Mein Rom besteht aus den vielen Geschichten, die man in jeder Gasse entdecken kann. Von Päpsten und ihren Mätressen, von bigotten Mönchen, von Künstlern und Baumeistern, von Adeligen und Leuten aus dem Volk. Fast 3000 Jahre haben in Rom überall ihre Spuren hinterlassen. Das ist es was die Geschichte in Rom so lebendig werden lässt. Hier finden Sie aktuelle Artikel zu Rom und seiner Umgebung


Das grausame Schicksal der Beatrice Cenci

Salto-Tal
Nicola wundert sich nicht mehr. Wenn er mich fragt, welchen Vorschlag ich für einen Sonntagsausflug habe, erwartet er längst nicht mehr eine der gängigen Sehenswürdigkeiten, wie das Kolosseum oder das Vatikanische Museum, oder was sich deutsche Touristen sonst gerne anschauen. „Ich würde gerne nach Petrella Salto fahren“ sage ich. „Petrella was?“ meint er. Es freut mich wenn ich mal wieder einen Ort in der Umgebung Roms gefunden habe, den der gebürtige Römer nicht kennt. So fahren wir los. Leider ohne Straßenkarte. Wir wissen nur die grobe Himmelsrichtung, dass der Ort am gleichnamigen Stausee liegt und dass er vor über 400 Jahren Schauplatz eines tragischen Gewaltverbrechens war. Die Hoffnung, dass der Stausee an einer Autobahnausfahrt angeschrieben wäre, erfüllt sich leider nicht. Wir versuchen einen Bekannten, der in der Nähe wohnt, erfolglos telefonisch nach dem Weg zu fragen. Schließlich fahren wir aufs Geradewohl auf die Landstraße. Dort verrät uns endlich ein alter Mann, der gerade liebevoll seine Gartenhecke zurecht stutzt, den Weg. So kommen wir am frühen Nachmittag nach Petrella Salto. In der Tankstelle, gleichzeitig der einzige gastronomische Betrieb des Ortes, trinken wir einen Kaffee. Im Fernseher läuft gerade das Kinderprogramm, das vier Mitfünfziger mit halb geöffnetem Mund gespannt verfolgen. „Francesca, weißt du denn schon, dass man deinen Namen mit "F" schreibt?“ Der Moderator telefoniert gerade mit einem circa sechsjährigen Mädchen. „Und weißt du auch, was man sonst alles mit einem "F" schreiben kann?“ Der junge Mann im Fernsehen klebt die Bilder einer Blume (fiore), eines Gespensts (fantasma) und eines Pilzes (fungo) an eine Tafel. Die vier Männer in der Tankstelle halten gespannt den Atem an. Wird man tatsächlich alles mit "F" schreiben? „Na ja, das Kulturangebot scheint hier nicht allzu groß zu sein.“ sage ich.
Burg von Petrella SaltoBurg von Petrella Salto
Das Dorf wird von einer Burgruine überragt. Die Reste einer Burg die im 16. Jahrhundert dem Marzio Colonna gehörte. Doch schon damals war das Leben im Salto-Tal wenig spannend. Vermutlich gab es nicht einmal die Tankstelle. So war Marzio Colonna froh, dass, während er sich in Rom aufhielt, Francesco Cenci mit seiner Familie die Burg hütete. Dieser, das Oberhaupt der einst mächtigen römischen Adelsfamilie Cenci, war bis über beide Ohren verschuldet. Er war wegen verschiedener Gewalttätigkeiten zur Zahlung von 100.000 Scudi verurteilt worden. Auch für einen Cenci nicht aus der Portokasse zu zahlen. Und so vermietete er seinen Palast in Rom und entzog sich seinen Gläubigern. Dafür war kaum ein Platz so geeignet wie die Burg von Petrella in dem abgelegenen Abruzzental.

Gewalttätig war Francesco jedoch auch gegenüber seiner Familie. Seine Tochter Beatrice und seine Frau Lucrezia sperrte er, wie Vater Fritzl aus Amstetten, in dem alten Gemäuer ein. Er missbrauchte und schlug die Frauen immer häufiger.

Der Legende nach soll sich die kaum zwanzigjährige Beatrice in den Schloßvogt Olimpio Calvetti verliebt haben und wurde von diesem schwanger. Man kann sich vorstellen wie es dem Mädchen vor dem Tag grauste, an dem ihr eifersüchtiger Vater davon erfahren sollte. Und so begann sie heimlich mit dem Geliebten und ihren Brüdern ein Mordkomplott zu schmieden. Die ersten zwei Mordversuche schlugen jedoch fehl. So ging man beim dritten Anschlag besonders gründlich vor. Ihrem Bruder Giacomo gelang es den Vater mit Opium zu betäuben, der zweite Bruder brach ihm darauf mit einem Nudelholz die Beine. Olimpio trieb ihm schließlich einen Hufnagel mit dem Hammer in den Schädel. Um auf Nummer Sicher zu gehen warf die Familie ihren Patron am Ende von der Burgmauer hinab. Wir schauen heute noch von der Ruine den steilen Abhang mit Schaudern hinunter. Dort unten in einem der Gärten muss der Leichnam gelegen haben. Als er gefunden wurde war der Rest der Familie bereits nach Rom zurückgekehrt.

Doch schnell fiel der Verdacht auf Beatrice und ihre Brüder. Olimpio war es, der schließlich unter der Folter die Tat gestand. Einem Verwandten der Cenci gelang es ihn zu ermorden, damit er die Familie nicht noch mehr belastete, doch es war zu spät. Der Prozess hatte ein gigantisches Echo und, angerührt von ihrem Schicksal, war die römische Bevölkerung fast vollständig auf der Seite von Beatrice. Die Aufregung muss vergleichbar mit der um Natascha Kampusch gewesen sein. Nur auf die hübsche Römerin warteten keine Talkshows sondern der Henker. Am 11. September 1599 wurde sie vor der Engelsburg enthauptet. Ihrem Bruder Giacomo erging es schlimmer. Er wurde mit glühenden Zangen gequält bevor man ihn vierteilte. Der noch minderjährige Bernardo wurde lebenslang auf die Galeeren geschickt.

Immerhin gelang es dem römischen Volk den Leichnam der Beatrice freizubekommen. Sie wurde mit einem feierlichen Trauerzug, an dem tausende Bürger teilnahmen zur Kirche San Pietro in Montorio gebracht, wo sie unter einer namenlosen Tafel vor dem Altar bestattet wurde. Viele hielten in der von einem Meer von Kerzen erleuchteten Kirche weinend Totenwache.

Der Besitz der Cenci wurde vom Papst beschlagnahmt. Clemens VIII. gab ihn an seine Familie, die Aldobrandini weiter, die daraufhin die Stellung der Cenci einnahmen.

Die Burg in Petrella jedoch verfiel. Das letzte große Stück rutschte bei einem Erdbeben 1915 ab.
Beatrice Cenci

Lage der Burg von Petrella Salto


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Eine römische Villa an der Autobahn

Villa dei Volusii, Lararium

Heute ein Besichtigungsvorschlag für alle die mit dem Auto nach Rom kommen. Kaum jemand ahnt, dass man bei der Autobahnraststätte Feronia Ovest, kurz nachdem man die Autostrada del Sole auf dem Autobahnzubringer Richtung Rom verlassen hat, die beeindruckenden Reste eines 2000 Jahre alten römischen Landguts findet. Für eine Besichtigung muss man sich beim Punto Blu am Ende des Parkplatzes melden (oder bei mir). 1961 ist man beim Autobahnbau auf die Reste der Villa gestoßen, hat sie ausgegraben und viele Funde in das Museum bei den nahen Ausgrabungen der antiken Stadt Lucus Feroniae in Capena gebracht. Die schönen Fußbodenmosaiken wurden jedoch an Ort und Stelle belassen und gesichert. Das Gelände gehört der Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia SpA. Die Villa zählt, völlig zu Unrecht, zu den unbekanntesten Ausgrabungsstätten im Großraum Rom.

Villa dei Volusii Villa dei Volusii

Quintus Volusius Saturnius, der sich zum Ende der Römischen Republik (ca. 65 v.Chr.) hier, auf einer künstlichen Terrasse mit fantastischem Ausblick über das Tibertal bis zu den Bergen um Tivoli, einen Landsitz baute. Er diente wohl vor allem zur luxuriösen Entspannung. Die Volusii waren eine alte römische Familie, der erst mit Quintus der Aufstieg gelang. Seine Söhne und Enkel waren eng mit den Kaisern verbunden und dienten diesen auf verschiedensten Posten. Der bekannteste war sicher Lucius Volusius Saturnius. Als er im stolzen Alter von 93 Jahren starb richtete Nero ein Staatsbegräbnis für ihn aus und ließ Statuen von ihm in verschiedenen Tempeln aufstellen. Tacitus erwähnte Lucius und berichtete, dass er seinen Reichtum durch Sparsamkeit angehäuft habe. Dazu passt, dass er die Villa, das luxuriöse Wochenendhaus, zu einem Landgut umbaute. Auf dem Gelände, das sich wohl bis zum Tiber hinzog, wurde vor allem Weizen angebaut. Doch finden wir auch eine Weinpresse in der Villa. Es ist der erste große rechteckige Hof, den wir betreten, der für landwirtschaftliche Zwecke errichtet wurde. Die meisten Räume waren eher nüchtern ausgestattet und dienten den Sklaven und Bediensteten als Unterkunft. In der nördlichen Ecke findet sich eine große Latrine, ein Gemeinschafts-WC. WC ist erstgemeint, denn es hatte Wasserspülung. Unter den Sitzen rauschte ein künstlicher Bach. Doch ist in diesem Hof auch das Lararium, der Altar der Schutzgötter der Familie, untergebracht. Viel mehr als die sonst in römischen Häusern übliche kleine Nische, war es ein eigener Raum, fast ein Tempel.

Villa dei Volusii Villa dei Volusii, Lararium

Im Südosten lag die ältere Villa, der Wohnkomplex der Familie. Um einen kleineren Hof waren die Zimmer angeordnet die noch heute vielfältige Mosaiken vorweisen können. Die ältesten sind noch im für die Zeit der Republik typischen Schwarz-Weiss gehalten. Mosaiken, die aus späteren Umbauphasen stammen, zeigen auch bunte Muster. Im Anschluss war ein Garten mit einer großartigen Aussicht angelegt, von dem allerdings kaum etwas erhalten ist. Die letzten zwei Volusii nannten sich wieder Quintus und Lucius und waren 87 und 92 n.Chr. Konsul. Möglicherweise fielen sie dem Kampf des Kaisers Domitian gegen angebliche Verschwörer zum Opfer. Jedenfalls verschwanden die Volusii danach aus den Annalen und die Villa ging in kaiserlichen Besitz über. Ab dem 4. Jahrhundert wurde sie langsam verlassen. Im 9. Jahrhundert baute man auf den südlichen Fundamenten einen mittelalterlichen Beobachtungsturm, der noch heute erhalten ist. Das Ausgrabungsgelände ist sicher ein interessanter Auftakt zu einem Rombesuch.

Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik

Lage der Ausgrabungen


Villa dei Volusii, 00035 Fiano Romano RM auf einer größeren Karte anzeigen

Der vergessene Triumphbogen

Malborghetto

Kurz bevor man auf der Via Flaminia Rom über die nördliche Stadtgrenze verlässt, in der Nähe des verschlafenen Bahnhofs von Sacrofano, sieht man rechts ein eigenartiges, großes Ziegelgebäude. Es lohnt sich noch einmal umzudrehen, über den kleinen Bahnübergang zu fahren und sich dieses Anwesen etwas genauer anzuschauen. Denn hier handelt es sich, auf den ersten Blick kaum sichtbar, um das Denkmal für eines der wichtigsten weltgeschichtlichen Ereignisse.
Am 27. Oktober 312 hatte hier Kaiser Konstantin, einen Tagesmarsch vor Rom, sein Heerlager aufgeschlagen. Konstantin war zu diesem Zeitpunkt nur einer von vier Kaisern des Römischen Reichs und zuständig für Britannien, Gallien und Germanien. Doch er wollte die alleinige Macht. Und so zog er mit 40.000 Mann der Rheinarmee gegen seinen Widersacher Kaiser Maxentius in Rom. Hier in Malborghetto, einen Tag vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke, hatte Konstantin eine Vision. Ihm erschien im Himmel ein Kreuz mit der dazugehörenden Erklärung: In hoc signo vinces, in diesem Zeichen wirst du siegen. Konstantin verwendete daraufhin das Christusmonogramm als Feldzeichen. Mit Erfolg.
Maxentius hatte sich eigentlich eine raffinierte Strategie ausgedacht. Er wollte den Truppen Konstantins etwa dort wo heute die Studios der RAI in Saxa Rubra stehen, den scheinbaren Durchstoß durch seine Truppen erlauben, um dann hinter ihnen die Reihen wieder zu schließen und sie am Nordufer des Tiber einzukesseln. Den Ponte Milvio hatte er dafür zerstören lassen. Doch es kam anders, plötzlich waren die Verteidiger Roms in der Defensive und standen mit dem Rücken zum Fluss. Maxtentius, der eigentlich in seinem Palast auf die Siegesnachricht wartete, eilte selbst aufs Schlachtfeld. Doch er stürzte im Tumult in den Tiber und ertrank. Konstantin feierte einen grandiosen Sieg, der gleichzeitig als Durchbruch für das Christentum gesehen wird. Auch wenn dieses eher ein schleichender Prozess war. Bereits im Jahr zuvor hatte Kaiser Galerius die Christenverfolgung offiziell beendet. Konstantin und Maxentius standen gleichermaßen hinter dessen Toleranzedikt. Bei der Schlacht an der Milvischen Brücke ging es mehr um die Macht im Reich, als um den Kampf für eine Religion. Erst 391 hatte das Christentum endgültig gesiegt, als Kaiser Theodosius alle anderen Religionen verbot.
An der Stelle des Heereslagers Konstantin wurde ein großer Triumpgbogen errichtet. Ob noch zu Lebzeiten Konstantins oder später ist ungewiss. Der rechteckige, vierbogige Bau überdachte eine Kreuzung der Via Flaminia mit einer alten etruskischen Straße, die von Veji zum Tiber führte. Die vier aus Ziegeln errichteten Bögen, die später zugemauert wurden sind noch deutlich sichtbar. Von der Marmorverkleidung des einst prächtigen Bauwerks ist dagegen fast nichts mehr zu sehen.

Rekonstruktion des KonstantinbogensIm Mittelalter wurden die Bögen geschlossen und der Bau in eine Kirche umgewandelt. Sie war jedoch bereits 1256 wieder verschwunden, als ein Burgus San Nicolai de Arcu Virginis, im Besitz der Orsini erwähnt wurde. Die Adelsfamilie hatte den Triumphbogen zu einer Burg, zur Kontrolle der Via Flaminia ausgebaut. Reste der Befestigungsmauern sind heute noch sichtbar. Dieser Name erinnert jedoch sowohl an die Kirche als auch an den Triumphbogen. Diese Festung mit sie umgebenden kleinen Bauernhäusern wurde bereits 1278 direkt an den Vatikan verkauft, bei dem sie bis zur Auflösung des Kirchenstaates blieb.
Für einige Zeit setzen sich in der Festung Straßenräuber fest, was dem Ort bei der Bevölkerung den Namen Malborghetto (in etwa böses Dorf) einbrachte. Obwohl der Komplex in der Folge die verschiedensten Nutzungen und offiziellen Namen hatte, blieb der Name Mallborghetto an ihm haften. 1350 wird erwähnt, dass hier der Marmor gesammelt wurde, der aus den Ruinen von Veji geklaubt wurde, bevor er zum Dombau von Orvieto abtransportiert wurde. Auch war hier traditionell der Ort, an dem Kardinäle auf dem Weg nach Norden verabschiedet wurden oder wichtige Besucher Roms begrüßt wurden. 1485 verbarrikadierten sich Mitglieder der Familie Colonna in Malborghetto gegen die gegnerischen Orsini. Denen gelang es schließlich mit Hilfe der Bürger des nahen Sacrofano die Festung in Brand zu setzen. Die Zeit als Bollwerk war damit vorbei. Malborghetto war nur noch ein Landhaus, das Casale di Malborghetto, und später Poststation an der Via Flaminia. Heute hat man in ihm ein kleines Museum eingerichtet. Im angrenzenden Park sieht man antike Grabsteine von der Via Flaminia.
Dieses eigenartige Landhaus, das heute von der Via Flaminia durch die Bahnstrecke Rom - Viterbo getrennt ist, ist also nicht nur eine Wegmarke, die den Beginn des römischen Stadtgebiets anzeigt, sondern auch das vergessene Denkmal für die Zeitenwende von der Antike zum Mittelalter

Malborghetto


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Isola FarneseHeute möchte ich einen Ausflug vorschlagen der in einen römischen Stadtteil führt, der so gar nicht dem entspricht, wie man sich Rom vorstellt. Isola Farnese ist ein winziger aber gut erhaltener mittelalterlicher Ort, der sich neben das namensgebende Castello Farnese auf einem Hügel über dem tief eingeschnittenen Tal des Piordo drängt. Der Name Isola hat dabei nichts mit einer Insel zu tun, sondern er leitet sich vom lateinischen Insula her, einer Bezeichnung für einen Wohnblock. Im Mittelalter wurde der Begriff dann für Ortschaften in der Umgebung Roms verwendet. Erwähnt wurde Isola Farnese zum ersten Mal in einer Bulle des Papstes aus dem Jahr 955. Allerdings noch unter dem Namen Municipium Augustum Veiens. Ein Hinweis auf die ältere Geschichte des Platzes. Auf dem gegenüberliegenden, viel größeren Plateau lag die Stadt Veji, eine der wichtigsten Städte der Etrusker und Gegenspielerin Roms. Nach einem zehnjährigen, legendären Krieg gelang es dem römischen General Marcus Furius Camillus 396 vor Christus das mächtige Veji zu bezwingen. Die Stadt wurde zerstört und alle Einwohner versklavt. Erst 400 Jahre später gründete Augustus die Stadt neu als Municipium.
Und noch einmal 500 Jahre später, wohl im Verlauf der Gotenkriege, oder auch später unter den Langobarden, wurde die Stadt wieder, diesmal endgültig aufgegeben. Dass der antike Name noch um die Jahrtausendwende in Gebrauch war, lässt darauf schließen, dass sich die verbliebenen Einwohner von Veji auf dem leicht zu verteidigenden Hügel von Isola Farnese verschanzten. Die Burg die hier stand hatte zweimal kaiserlichen Besuch. 1209 wohnte Otto der Große und 1312 Heinrich VII. hier und genossen den Blick in die Campagna Romana. 1567 erwarb Kardinal Alessandro Farnese die Burg und gab ihr den Namen, der ihr auch bei den vielen weiteren Besitzerwechseln erhalten blieb. Vor der Burg entstand ein kleines Dorf mit einer Kirche, die noch einige Fundstücke aus Veji enthält. Von Isola Farnese aus kann man wunderschöne Wanderungen durch den Naturpark von Veji unternehmen. Doch da es schon am späten Vormittag recht heiß war begnügten wir uns damit uns auf die Terrasse des Restaurants Tempio di Apollo zu setzen. Ob man alleine wegen des Essens hier heraus fahren soll weiß ich nicht. Der Ausblick von der Terrasse ist jedoch unschlagbar. Wer also hierher kommt sollte das nicht bei Regenwetter tun. Allerdings war die Kaninchenroulade doch so gut, dass ich den Koch nach dem Rezept gefragt habe. Erst beim Aufschreiben fiel mir auf, dass ich gar keine Mengenangaben bekommen habe. Aber ich werde es bei Gelegenheit nachkochen und diese dann ergänzen.

Isola Farnese
Rezept Gefülltes Kaninchen
Man nehme ein Kaninchen und befreie es von Knochen und Sehnen und allem was sonst schwer verdaulich ist.
Für die Füllung wird zur Hälfte Geflügel- und Kalbfleisch fein gehackt und dann mit einem Ei und Semmelbröseln vermischt. Gut salzen und pfeffern. Das Kaninchen wird mit der Masse gefüllt und mit dünnem Speck (Lardo) umwickelt und mit Küchengarn umwickelt. Mit reichlich gutem Olivenöl beträufelt schiebt man es dann in den Backofen. Ich hätte noch eine leichte Soße, z.B. mit Balsamicoessig dazu gereicht. In Isola Farnese beließ es der Koch dabei die Rouladen mit frischen Kräutern zu bestreuen.

Isola Farnese, Blick vom Restaurant Tempio di Apollo zum Castello


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Santa Maria di Galeria - die vergessene Ruinenstadt

Galeria, barocker CampanileDie Stadt Galeria war von starken Mauern umgeben, vor denen viele Angreifer aufgaben. Doch ihre letzten und totbringenden Feinde konnten sie nicht abhalten, die Anophelesmücken, die die Malaria in die Stadt brachten. Da das Leben unerträglich wurde verließen die Einwohner ihre Stadt. Vor genau 200 Jahren, 1809, zog die letzte Familie aus Galeria fort und die Stadt wurde der Natur überlassen. In den Häusern, einst voll von Menschen und Haustieren wachsen heute Bäume, in den Straßen, einst belebt durch Handel und Handwerk, rankt heute Efeu.

Der Beginn der Stadt liegt in dunkler Vergangenheit, doch zahlreiche Felsengräber am Fuß des Tuffhügels auf dem sich die Stadt erstreckt legen die Vermutung nahe, dass bereits die Etrusker hier eine Siedlung hatten, an der Grenze der Territorien von Veji und Caere. Aus der Zeit der Römer haben wir endlich schriftliche Beweise für die Existenz von Careiae, wie die Stadt auf Latein hieß. Sie war eine Station an der Via Clodia, die heute als Via Claudia Braccianese weiter nördlich vorbeiführt. Frontinus erwähnt sie, da hier verschiedene Zuflüsse in den Aquädukt Aqua Alsietina geleitet wurden.

Die reiche Stadt wurde im 9. Jahrhundert von den Sarazenen geplündert und ein zweites Mal ein halbes Jahrhundert später von ihren Besitzern, den Orsini. Es wird berichtet, dass diese tonnenweise Marmor aus Galeria fortschaffen ließen um damit den Dom in Orvieto zu schmücken.

Doch Galeria lebte weiter. Gerardo di Galeria gewährte dem gestürzten Papst Benedikt X: hier Unterschlupf. Erst mit Hilfe der Normannen konnte er 1069 verhaftet und nach Rom gebracht werden. 1536 war Kaiser Karl V. auf Einladung der Orsini hier zu Gast. Galeria war ein bescheidenes Landstädtchen vor den Toren Roms geworden. Erst die Stechmücken, die sich ab dem 18. Jahrhundert im Tal des Arrone einnisteten brachte den Tod in Form von Malaria in die Stadt und bedeutete nach über 2000 Jahren das Ende der Stadt. 1816 wurde offiziell die die Pfarrkirche Sant'Andrea aufgegeben und die nahe Kirche eines Landguts, Santa Maria in Celsano zur Nachfolgerin bestimmt. Sie trägt heute als Santa Maria di Galeria den Namen der vergangenen Stadt weiter. Genauso heißt auch der sehr ländliche Stadtteil im 19. Römischen Stadtbezirk, der vor allem durch die riesige Sendeanlage von Radio Vaticano bekanntgeworden ist, die man gut von den Mauern von Galeria sieht. Die Antennen die in alle Welt senden sind immer wieder in den Schlagzeilen, da die Anwohner über gesundheitliche Beeinträchtigungen klagen und es kommt auch immer wieder einmal vor, dass unvermittelt fromme Gesänge von Kühlschränken oder anderen elektrischen Geräten ausgestrahlt werden, da die Sender zu stark sind. Aber was ist schon die Gesundheit von ein paar Bauern im Norden Roms gegen die weltweite Verbreitung der Botschaft des Papstes.

Galeria, Stadttor Galeria, Stadttor Galeria Galeria Galeria
Die Ruinen von Galeria sind über einen nicht ausgeschilderten Feldweg erreichbar, der etwas südlich der Kirche Santa Maria di Galeria rechts von der Straße abzweigt. Sie liegen heute auf dem Territorium eines Landguts, dass dem Parmalat-Konzern gehört, der sich jedoch nicht um die Unterhaltung und Zugänglichkeit der alten Stadt kümmert. Die Stadt Rom hat das Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Beides führt dazu, dass nie so ganz klar ist wer den Müll von einigen wilden Picknicks wegräumt. Doch da sich niemand um die Ruinenstadt kümmert, ist sie im Wesentlichen unberührt. Wenn man durch das alte zugewachsene Stadttor geht, betritt man eine märchenhafte Dschungellandschaft mit den alten Mauern der Stadt. Sie wird immer noch vom Kirchturm der alten Pfarrkirche überragt, an dem man noch sieht wo einst die Uhr eingebaut war, die zum Kirchturm im nahen Cesano überführt wurde. Man wandert über Straßen und Plätze, die längst von Wurzeln gesprengt sind und betritt Häuser, deren Dach vom Blätterwerk der Bäume gebildet wird. Der Besuch empfiehlt sich nur mit gutem Schuhwerk und bei Tag, denn man muss aufpassen, dass man nicht in ein ungesichertes Kellerloch fällt.

Wer an Geister glaubt sollte sich vor allem an Herbst- und Winterabenden in Acht nehmen, denn dann hört man den keuchenden Gesang des Senz'Affanni, eines Sängers, der vor 300 Jahren starb und noch heute mit seiner Mandoline auf einem weißen alten Pferd auf der Suche nach seiner Geliebten durch die Stadt reitet. Doch tatsächlich verursacht der Fluß Arrone die unheimlichen Geräusche, wenn er sich durch die Ruinen einer Mühle am Fuß des Felsen von Galeria ergießt.

Galeria Galeria Galeria Galeria, Blick von den Stadtmauern


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46 km nordöstlich von Rom liegt der hübsche kleine Ort Vicivaro im Tal des Aniene, des größten Nebenflusses des Tibers. Der Ort hat eine Geschichte die bis in vorrömische Zeit zurückreicht. Ein kleines Juwel findet man an der zentralen Piazza San Pietro. Eine Kapelle, die den Übergang von der Gotik zur Renaissance darstellt.


Wanderung zwischen römischen Aquädukten

Das grüne Tal zwischen Tivoli und den Albaner Bergen, wenige Kilometer vom Stadtrand von Rom entfernt, eignet sich besonders jetzt im Frühling für Wanderungen. Die Vegetation explodiert nun förmlich und das Wetter ist weder zu warm noch zu kalt. Natürlich trifft man auch hier in der Umgebung Roms auf Zeugnisse der Geschichte.


Morgen findet in der schönen mittelalterlichen Stadt Viterbo wieder das eindrucksvolle jährliche Schauspiel der Macchina di Santa Rosa statt. Wer in der Gegend ist sollte sich das nicht entgehen lassen. Bei einer Prozession wir im Laufschritt eine 30 Meter hohe beleuchtete Skulptur, die Macchina, durch die Altstadt getragen.


Der Rückzugsort von Johannes Paul II.

Das Kloster Madre delle Grazie della Mentorella gehört zu den eindrucksvollsten Orten in der Umgebung Roms. Nicht nur wegen seiner langen Geschichte sondern vor allem wegen des Landschaftserlebnisses. Eine Stunde von Rom entfernt findet man sich hier in einsamer Bergwelt wieder. Dies und weil seit über 150 Jahren polnische Mönche das Kloster bewohnen, ist wohl der Grund warum für Papst Johannes Paul II. die Mentorella ein bevorzugter Rückzugsort war.


Die Ewige Stadt

Rom, das ist das Sehnsuchtsziel der Deutschen. Keine andere Stadt war im letzten Jahr das Ziel von sovielen Touristen. Zu Recht. Denn nirgends auf der Welt bekommt man soviel Kunst und Geschichte hautnah geboten. Rom war der Ausgangspunkt, von dem aus Europa immer wieder erfunden wurde.

Das Römische Reich brachte zum ersten Mal Kultur, Lebensstandard und Sicherheit für den ganzen Kontinent. Danach trat das Christentum von Rom aus seinen Siegeszug an. Und als Martin Luther gegen den Papst mobil machte, konterte Rom mit der Erfindung des Barock.

Folgerichtig erlebte die Europäische Union 1957 ihre Geburtsstunde auf dem römischen Kapitol.

Doch Rom ist mehr als Kolosseum und Petersdom, als Forum Romanum und Spanische Treppe. Rom ist auch mediterrane Lebensart, Mode und italienisches Essen.

Mein Rom besteht aus den vielen Geschichten, die man in jeder Gasse entdecken kann. Von Päpsten und ihren Mätressen, von bigotten Mönchen und leichten Mädchen, von Künstlern und Baumeistern, von Adeligen und Leuten aus dem Volk. Fast 3000 Jahre haben sie in Rom überall ihre Spuren hinterlassen. Das ist es was die Geschichte in Rom so lebendig werden lässt.

 

Essen in Rom kann ein wunderbares Erlebnis sein. Lassen Sie sich auf die Römische Küche ein und entdecken Sie auf Märkten und Geschäften leckere Lebensmittel aus dem Umland und hervorragende Weine. Wenn Sie aufpassen, tappen Sie nicht in Touristenfallen und genießen ein kulinarisches Erlebnis.



Via Appia Antica

Die Via Appia Antica gilt als das längste Museum der Welt. Auf 18 km, ab der Porta Capena beim Circus Maximus bis nach Frattocchie, ist die älteste römische Konsularstraße, teilweise noch mit ihrem antiken Pflaster, erhalten. Dann vereinigt sie sich mit der Via Appia Nuova um als normale Staatsstraße weitere 560 km bis zum süditalienischen Hafen Brindisi zu führen.

Ab dem Jahr 312 v. Chr. ließ der Konsul Appius Claudius Caecus die Straße Richtung Capua vor Neapel anlegen, die seinen Namen unsterblich machen sollte. Es ging ihm vor allem darum schneller Truppen im Krieg gegen das Volk der Samniten verlegen zu können. Erst als die Straße 120 Jahre später nach Brindisi verlängert wurde, entwickelte sie sich zur wichtigsten Handelsstraße des Römischen Reichs. Noch heute markieren dort zwei Säulen das Ende des Wegs.

Die Via Appia ist noch heute von Gräbern in unterschiedlichster Form gesäumt. Da in der Antike die Bestattung von Toten innerhalb der Städte verboten war, wich man an die Ausfallstraßen aus. Nicht zuletzt mit dem Ziel Reisende durch monumentale Familienmausoleen zu beeindrucken. Die ärmeren Römer wurden in zweiter und dritter Reihe begraben oder schließlich (nicht nur Christen) in unterirdischen Katakomben. Doch gibt es entlang der Straße auch andere Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Hier finden Sie eine ausführliche Beschreibung der Straße und etliche Einzelaspekte.

Erleben Sie die Via Appia Antica bei einer geführten Wanderung. Spüren Sie 2000 Jahre Geschichte in römischer Landschaft.

Der Vatikan ist der kleinste Staat der Welt, den es in seiner heutigen Form seit den Lateranverträgen von 1929 gibt. In gewisser Weise ist er damit Nachfolger des Kirchenstaats der zu seinem Höhepunkt ganz Mittelitalien umfasste und der 1870 nach der Eroberung durch Garibaldi an das Königreich Italien fiel. Staatsoberhaupt und gleichzeitig Bischof von Rom ist der Papst.

Die Bischofskirche des Papstes und damit die erste Kirche in der Hierarchie der katholischen Kirche ist die Lateransbasilika, keineswegs der Petersdom. Der Petersdom ist trotzdem das wichtigste Pilgerziel, die größte Kirche Roms und eines der größten Gotteshäuser der Welt. weiterlesen

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