Die Geschichte von Santa Maria in Aracoeli

Hoch auf dem Kapitol in Rom steht eine Kirche, deren schlichte Fassade unterschätzen lässt welche Kunstschätze sich dahinter verbergen. Nicht nur Kunst auch eine ganze Menge Geschichten und Legenden sind mit diesem Platz verbunden. Für die Römer ist in der Weihnachtszeit nicht der Petersdom die wichtigste Kirche sondern Santa Maria in Aracoeli, denn hier wohnt das römische Christkind.

Juno Sospita in den Vatikanischen Museen
Juno Sospita in den Vatikanischen Museen

Die Geschichte von Santa Maria in Aracoeli

Der nördliche der zwei Gipfel des römischen Kapitolhügels ist mit 49 m.ü.M. die höchste Erhebung des Hügels. Sowohl aus strategischen, als auch aus religiösen Gründen hatte er für die Römer eine besondere Bedeutung.

Die Arx und Juno die Mahnerin

Auf dieser Erhöhung, von der man gleichzeitig das Tibertal kontrollieren konnte, errichteten die Römer bereits in archaischer Zeit die Arx, die Fluchtburg. Im Jahr 387 v.Chr. konnten sich die Römer nur noch hier verschanzen, als der keltische Stamm der Senonen den Rest von Rom eroberte.

Der Legende nach sollten die Gänse, die in einem heiligen Bezirk der Göttin Juno gehalten wurden die Römer geweckt haben, als die Kelten versuchten sich nachts auf die Burg zu schleichen, womit der endgültige Fall Roms abgewendet wurde.

Daher bekam Juno den Beinamen Moneta, die Mahnerin.

Rekonstruktion des Junotempels
Rekonstruktion des Junotempels

Der Beiname ging später auf die in der Nachbarschaft gegründete Münzstätte über. Von der Moneta stammen sprachlich nicht nur die „Moneten“ sondern auch der Begriff „Münze“ ab.

Die Kelten zogen erst ab, nachdem die Römer ihnen 1000 Pfund Gold zahlten. Als die Römer sich beschwerten, dass die Besatzer falsche Gewichte verwendeten, entgegnete deren König Brennus den berühmten Ausspruch: „Vae victis!“ (Wehe den Besiegten) und legte noch sein Schwert auf die Waagschale.

Tempel der Juno

344 v.Chr. errichtete Furius Camillus nach seinem Sieg über die Aurunker der Juno schließlich einen richtigen Tempel, der bis zum Ende der Verehrung der alten Götter in Rom bestand. Die Arx wandelte sich zu einer großen Terrasse auf der verschiedene Tempel, wie auch einer für die ägyptische Isis, standen.

Juno und Jupiter, 1597, Annibale Carracci, Palazzo Farnese
Juno und Jupiter, 1597, Annibale Carracci

Juno war eine schon vorrömische Göttin, die auch im etruskischen Götterhimmel als Uni vorkam. Sie war die Göttin der Ehe und der Geburt.Kein Wunder, dass fast alle ihre Tempel heute mit einer Marienkirche überbaut sind.

Mit der Angleichung an die griechischen Götter wurde Sie die Gattin von Jupiter und damit Königin des Götterhimmels. Ihr Feiertag war der 1. Juni im Monat, der ihren Namen trägt.

Im Junotempel wurden die Vorlagen für die römischen Maße aufbewahrt. Er war ebenfalls das Archiv der Aufzeichnungen der Konsuln.

Vom Tempel der Juno wurden keine Überreste gefunden, daher ist sein Aussehen reine Spekulation. Er soll mit der Kirche Santa Maria in Aracoeli überbaut worden sein.

Auguraculum

Etruskischer Augur im Grab der Auguren, Tarquinia, 6. Jhd.v.Chr.
Etruskischer Augur, Grab der Auguren, Tarquinia

Im Bereich des Junotempels gab es eine weitere uralte religiöse Einrichtung, das Auguraculum. Es bestand wahrscheinlich nur aus einem eingezäunten Platz mit einer einfachen Hütte, die immer wieder erneuert wurde.

Ein (etruskischer?) Priester beobachteten hier über einer gedachten Linie zum Jupitertempel auf dem Monte Cavo in den Albaner Bergen den Vogelflug und sagten daraus den Willen der Götter voraus.

Die Tradition der Auspizien haben die Römer, wie so vieles andere, von den Etruskern übernommen.

Noch heute kann man den Zauber nachempfinden, wenn man sich morgens auf die große Freitreppe hinter der Kirche stellt und zu den Albaner Bergen schaut, die aus dem Dunst der Millionenstadt hervorragen. Man schaut über die Ruinen des Forum Romanum, einst das Zentrum der Welt. Der Titusbogen, auf einer kleinen Anhöhe, steht genau in der Blickachse.

Santa Maria in Capitolio

Plan, die Kirche des 12. Jhd. dunkelgrau und die heutige Basilika Santa Maria in Aracoeli gestrichelt
Kirche 12.Jhd. dunkel, heutige Basilika gestrichelt

Nachdem die alten Religionen verboten waren, siedelten sich im 6., spätestens im 8. Jahrhundert griechische Mönche beim Tempel der Juno an. Wir wissen nicht wie ihr Kloster und die dazugehörige Kirche aussahen. Wahrscheinlich bedienten sie sich der Ruinen des Junotempels.

Die Griechen wurden im 10. Jahrhundert von Benediktinern abgelöst, die im 12. Jhd. eine neue Kirche auf dem Fundament des Tempels erbauten. Diese entsprach in etwa dem heutigen Querschiff der Basilika.

Einige Reste lassen sich noch im Bau der aktuellen Basilika nachweisen. Die Kirche wurde von der Ausrichtung weg vom nicht mehr benutzten Forum und hin zum Kapitolsplatz gedreht.

Obelisk in der Villa Celimonatana
Obelisk in der Villa Celimonatana

Obelisk

In dieser Zeit muss auch ein antiker Obelisk vor der Kirche aufgestellt worden sein, den der holländische Maler Marten van Heemskerck (siehe unten) noch 1535 zeichnete.

Er wurde vor ca. 3300 Jahren in Ägypten für Ramses II hergestellt und im 1. Jahrhundert nach Rom gebracht um ihn im Isistempel auf dem Marsfeld aufzustellen.

Mit der Umgestaltung des Kapitols durchMichelangelo musste er wieder weichen. Er befindet sich heute etwas versteckt in der Villa Celimontana. Leider hat nur die obere Hälfte die vielen Umzüge überlebt.

Die Franziskaner

1248 gab Papst Innozenz IV. Kirche und Kloster den Franziskanern, da er deren Unterstützung ihm im Konflikt mit Staufern brauchte.

Antonius von Padua, Benozzo Gozzoli, 1454 - 58
Antonius von Padua, Benozzo Gozzoli, 1454 - 58

Sie begannen gleich mit einem völligen Neubau und drehten die Kirche noch mal um eine Vierteldrehung und kehrten endgültig dem antiken Forum den Rücken. Die neue Kirche schaut nun zum neuen Zentrum, dem Petersdom.

Diese Kirche wurde 1268 geweiht obwohl die Arbeiten am Querschiff durch Arniolfo di Cambio, finanziert durch die Familie Savelli, sich bis 1300 hinzogen.

Die Fassade zum Kapitolsplatz, damals noch der Haupteingang, ist heute noch mit ihren Wappen verziert.

Di Cambio richtete für seine Auftraggeber auch im rechten Arm des Querschiffs ihre Familiengrabstätte ein. Besonders schön, das Grab von Luca Savelli, dem Vater von Papst Honorius IV. Arnolfo di Cambio verwendete dafür einen antiken Sarkophag mit Girlanden tragenden Genien.

Legende des Himmelsaltars

Die Kirche bekam nun den Beinamen Aracoeli, Himmelsaltar.

Nicht zufällig wurde dieser Ort der Auguren und der Juno, zum Schauplatz einer mittelalterlichen Legende.

Kapelle der Helena, 17. Jhd.
Kapelle der Helena, 17. Jhd.

Die Tiburtinische Sibylle soll Kaiser Augustus in einer Vision eine Jungfrau mit Kind, auf einem Altar sitzend gezeigt haben. Sie sagte dazu: „Dieses Kind ist größer als du und wird die Götter stürzen.“

Darauf soll Augustus hier einen Himmelsaltar, lateinisch „Ara Coeli“ errichtet haben. Den vermeintlichen Altar sieht man noch unter der Ädikula mit dem Grab der Heiligen Helena im linken Querschiff der heutigen Kirche durch Sehschlitze. Doch ist das wohl eher der Altar der vorherigen, frühmittelalterlichen Kirche.

Bedeutung der Kirche

1348 als Dank für das Ende einer Pestepidemie wurde die lange Treppe zur Westfassade mit Marmor vom Forum Romanum errichtet. Nun bekam man wirklich das Gefühl, dass man in den Himmel hinauf steigt, wenn man die Stufen in Angriff nimmt.

Die Kirche wurde zu einer der wichtigsten der Stadt. Regelmäßig tagte hier der Rat der Stadt und zu Weihnachten 1412 wurde in die Fassade die erste öffentliche Uhr Roms eingebaut. Es entstanden die vielen Seitenkapellen die in den Stilen von Renaissance und Barock ausgestattet sind. Meist wurden sie von adligen Familien über ihren Gruften errichtet.

Vergoldete Holzdecke, 16. Jhd.
Vergoldete Holzdecke, 16. Jhd.

Als 1571 Admiral Marcantonio Colonna die Türken in der Seeschlacht von Lepanto besiegte, wurde sein Triumph hier in der Kirche gefeiert. Die prächtige, mit Galeeren verzierte Holzdecke, erinnert heute noch daran. Wenn man genau hinsieht, bemerkt man die erbeuteten Schilde und Krummschwerter, die in die Decke eingearbeitet wurden.

Den Höhepunkt in ihrer Bedeutung erreichte Maria in Aracoeli im 18. Jhd. unter Abt Giuseppe Maria Fonseca. Er gründete im Kloster eine Philosophie- und Theologieschule und stiftete eine Bibliothek mit mehr als 20 000 Bänden, die heute in alle Winde zerstreut sind. Kurz nach seinem Tod begann die Zerstörung des Klosters

Geschichte der letzten 200 Jahre

Als 1797 die Franzosen Rom eroberten wandelten sie das Kloster in eine Kaserne und die Kirche in einen Pferdestall um.

Das Christkind von Aracoeli, Bambino Gesù
Das Christkind von Aracoeli, Bambino Gesù

Die Uhr wurde 1806 ans Rathaus versetzt. 1815 wurde die Kirche den Franziskanern zurückgegeben. Das Kloster blieb jedoch eine Kaserne bis es zum größten Teil 1886 – 88 für den Bau des monumentalen Denkmals für König Vittorio Emanuele II. abgerissen wurde.

Wer heute Kirche wandelt spürt noch die Geschichte von fast 2500 Jahren. Besuchen Sie die zahlreichen Kubstwerke unter denen die Capella Savelli und die Capella Bufalini mit ihren wunderbaren Fresken aus der Hand von Pinturicchio hervorstechen.

Beachten Sie auch den mittelalterlichen Cosmatenfußboden und die antiken Säulen.

In die dritte Säule vorne links hat jemand die Inschrift a cubiculo augustorum eingraviert. Sie soll aus dem Schlafzimmer des Kaisers stammen, in dem Augustus die Vision des Himmelsaltars hatte.

Vergessen Sie nicht einen Besuch beim Bambino Gesù, dem Christkind von Aracoeli, in der Kapelle hinter der Kapelle der Helena.

Quellen: Laura Russo, Santa Maria in Aracoeli ISBN88-7369-072-6, Mariano Armellini, Le Chiese di Roma.

Mehr Fotos

Besichtigen Sie den Kapitolshügel mit Santa Maria in Aracoeli

 

 

 

 

Buchung und Auskunft unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
oder Telefon: +39 - 346 - 8533377

Die Himmelstreppe führt zu Santa Maria in Aracoeli
Die Himmelstreppe führt zu Santa Maria in Aracoeli

Santa Maria in Aracoeli, 1532, Marten van Heemskerck, den Obelisk sieht man ganz rechts
Santa Maria in Aracoeli, 1532, Marten van Heemskerck, den Obelisk sieht man ganz rechts

Santa Maria in Aracoeli, Innenraum
Santa Maria in Aracoeli, Innenraum

Santa Maria in Aracoeli, Altarraum
Santa Maria in Aracoeli, Altarraum

Capella Savelli, Grab von Luca Savelli, 13. Jhd., mit antikem Sarkophag
Cappella Savelli, Grab von Luca Savelli, 13. Jhd., mit antikem Sarkophag

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen.