf dem beliebtesten Platz, der Piazza Navona. Und nun irritiert dieses Foto irgendeinen prüden Studenten, der für Facebook Bilder bewertet.

Lieber Facebookmitarbeiter, ich hoffe du liest diesen Artikel um zu wissen, was du da zensierts. Bereits 1574 wurde an dieser Stelle ein Brunnen von dem Qrchitekten des Papstes, Giacomo della Porta gebaut. Gregor XIII hatte gerade ein antikes Aquädukt wieder herstellen lassen und wollte den dichtbesiedelten Vierteln Rom auf dem Marsfeld endlich wieder sauberes Wasser zukommen lassen Auf der Piazza Navona, dem größten Platz der Altstadt wurden zwei Brunnen projektiert. Nach den Vorgaben von della Porta wurde der Steinmetz Ludovico Rossi beauftragt die Brunnenbecken zu meißeln. Er verwendete dafür einen rosa Marmor der von der griechischen Insel Chios stammt. Allerdings wurde dieser nicht importiert, sondern wahrscheinlich in den Ruinen der nahen Nerothermen gefunden. Den südlichen, den heutigen Mohrenbrunnen, ließ della Porta mit den Skulpturen von Tritonen schmücken. Als Bernini Mitte des 17. Jhd. Den zentralen Vierströmebrunnen schuf, der heute alles überstrahlt, ließ dieser die Figur eines Äthiopiers (Moro) der sich im Kampf mit einem Delphin müht, in die Mitte stellen.

Der nördliche Brunnen blieb weiterhin schmucklos. Er war inzwischen unter dem Namen Fontana die Calderari bekannt, da in der von hier abgehenden Gasse Kesselbauer ihre Werkstatten hatten. Erst 1874, als Rom längst Teil des Königreichs Italien war, beschloss die Gemeinde Rom auch den dritten Brunnen zu verschönern und vergab nach einem Wettbewerb die Aufträge. Der Römer Antonio della Bitta schuf die Statue des Neptun im Kampf mit einem großen Oktopus. Der splitternackte Gott der Meere ersticht den Achtfüßler der seine Beine umschlingt, mit einem Speer und sichtlich zornigem Gesichtsausdruck.

Gregorio Zappalà aus dem sizilianischen Syrakus durfte die anderen Figuren herstellen. Man sieht zwei Hippokampen, halb Pferd, halb Fisch, die üblichen Zugtiere der Meeresgötter, die sich auch auf dem Trevibrunnen tummeln. Putten versuchen recht erfolglos diese zu zügeln. Des Weiteren sind zwei Nereiden zu sehen, die Seejungfrauen der griechischen Antike, die Seeleute vor dem Ertrinken retteten. Manche mögen über die kleinen Schwänzchen der Damen irritiert sein. Aber das war eben ihre Natur.

Der Neptunbrunnen sollte eigentlich dringend renoviert werden. Die römische Denkmalbehörde sucht jemanden, der ihr dafür 230 000 € stiftet. Wäre doch ein gutes Sponsoring für Facebook.

Quellen: Denkmalbehörde Rom

siehe auch: Piazza Navona, Vierströmebrunnen

 

 

 

 

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