Rundgang Kapitol

Folgen Sie mir auf einem Rundgang über den Kapitolshügel. Er ist der kleinste der berühmten sieben Hügel aber nicht der unwichtigste. Wir werden auf engem Raum Kunstwerken und Zeugnissen aus über zwei Jahrtausenden entdecken. Michelangelo ist allgegenwärtig und uns begegnet auch die vergessene Geschichte der Deutschen in Rom. Hier ein Rundgang mit ausführlicher Beschreibung. Nutzbar vor Ort oder zur Vorfreude auf Rom.

Rundgang Kapitolshügel

Karte des Rundgangs, OpenStreetMap
Karte des Rundgangs, OpenStreetMap

Dieser Rundgang ist sehr detailliert. Wenn Sie sich weniger Zeit nehmen sollten, dann besuchen Sie zumindest die Reiterstatue Mark Aurels, betrachten Sie mit Muse den Kapitolsplatz, gehen Sie zum Aussichtspunkt über das Forum und besuchen Sie die Basilika Santa Maria in Aracoeli und dort di Cappella des Bambino Gesù und die Cappella Bufalini. Für die kulinarische Pause empfehle ich die Terrasse des Palazzo Caffarelli.

Im Moment können wir Ihnen Rom leider nicht direkt zeigen. Aber gerne stillen wir Ihre Lust auf die Ewige Stadt mit einem virtuellen Stadtrundgang. So genau wie möglich soll dieser Rundgang sein. Sie dürfen ihn gerne Ausdrucken und auch vor Ort benutzen, wenn Sie wieder nach Rom reisen dürfen. Und wir bleiben in Übung beim Erzählen über Kunst, Geschichte und Menschen aus drei Jahrtausenden.

Dies ist ein Work in Progress Projekt. Das heißt, der Rundgang wird nach und nach fertiggestellt. Schauen Sie immer mal wieder herein.

Und wenn es Ihnen gefallen hat, lassen Sie doch eine Spende da.

Stich von Giuseppe Vasi 1756, Santi Venanzio e Ansovino und Palazzo Muti Bussi
Stich von Giuseppe Vasi 1756,
Santi Venanzio e Ansovino und Palazzo Muti Bussi

Wir treffen uns am Fuß des Kapitolshügels auf der Piazza d’Aracoeli, die fließend in die Piazza Venezia übergeht. Sie erreichen den Platz gut mit der Straßenbahnlinie 3 und zahlreichen Bussen, die die beiden Plätze ansteuern.

Die Piazza d’Aracoeli

Die Piazza d’Aracoeli, die ihren Namen von der Kirche auf dem Kapitol hat, war bis ins 20. Jahrhundert ein schmaler langer Altstadtplatz, auf dem im Mittelalter der Markt abgehalten wurde. Mit dem Bau des Vittoriano und der Freilegung des Kapitols wurde sie auf die sechsfache Fläche vergrößert und verlor ihre Ostseite, darunter die Kirche Santi Venanzio e Ansovino. Erhalten blieb der schöne Brunnen (1), den Giacomo della Porta 1589 im Auftrag von Papst Sixtus V. erbaute. Die Papstwappen und die stilisierten Hügel auf der Spitze gehören jedoch zu Alexander VII. der den Brunnen im 17. Jahrhundert restaurieren lies.

Giovanni Battista Nolli, Topografie von Rom (1748), Kapitolshügel
Giovanni Battista Nolli, Topografie von Rom (1748)
Kapitolshügel und Umgebung

Palazzo Muti Bussi

Der Brunnen steht vor dem Palazzo Muti Bussi (2), den della Porta zur selben Zeit für Orazio Bussi entwarf. Er wurde jedoch erst 80 Jahre später fertiggestellt. Die Familie Muti (später Muti Bussi nach der Heirat von Cecilia Muti und Giulio Bussi) behauptete ihr Urahn sei Gaius Mucius Scaevola, ein Held der römischen Frühgeschichte.

Ihm verdanken wir eine bekannte Redensart. Er soll den Etruskerkönig Porsenna, der Rom belagerte, damit beeindruckt haben, dass er seine rechte Hand aus Treue zu Rom in einer Flamme verbrannte. Darauf stimmte Porsenna Friedensverhandlungen zu. Bis heute behaupten viele für eine gerechte Sache ihre Hand ins Feuer zu halten. Die Hand sowie zwei gekreuzte Keulen, zieren daher das Wappen der Familie Muti.

Palazzo Pecci Blunt

Palazzo Massimo di Rignano
Palazzo Massimo di Rignano

Wenden wir uns jetzt nach links. Die Hausnummer 3 hat der Palazzo Pecci Blunt (3), der ebenfalls von Giacomo della Porta erbaut wurde. Der Piano nobile ist mit Fresken der Brüder Zuccari ausgestattet. Nach vielen Besitzerwechseln erwarben nach dem 1. Weltkrieg Anna Laetitia Pecci, Großnichte von Papst Leo XIII. und ihr Mann, der amerikanische Bankier Cecil Blumenthal, das Gebäude. Der Papst verlieh dem Paar zur Hochzeit den Titel der Grafen Pecci-Blunt. Berühmt waren die Frühlingskonzerte mit illustren Namen wie Strawinsky, Rubinstein und Nathan Milstein. Die Familie besitzt den Palast noch heute. Wenn das Portal offen ist, sieht man den Hof mit einem manieristischen Brunnen mit einem Bacchus, der in einer Grotte sitzt.

Palazzo Massimo di Rignano

Direkt daneben steht der Palazzo Massimo di Rignano (4), der auf einen Palast aus dem 15. Jahrhundert zurückgeht, der von Carlo Fontana barock umgestaltet wurde.

Tritonenbrunnen im Innenhof des Palazzo Massimo di Rignano
Tritonenbrunnen im Innenhof des Palazzo Massimo

Da Donna Maria Massimo 1899 den damaligen römischen Bürgermeister Prospero Colonna heiratete, gehört er heute der Adelsfamilie Colonna. Auch dieser Palast hat einen schönen Innenhof mit einem Tritonenbrunnen, den man bei geöffnetem Portal sehen kann. Die Figur des Triton erinnert an den Brunnen von Bernini auf der Piazza Barberini. Auf dem Dach ließ sich Graf Mario Massimo in einem neugotischen Turm ein Observatorium einrichten. In den 50er Jahren bewohnte Sophia Loren ein Appartement in dem Palast und bis zu ihrer Schließung 2013 befand sich hier auch die Botschaft von Syrien.

Kapitolshügel

Wenn wir uns jetzt dem Kapitolshügel zuwenden schauen wir uns zuerst das ganz charakteristische Panorama an, das aus Elementen ganz unterschiedlicher Zeiten komponiert ist. Rechts schließt das riesige Denkmal, der Altar des Vaterlands, 1885 bis 1911 erstellt, den Hügel ab.

Der große Bau aus blendend weißem istrischen Marmor passt nicht so recht zu dem in erdfarben changierenden Rom. Doch kann man sich vorstellen, dass die großen antiken Bauten einen ähnlichen Eindruck vermittelten.

Kapitol mit Santa Maria in Aracoeli und Senatorenpalast, Giovanni Battista Piranesi, 1757
Kapitol mit Santa Maria in Aracoeli und Senatorenpalast, Giovanni Battista Piranesi, 1757

Ägyptischer Löwe am Fuß der Cordonata
Ägyptischer Löwe am Fuß der Cordonata

Daneben fast erdrückt vom Denkmal die schlichte Ziegelfassade der Basilika Santa Maria in Aracoeli auf dem höchsten Punkt (48 m). Wenn wir unseren Blick weiter nach rechts schweifen lassen, sehen wir den Senatorenpalast, das Rathaus von Rom. Auf den Hügel führen zwei Treppen hinauf, die gut das Lebensgefühl ihrer jeweiligen Epoche ausdrücken. Die steile mittelalterliche Treppe, zwingt den Besteiger fast wie einen armen Sünder in die Knie, während die rechte, die Cordonata für den stolz schreitenden Renaissancemenschen gemacht wurde. Also wählen wir lieber diesen Weg.

Die Cordonata - Aufstieg zum Kapitol

Als sich 1536 Kaiser Karl V. zu einem Rombesuch ankündigte, beauftragte Papst Paul III. den Meister Michelangelo Buonarotti mit der Neugestaltung des ziemlich heruntergekommenen Kapitolshügels. Eine wichtige Frage war, wie man dort einigermaßen würdig hinaufkommen soll.

Thomas Davidson, 1841, Frauen am Brunnen des Kapitols
Thomas Davidson, 1841, Frauen am Kapitolbrunnen

Vom alten Zentrum, dem Forum, inzwischen Kuhweide, gab es nur eine alte Stiege und auch die steile Treppe zur Aracoelikirche war eher etwas für arme Büßer. Michelangelo entwarf eine Rampe, die auch von Reitern zu bewältigen war. Er fasste sie mit einer Balustrade die der Treppe den Namen Cordonata (5) gab von „cordonare“ = einhegen. Um sie größer erscheinen zu lassen, veränderte er die Perspektive und ließ sie nach oben breiter werden. Tatsächlich wurde sie jedoch nie von Karl V. benutzt. Erst 18 Jahre nach dem Tod Michelangelos wurde sie von Giacomo della Porta fertiggestellt.

Ägyptische Löwen

Am Beginn der Balustraden sehen wir zwei ägyptische Löwen (6) aus schwarzem Basalt als Wasserspeier. Die Tiere wurden im 1. Jhd. n.Chr. im Tempel der Isis und des Osiris hinter dem Pantheon aufgestellt.

Denkmal des Cola die Rienzo, 1887
Denkmal des Cola die Rienzo, 1887

Sie standen dann im Mittelalter vor der Kirche Santo Stefano del Cacco und bekamen von Giacomo della Porta, der Michelangelos Pläne 1582 vollendete, die Bestimmung zu Brunnenfiguren. An wichtigen Tagen, wie der erfolgreichen Wahl eines Papstes durften sie sogar Wein spucken. Einer Rotwein, der andere Weißwein. Ende des 19. Jhd. kamen sie ins Museum, wurden aber 1955 wieder am Beginn der Cordonata aufgestellt.

Cola di Rienzo

Wenn wir die Cordonata zur Hälfte hinaufgegangen sind, treffen wir links auf das Denkmal (7) eines Mannes mit großer Kapuze, der leidenschaftlich zu einer imaginären Menschenmenge redet. Es handelt sich um Cola di Rienzo, eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 14. Jhd. in Rom. Er wurde von Gaetano Masini in Szene gesetzt und 1887 aufgestellt. Cola di Rienzo stammte aus einfachen Verhältnissen und arbeitete sich zum Notar hoch.

Plan der Cordonata
Plan der Cordonata

Die Abwesenheit des Papstes in Avignon nutzend zettelte er 1347 eine soziale Revolution an, vertrieb den Adel aus der Stadt und schwang sich zum Volkstribun auf. Doch die zuvor zerstrittenen Adelsfamilien vereinten sich mit Papst und Kaiser im Hintergrund gegen ihn. Schon nach sieben Monaten musste er fliehe. Letztendlich sein Glück. So überstand er die Pestepidemie 1348 bei Eremiten in den Bergen. Sieben Jahre später gelangte er noch mal an die Macht, doch da er zum Tyrann mutierte, erschlug ihn ein Handwerker am 8. Oktober 1354 just an der Stelle, an der wir heute sein Denkmal sehen.

Castor und Pollux

Schließlich sind wir oben angekommen und stehen zwischen den zwei riesigen Männern mit Pferd. Es handelt sich um Castor und Pollux (8), Zwillingsbrüder und Söhne des Jupiters aus der Affäre mit Leda (wir erinnern uns: Jupiter verführte sie als Schwan) auch Dioskuren genannt, die in den Städten der Latiner in den Albaner Bergen verehrt wurden.

Statue eines Dioskuren
antike Statue eines Dioskuren

Bei der Schlacht am Lacus Regillus wechselten sie jedoch die Seiten und verhalfen den Römern zum Sieg und damit zum ersten Grundstein ihres Weltreichs. Zum Dank bekamen sie einen großen Tempel auf dem Forum Romanum und später auch noch einen zweiten am Circus Flaminius im südlichen Marsfeld.

Bei diesem zweiten Tempel wurden die Monumentalstatuen bei der Einmauerung des Jüdischen Ghettos gefunden. Die Skulpturen wurden wohl in der späten Kaiserzeit, vielleicht nach griechischen Vorbildern, gefertigt.

Michelangelo ließ die Trümmer der über fünf Meter großen Marmorskulpturen aufs Kapitol bringen und zeichnete Vorschläge zur Ergänzung der fehlenden Teile. So ist der Kopf des linken Dioskuren nicht antik. Doch die Fertigstellung und Aufstellung 1583 erlebte der Meister nicht mehr.

Balustrade des Kapitolplatzes mit antiken Statuen
Balustrade des Kapitolplatzes mit antiken Statuen

Die Trophäen des Marius

Trophäen des Marius, Stich von Giovanni Battista Piranesi, 1761
Trofei di Mario, Giovanni Battista Piranesi, 1761

Betrachten wir nun noch die anderen Skulpturen auf der Balustrade die den Kapitolsplatz abschließen. Rechts und links der Dioskuren befinden sich die sogenannten Trophäen des Marius. Sie sollen die vom Konsul Gaius Marius eroberte Rüstungen, an einen Baumstupf gelehnt, darstellen, die an seinen Sieg gegen Teutonen und Kimbern 102 / 101 v.Chr. erinnern. Sie wurden tatsächlich aber wohl 200 Jahre später für einen Triumphbogen von Kaiser Domitian angefertigt und noch mal über hundert Jahre später auf eine monumentale Brunnenanlage über dem Kreuzungspunkt zweier Aquädukte gesetzt und schließlich 1590 hier aufgestellt.

sog. Trophäen des Marius und Statue Konstantins I.
Trophäen des Marius und Statue Konstantins I.

Auf der Piazza Vittorio hinter dem Hauptbahnhof sieht man die immer noch riesigen Ruinen des Nymphäums. Weiter nach außen steht rechts eine Statue von Kaiser Konstantin I. und links die seines Sohnes Konstantin II.

Beide stammen aus den Thermen des Konstantin auf dem Quirinal und wurden im 4. Jhd. geschaffen. Schließlich zwei Meilensteine der Via Appia aus der Zeit von Kaiser Nerva. Rechts der Stein, der die erste Meile anzeigte und von dem eine Kopie an der Via Appia Antica steht.

Reiterstatue des Mark Aurel

Wenden wir uns jetzt zum Kapitolsplatz. 1537 erhielt Michelangelo den Auftrag zu dessen Gestaltung. Als aller erstes wurde, gegen den Widerstand des Künstlers das antike Kunstwerks, die Reiterstatue des Mark Aurel (9) aufgestellt.

Reiterstatue des Mark Aurel vor dem Senatorenpalast
Reiterstatue des Mark Aurel vor dem Rathaus

Papst Paul III. setzte sich durch. Michelangelo hätte wohl ein eigenes Werk präferiert.

Es ist das einzige Reiterstandbilds aus Bronze, das das Mittelalter, in dem jeder Metallfund eingeschmolzen wurde, überlebte. Der Grund ist eine Verwechslung. Da man fälschlicherweise dachte der Mann auf dem Pferd sei der erste christliche Kaiser Konstantin I. wurde es erhalten und vor dem Lateranspalast aufgestellt. Erst im 15. Jhd. merkte man, dass es sich nicht um den stets glatt rasierten Konstantin, sondern um Mark Aurel, bekannt für den Philosophenbart, handelte. Papst Paul III. verlangte daher die Umsetzung des Heiden vom kirchlichen Zentrum am Lateran zu seinem neuen weltlichen Zentrum Roms, dem Kapitol.

Der überlebensgroße Kaiser ist dargestellt, wie er zu seinen Soldaten spricht. Da er keine Kriegsrüstung trägt, scheint er dabei den Frieden zu verkünden. Die Statue war ursprünglich vergoldet. Da sie stark unter der Umweltverschmutzung litt wurde sie ab 1979 renoviert und ins Kapitolinische Museum versetzt. Auf dem Platz steht seit 1990 eine Kopie.

originale Reiterstatue des Mark Aurel im Kapitolinischen Museum
originale Reiterstatue des Mark Aurel

Den Marmorsockel hat Michelangelo selbst entworfen und die kompletten Titel und Namen des Kaisers eingravieren lassen.

Kapitolsplatz

Die Statue stand anfangs noch auf einer ungepflasterten Fläche zwischen der Loggia des Konservatorenpalastes, dem an eine mittelalterliche Burg erinnerten Senatorenpalast und dem ungestalteten Abhang unter der Basilika Santa Maria.

Der Ausbau ging nur sehr schleppend voran. Michelangelo war ja auch mit vielen anderen Projekten, von der Sixtinischen Kapelle bis zum Petersdom beschäftigt. Als der Meister 1564 starb war erst die Freitreppe vor dem Senatorenpalast fertiggestellt. Die Baustelle des Konservatorenpalastes hatte gerade begonnen.

Giacomo della Porta (1532 - 1602), ein junger Architekt, der wie viele seiner Zeit aus der Region der oberitalienischen Seen stammte, erbte die Baustellen Michelangelos. Er führte dessen Pläne fort, setzte aber durchaus eigene Akzente.

Michelangelo hatte sich einen Kniff ausgedacht um den Platz größer erscheinen zu lassen. Er wird zum Senatorenpalast hin unmerklich immer breiter.

Kapitolsplatz im 16. Jhd., anonymer Zeichner
Kapitolsplatz im 16. Jhd., anonymer Zeichner

Die gleichmäßigen Portiken der seitlichen Paläste leiten den Blick und engen den Platz doch nicht optisch ein. Zudem ist ein leichter Hügel aufgeschüttet, der wie ein Fischauge wirkt. Verstärkt noch durch das Sternenmuster im Pflaster, das nach Michelangelos Plan erst 1940 verwirklicht wurde.

Der Kapitolsplatz wurde der erste voll durchkomponierte Platz Roms seit der Antike und wurde das weltliche Zentrum der Stadt im Gegensatz zu den geistlichen, Lateran und Vatikan.

 

Étienne Dupérac, 1568, Michelangelos Entwurf für den Kapitolsplatz
Der Stich von Étienne Dupérac, 1568, gibt Michelangelos Entwurf für den Kapitolsplatz gut wieder

Der Konservatorenpalast (11)

Hieronymus Cock, 1562, Senatorenpalast und Konservatorenpalast vor dem Neubau nach Michelangelo, mit Kopf des Konstantin im Portikus
Hieronymus Cock, Konservatorenpalast, rechts
1562 vor dem Neubau nach Michelangelo
mit Kopf des Konstantin im Portikus

Die drei Konservatoren bildeten quasi die Stadtregierung, die seit dem 13. Jhd. bezeugt ist. Ursprünglich von den Patriziern gewählt, wurden sie seit deren Rückkehr aus Avignon, von den Päpsten ernannt. Erst 1870, als der Kirchenstaat vom Königreich Italien erobert wurde, wurden sie von einem Bürgermeister und einem gewählten Stadtrat abgelöst. Sie hatten immer ihren Sitz auf dem Kapitolshügel.

Der von Michelangelo entworfene Palast war der dritte Bau. Michelangelo sah für die Fassade eine Kolossalordnung mit Pilastern vor, die über die zwei Stockwerke reichen. Sein Nachfolger della Porta änderte und betonte das mittlere Fenster und gab dem Platz damit eine zweite Achse. Die komplette Fertigstellung erfolgte erst 1720. Am 25. März 1957 wurden im Saal der Horatier und Curiatier die Römischen Verträge unterschrieben und damit der Grundstein für die Europäische Union gelegt. Daher sah Theodor Heuss Europa auf den drei Hügeln Golgatha, Akropolis und Kapitol gegründet.

Konservatorenpalast mit Statue des Mark Aurel
Konservatorenpalast mit Statue des Mark Aurel

Der Neue Palast (12)

Den Palazzo Nuova hatte Michelangelo auch schon in seinem Entwurf vorgesehen um die Seitenwände des Platzes zu komplettieren. Dabei hatten er und auch seine Nachfolger keinerlei Idee für eine Nutzung.

Er wurde erst 1663 von Carlo Rainaldi fertiggestellt. Der sehr schmale Bau, da zwischen Platz und Basilika nur wenig Raum blieb, hat die exakt spiegelbildliche Fassade zum Konservatorenpalast. 1734 eröffnete Clemens XII. hier das erste öffentliche Museum der Welt.

Die Kapitolinischen Museen

Bereits 1471 ließ Sixtus IV. einige antike Fundstücke, die eng mit der römischen Geschichte verbunden waren aufs Kapitol bringen.

Fragmente der Kolossalstatue von Kaiser Konstantin im Hof des Konservatorenpalastes
Fragmente der Kolossalstatue Kaiser Konstantins
im Hof des Konservatorenpalastes

Darunter waren die Wölfin, Fragmente der Kolossalstatue Konstantins I., der Dornauszieher und der sogenannte Camillus. Die Skulpturen standen unter dem Portikus des Konservatorenpalast und wurden bei dessen Neubau in den Innenhof versetzt, wo sich Kopf und Hand von Konstantin noch heute befinden. Die Sammlung vergrößerte sich, da einige Päpste den Vatikan von heidnischen Darstellungen befreien wollten. 1734 wurde dann im Palazzo Nuovo die Ausstellung allen Interessierten geöffnet.

Heute erstreckt sich die Ausstellung auf die zwei Paläste am Kapitolsplatz, die mit einem unterirdischen Gang verbunden sind. Darüber erreicht man auch die antiken Ausgrabungen des Tabulariums und des Tempels des Veiovis unter dem Senatorenpalast. Außerdem gehören die angrenzenden Palazzo Clementino und Palazzo Caffarelli zu den Museen.

Der Dornauszieher, Kapitolinische Museen
Der Dornauszieher, Kapitolinische Museen

2005 kam die Außenstelle Centrale Montemartini dazu, die aus der Gegenüberstellung der antiken Marmorskulpturen und der riesigen Turbinen des 19. Jhd. ihren Reiz bezieht. Die Kapitolinischen Museen, zu denen auch eine Gemäldeausstellung mit den Werken bedeutender Maler gehören, befinden sich unter den wichtigsten Museen der Welt. Unverständlich, dass sie in Rom ganz im Schatten der Vatikanischen Museen stehen. Die Exponate findet man online hier.

Der Marforio

Es würde den Rahmen sprengen nun die Exponate der Kapitolinischen Museen vorzustellen. Auf Google Maps könnt ihr übrigens eine Tour durch die Säle machen. Doch eine berühmte Statue sehen wir durch das zentrale Portal des Palazzo Nuovo. Den sogenannten Marforio, die überlebensgroße Darstellung eines liegenden, bärtigen Mannes aus Marmor.

Marforio, Hof des Palazzo Nuovo
Marforio, Hof des Palazzo Nuovo

Üblicherweise stellten solche Figuren in der Antike Flussgötter dar, auch wenn es keinen Hinweis gibt welcher Fluss gemeint ist. 1594 wurde er von Ruggero Bescapè restauriert und fehlende Teile, wie der rechte Fuß und Teile des Gesichts ergänzt. Bescapè drückte ihm auch eine Muschel in die Hand und ergänzte ein Fabeltier, halb Krake, halb Löwe als Wasserspeier. So wurde er als Okeanos zum Gott des Ozeans umgeschult.

Die Statue wurde im 12. Jhd. zum ersten Mal in der Nähe des Septimus-Severus-Bogen beschrieben. Sie soll in einem Granitbecken mit der Inschrift „Mare in Foro“ gelegen haben. Möglicherweise rührt der Name aber auch vom antiken Standort her, dem Marstempel im Augustusforum, im Mittelalter als Forum Martis bezeichnet. 1595 setzte ihn Giacomo della Porta auf einen Brunnen in eine Nische der Stützmauer der Aracoelibasilika. Dort blieb er auch, als der Palazzo Nuovo davor gebaut wurde.

Maarten van Heemskerck, ca. 1534, Skizze des unrestaurierten Marforio
Maarten van Heemskerck,1532 - 36
Skizze des unrestaurierten Marforio

Der Marforio gehörte zu den „Sprechenden Statuen“ Roms.

Palazzo Caffarelli - Das deutsche Kapitol

Bisher haben wir uns dort bewegt, wo alle Besucher des Kapitols unterwegs sind, aber trotzdem viel über die Skulpturen erfahren, an denen die meisten Touristen achtlos vorbeigehen. Entdecken wir nun unbekanntes Terrain und dabei auch ein Stück deutscher Geschichte.

Dafür gehen wir rechts am Konservatorenpalast vorbei und durchschreiten ein Renaissance Portal hinter dem die Via di Villa Caffarelli beginnt.

Portal der Villa Caffarelli
Portal der Villa Caffarelli

Bauherr Gian Pietro Caffarelli (Ioannes Petrus Caffarellius) und Baudatum 1584 sind auf dem Portal eingraviert. Caffarelli war ein treuer Gefolgsmann Kaiser Karl V. und bekam als Dank von diesem bei seinem schon erwähnten Besuch in Rom 1536 ein Stück Land auf dem Kapitol geschenkt. Sein Sohn Ascanio errichtete darauf den neuen Familienpalast, den Palazzo Caffarelli (13), mit schlichter Fassade und einem Wehrturm, der nicht mehr erhalten ist. Fast 300 Jahre später kamen durch einen Zufall die Preußen ins Spiel. Frances Waddington Bunsen, englische Ehefrau des preußischen Gesandten Christian von Bunsen entdeckte in dem Palast auf dem luftigen Hügel eine leerstehende Wohnung und überredete ihren Gatten diese anzumieten um der stickigen römischen Altstadt zu entfliehen.

Der Palazzo Caffarelli auf einer Fotographie 1880
Der Palazzo Caffarelli auf einem Foto 1880, heute

Da zu dieser Zeit die Wohnung des Gesandten automatisch Sitz der Botschaft war, kamen so die protestantischen Preußen aufs Kapitol und breiteten sich unter dem Radar des Papstes langsam aus. 1854 wurden der gesamte Palast und das Grundstück, das die ganze Südwesthälfte des Hügels umfasste, von der finanziell klammen Familie gekauft. Nicht zur Freude des katholischen Kirchenstaats. Zankapfel war vor allem, dass eine, wenn auch schlichte, evangelische Kapelle eingerichtet wurde. Zum ersten Mal seit über 1200 Jahren gab es einen Gebetsraum nichtkatholischer Konfession in Rom.
Eine größere Provokation für die Römer war es, als Kaiser Wilhelm II. einen Thronsaal errichten ließ.

Hermann Prell, Fresko im Thronsaal des Palazzo Caffarelli
H. Prell, Fresko im Thronsaal des Palazzo Caffarelli

Der Dresdner Maler Hermann Prell schmückte ihn mit Motiven aus den nordischen Göttersagen aus. Der Kaiser hat den Saal nie betreten. Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Palazzo Caffarelli von Italien beschlagnahmt und der Thronsaal abgerissen. Prells Fresken hatte man vorher abgenommen und nach Berlin geschickt. Sie wurden 1945 im Keller des Auswärtigen Amts zerstört.

Anstelle des Thronsaals gibt es heute eine Terrasse von der wir bei einem Cappuccino einen atemberaubenden Blick über Rom genießen können. Der Palazzo gehört heute zu den Kapitolinischen Museen. Doch wir können ohne Eintritt zu zahlen durch das Portal des Palastes hinauf zur Cafeteria gehen. Wenn das der Kaiser wüsste.

Der Jupitertempel

Jupitertempel im Modell Roms im 4. Jhd., Gismondi, 1937
Jupitertempel, Modell Roms, Gismondi, 1937

Ascanio Caffarelli hat seinen Palast nicht auf einem leeren Platz gebaut. Er riss dafür die noch beachtliche Ruine des Jupitertempels, des wichtigsten Tempels der antiken Stadt, ab und verwendete die Steine als Baumaterial wieder.

Der Tempel des Iuppiter Optimus Maximus war der Tempel in dem die Kapitolinische Trias verehrt wurde. Die drei Götter Jupiter, dessen Gattin Juno und Tochter Minerva, die direkt aus dem Kopf Jupiters geboren wurde. Sie hatten je eine Cella, einen Raum in dem ihr Götterbild stand. Der Tempel war das religiöse Zentrum Roms, in dem der Senat seine erste Zusammenkunft nach der Wahl abhielt und der das Ziel der Triumphzüge war.

Der Bau des Tempels geht auf Tarquinius Superbus, den letzten etruskischen König Roms, zurück. Der Überlieferung nach soll er jedoch erst im Jahr nach dessen Vertreibung im nun republikanischen Rom eingeweiht worden sein.

Plan des Jupitertempels, Samuel B. Platner, 1904
Plan des Jupitertempels, Samuel B. Platner, 1904

An einigen Stellen wurden die Fundamente des Tempels freigelegt. So innerhalb der Kapitolinischen Museen, auf der Piazzale Caffarelli und in der Via del Tempio di Giove. Daraus kann man die Ausmaße, 62,25 m x 53,30 m des Tempels errechnen, der damit der größte außerhalb der griechischen Welt in Italien war. Der erste Tempel bestand noch zum größten Teil aus mit Stuck überzogenem Holz. Auf dem Giebel befand sich eine Terrakottafigur, die Jupiter als Wagenlenker zeigt. Diese genauso wie die Götterstatuen im Inneren stammten aus der Werkstatt des etruskischen Künstlers Vulca.

Der Jupitertempel brannte einige Male ab und wurde jeweils mit wertvollerem Material wiederaufgebaut. So ließ Sulla für die Restaurierung Säulen des Zeustempel aus Athen bringen. Im 6. Jhd. war er wohl noch intakt, wenn auch seines Goldschmucks beraubt.

Die Vandalen hatten bei ihrer Plünderung Roms 455 die Goldziegel mitgenommen. Im Mittelalter verfiel der Bau auf dem ungenutzten Hügel, der nach den dort weidenden Ziegen nun Monte Caprino genannt wurde.

 

Im Moment können wir Ihnen Rom leider nicht direkt zeigen. Aber gerne stillen wir Ihre Lust auf die Ewige Stadt mit einem virtuellen Stadtrundgang. So genau wie möglich soll dieser Rundgang sein. Sie dürfen ihn gerne Ausdrucken und auch vor Ort benutzen, wenn Sie wieder nach Rom reisen dürfen. Und wir bleiben in Übung beim Erzählen über Kunst, Geschichte und Menschen aus drei Jahrtausenden.

Dies ist ein Work in Progress Projekt. Das heißt, der Rundgang wird nach und nach fertiggestellt. Schauen Sie immer mal wieder herein.

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